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Sauerstoffversorgung des Tumors hat Einfluss auf die Brustkrebsbehandlung

15.07.2002


Erythropoetin optimiert die Brustkrebstherapie und verbessert die Lebensqualität

Neue Erkenntnisse zeigen, dass eine gezielte Verbesserung der Sauerstoffversorgung in der Therapie des Brustkrebses bei Patienten mit Blutarmut (Anämie) auf mehreren Ebenen Erfolg verspricht. So lässt sich mit der Gabe von Erythropoetin alfa sowohl die Chemo- als auch die Strahlentherapie verträglicher und effektiver gestalten. Gleichzeitig kann mit Erythropoetin die Fatigue-Erkrankung behandelt werden. Dies betonte Prof. Dr. med. Peter Vaupel, Mainz, auf der Europäischen Brustkrebskonferenz in Barcelona. Fatigue bezeichnet einen extremen Erschöpfungszustand, unter dem bis zu 90 Prozent der Krebspatienten leiden.

Effektivere Strahlen- und Chemotherapie Eine Anämie kann bei Krebspatienten durch den Tumor selbst oder die gegen den Krebs eingesetzte Chemo- und Strahlentherapie entstehen. Je weniger rote Blutkörperchen vorhanden sind, desto schlechter ist die Sauerstoffversorgung im Körper insgesamt. Das körpereigene Hormon Erythropoetin stimuliert im Knochenmark die Bildung roter Blutkörperchen und verbessert damit die Sauerstoffversorgung. Da die Wirkung von Gamma- und Röntgenstrahlen sauerstoffabhängig ist, lässt sich mit Erythropoetin die Strahlentherapie effektivieren. "Man braucht bei einem Sauerstoffmangel - der Hypoxie - im Tumorgewebe eine fast dreifach höhere Strahlendosis, um den gleichen Therapie-Effekt zu erzielen", erläuterte Vaupel. Ähnlich erkläre sich auch die verbesserte Wirksamkeit der Chemotherapie mit sauerstoffabhängigen Zytostatika.

Der Vermehrung von aggressiven Tumorzellen entgegenwirken Nach Einschätzung von Vaupel ist ein weiterer Aspekt zu beachten, der von ganz besonderer Bedeutung zu sein scheint: "Bei schlechter Sauerstoffversorgung des Tumorgewebes überleben häufig nur die besonders aggressiven Tumorzellen, da sie mit dieser "Stresssituation" am besten fertig werden." Durch diese zunehmende Selektion bleiben am Ende nur die bösartigsten Zellen übrig. Diese vermehren sich schnell weiter und bestimmen dann das Schicksal des Patienten. "Die Gabe von Erythropoetin wirkt dieser Entwicklung bei anämischen Krebspatienten entgegen", erklärte Vaupel in Barcelona.

Lebensqualität der Krebspatienten im Focus Die meisten Krebspatienten haben große Angst vor Nebenwirkungen einer Therapie wie Übelkeit und Haarausfall. Zu wenig beachtet wird, dass der Alltag vieler Krebspatienten vor allem vom Fatigue-Syndrom belastet wird. Die meisten Betroffenen nehmen diese Beschwerden als Teil ihrer Krebserkrankung hin und werden zunehmend inaktiv. Dabei lässt sich gegen diese Erschöpfung etwas tun. "Die Korrektur der Blutarmut bewirkt eine Verbesserung der Lebensqualität mit all ihren Aspekten. Durch eine rechtzeitige Therapie mit Erythropoetin kann eine Anämie und damit ein Fatigue-Syndrom häufig sogar verhindert werden", betont Vaupel.

Insgesamt, so resümierte der Krebsspezialist, habe man zum ersten Mal ein Therapieverfahren an der Hand, das nicht nur Erfolg verspreche in der Verlängerung der Überlebenszeit, sondern auch in der Verbesserung der Lebensqualität: "Die Verbesserung der Sauerstoffversorgung im gesamten Körper durch die Bekämpfung der Anämie führt zu einer bedeutenden Milderung aller Symptome des Erschöpfungssyndroms."

Martin Wiehl | ots

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