Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission

15.07.2002


Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, STIKO, hat ihre Impfempfehlungen neu gefasst und im Epidemiologischen Bulletin 28/2002 veröffentlicht. Der Impfkalender, der bislang die allgemein empfohlenen Impfungen für Kinder und Jugendliche zusammenfasste, enthält nun auch die (zuvor an anderer Stelle der STIKO-Empfehlungen aufgeführten) generellen Impfempfehlungen für Erwachsene. Außerdem hat die STIKO die Gliederung der Impfungen, die Impfkategorien, erweitert und übersichtlicher gestaltet und sich erstmals zum Impfen bei fehlender STIKO-Empfehlung geäußert. Die sogenannte Postexpositionsprophylaxe ("andere Maßnahmen der spezifischen Vorbeugung") ist jetzt für weitere Erkrankungen empfohlen worden.



"Impfungen gehören zu den effektivsten und kostengünstigsten Maßnahmen der Prävention im Gesundheitswesen", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. Unmittelbares Ziel der Impfung ist es, den Geimpften vor einer ansteckenden Krankheit zu schützen und das Infektionsrisiko für die Gemeinschaft zu verringern. Bei Erreichen hoher Durchimpfungsraten können einzelne Krankheitserreger eliminiert werden, sofern der Mensch einziger Wirtsorganismus ist. So ist die Eliminierung von Masern erklärtes Ziel auch in Deutschland. Für die Poliomyelitis ist dieses Ziel für Deutschland und Europa kürzlich erreicht worden. "Gerade jetzt ist die Polio-Impfung weiterhin unverzichtbar, jeder sollte ausreichend geimpft sein, um die erreichten Erfolge nicht zu gefährden. Es ist nicht auszuschließen, dass Polioviren durch infizierte Reisende aus Übersee nach Deutschland eingeschleppt werden, so dass ein umfassender Impfschutz auch hier unverzichtbar ist", betont Reinhard Kurth. Nach den neuen STIKO-Empfehlungen gelten Personen mit vier oder mehr dokumentierten Polio-Impfungen als vollständig immunisiert.

... mehr zu:
»Diphtherie »Impfung »STIKO »Tetanus


Die STIKO gibt nicht nur Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen, sondern auch zur Durchführung anderer Maßnahmen der spezifischen Vorbeugung übertragbarer Krankheiten (§ 20 Infektionsschutzgesetz). So lässt sich für eine Reihe von Infektionskrankheiten bei einer Person, die Erregern ausgesetzt war, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung verringern, entweder durch eine Art nachträgliche Impfung (aktive Immunisierung mit Impfstoff oder passiver Schutz durch Immunglobuline) oder durch Antibiotika beziehungsweise Virostatika. Solche Maßnahmen (die für die Ausnahmen gedacht sind, in denen eine vorbeugende Impfung nicht oder nicht mehr möglich ist) empfiehlt die STIKO jetzt auch für Haemophilus influenzae Typ B, Meningokokken-Infektionen, Pertussis und Diphtherie.

Die von der STIKO empfohlenen Impfungen sind sowohl hinsichtlich ihrer epidemiologischen Bedeutung als auch ihrer Kostenübernahme unterschiedlich. Sie sind in Kategorien eingeteilt. Die im Impfkalender aufgeführten Impfungen entsprechen in der neuen Kategorisierung den (mit einem "S" gekennzeichneten) Standardimpfungen. Sie sind von hohem Wert für den Gesundheitsschutz des Einzelnen und der Allgemeinheit und deshalb für alle Angehörigen der jeweiligen Alters- oder Bevölkerungsgruppen empfohlen.

Der Impfkalender umfasst für Säuglinge Impfungen gegen Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Haemophilus influenzae Typ B, Hepatitis B, Poliomyelitis sowie für Kinder zwischen elf und vierzehn Monaten die Immunisierung gegen Masern, Mumps, Röteln. Kinder im Vorschulalter sollten eine Auffrischungsimpfung (A) gegen Diphtherie und Tetanus erhalten. Für Jugendliche werden Auffrischungsimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Polio und Pertussis empfohlen. Bei unvollständigem Impfschutz sollten die Impfungen vervollständigt werden. Insbesondere ist für Jugendliche eine vollständige Immunisierung gegen Hepatitis B und gegen Masern, Mumps, Röteln unverzichtbar. Für Erwachsene sind ebenfalls regelmäßige Auffrischungsimpfungen gegen Diphterie und Tetanus empfohlen und für die über Sechzigjährigen generell die Pneumokokkenimpfung (alle fünf Jahre) und die Influenzaimpfung (jährlich).

Indikationsimpfungen (I) betreffen Risikogruppen mit individuell erhöhtem Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko. So sollten zum Beispiel Zwölf bis Fünfzehnjährige, die nicht gegen Windpocken geimpft sind und die Erkrankung auch noch nicht durchgemacht haben, unbedingt geschützt werden. Durch ein "B" markiert sind die Empfehlungen für Impfungen auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos, ein "R" kennzeichnet Impfungen aufgrund von Reisen, ein "P" die postexpositionelle Prophylaxe (einschließlich Riegelungsimpfungen) beziehungsweise andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe.

Neben den von der STIKO empfohlenen Impfungen sind auf der Basis der existierenden Impfstoffzulassungen weitere Impfindikationen möglich, die für eine individuelle gesundheitliche Situation sinnvoll sein können. Der Arzt sollte seine Patienten bei entsprechenden Voraussetzungen auf diese weiteren Schutzmöglichkeiten hinweisen. Insofern hindert auch eine fehlende STIKO-Empfehlung den Arzt nicht, seinem Patienten eine individuell sinnvolle Impfung nahe zu legen.


*****************************************************
Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nordufer 20, 13353 Berlin

Tel.: +49 (0)1888/754-2286
Fax: +49 (0)1888/754-2265
E-Mail: presse@rki.de



Heidrun Wothe | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/STIKO/STIKO.HTM

Weitere Berichte zu: Diphtherie Impfung STIKO Tetanus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics