Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

LipidomicNet: EU fördert Forschung zum Verständnis von Fettstoffwechsel und assoziierten Erkrankungen

27.06.2008
Stoffwechsel-Überlastungs-Erkrankungen (Metabolic Overload), wie Fettleibigkeit und assoziierte Erkrankungen stellen eine massive Belastung der betroffenen Personen und der Volkswirtschaft dar.

Im Rahmen des "LipidomicNet" erforscht ein Konsortium aus 21 europäischen Forschergruppen mit 5 Industriepartnern die Wechselwirkungen zwischen Fetten (Lipiden) und Eiweißen (Proteinen), sowie die Dynamik der Ablagerung und der Freisetzung von Fetten in den Zellen.

Die Europäische Union fördert dieses Projekt mit einer Summe von 11,6 Millionen Euro. Dies ist die höchste Förderung europaweit auf diesem Forschungsgebiet für die größte diesbezügliche Forschergruppe, erläuterte die Vertreterin Dr. Christina Kyiakopoulou im Rahmen des Kick-Off-Meetings für das Projekt, zu welchem sich letzte Woche die Projektpartner aus Finnland, Schweden, England, Polen, Frankreich, Italien, Österreich und Ungarn in Regensburg trafen.

Die Koordination des Projekts liegt bei Prof. Gerd Schmitz, Leiter des Instituts für Klin. Chemie am Universitätsklinikum Regensburg.

... mehr zu:
»Gen »Lipide »Lipidomik »Protein

"Das Projekt zielt darauf ab, die Forschung auf dem Gebiet der "Lipidomics" zu forcieren, einem Themengebiet, das sich auf molekularbiologischer Ebene mit der Rolle der Struktur und Funktion von Lipiden im gesunden und kranken Organismus beschäftigt," so Schmitz. "Mit der Unterstützung durch diese EU-Mittel kann Europa im Rahmen dieses Forschungsprojektes seine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Analyse und Biochemie von Lipiden weiter ausbauen."

Im Mittelpunkt des Interesses von "LipidomicNet" stehen sogenannte "lipid droplets (LDs)" ("Fett-Tröpfchen"). Dies sind dynamische Zellbestandteile (Organelle) zur Speicherung und Freisetzung von Fett, die bezüglich ihrer Zusammensetzung, ihres Stoffwechsels und ihrer Regulierung von Interesse sind. Fett-Einlagerungen führen in zahlreichen Organen zur Umwandlung von Zellen und somit z.B. zu Fettleber oder Übergewicht - Merkmale von Erkrankungen, die aus einem Energie-Überschuss resultieren. Außerdem spielen lipid droplets eine wichtige Rolle bei Infektionen mit dem Hepatitis-C Virus, einer Hauptursache von Lebererkrankungen. Alles Krankheitsbilder, die in absehbarer Zeit eine wesentliche Gesundheitsbelastung darstellen werden.

Nutzung neuer technologischer Entwicklungen
Enorme Fortschritte im Bereich biomedizinischer Grundlagenforschung wurden in den letzten zehn Jahren hauptsächlich auf den Gebieten der Genomik (Genforschung) und Proteomik (Proteinforschung) erzielt. Nun verspricht die gegenwärtige Revolution in der Lipid-Analytik auch auf dem neuen Gebiet der Lipidomik ("Fett-Forschung") eine Änderung: Erstmals sind methodische Möglichkeiten vorhanden, mithilfe derer sich das gesamte Spektrum von Lipiden in einer Zelle, in Geweben oder im gesamten Organismus erfassen lässt. Methoden wie Massenspektrometrie im Nano-Maßstab und Hoch-Durchsatz-Technologien in Kombination mit molekularer Bildgebung und moderner Infomationstechnologie liefern neue Erkenntnisse. Erkenntnisse, die vermutlich unser Verständnis über die komplexen, miteinander verwobenen Netzwerke innerhalb lebender Zellen revolutionieren werden und unser Verständnis, wie Lipide zusammen mit Genen und Proteinen zelluläre Funktionen im gesunden und kranken Organismus bestimmen.

Lipide spielen eine zentrale Rolle bei der Regelung und Kontrolle zellulärer Prozesse, auch weil sie die Grundbausteine von Biomembranen darstellen, die wiederum Schauplatz für die überwiegende Mehrheit zellulärer Funktionen sind. Die rasante Entwicklung massenspektrometrischer Methoden ermöglicht ein völlig neues Verständnis der räumlichen und zeitlichen Zusammensetzung der Zellmembran einzelner Zellen sowie gesamter Gewebeverbände. Spezifische Störungen oder Veränderungen des gesamten Membran-Lipidprofiles können nun räumlich und zeitlich zuverlässig identifiziert und quantitativ analysiert werden. Mit einem integrierten "Lipidomics"-Ansatz, nämlich der Kombination von fortgeschrittenen Analysemethoden der Lipidomik mit solchen der Proteomik und Transkriptomik, sowie neuen bildgebenden Verfahren auf Basis der RNA-Interferenz-Methode, soll es möglich werden, das komplexe Netzwerk der Lipide, Gene und Proteine detailliert zu verstehen.

Optimale Datenverwertung durch internationale Vernetzung
Um die im Projekt erhaltenen Daten optimal auszuwerten, wird "LipidomicNet" als detailliertes Wikipedia-Datenbank-Format mit speziellen Funktionen entwickelt und in die bereits existierende Wiki-Datenbank "Lipidomics Expertise Plattform (LEP)" integriert. Durch eine großflächige Vernetzung wird so für eine maximale Verwertung der Daten gesorgt: LEP wurde bereits in einem vorbereitenden Projekt "SSA ELIfe" (www.lipidomics-expertise.de) etabliert. ELIfe arbeitet mit der amerikanischen NIH Initiative "LIPID MAPS" (www.lipidmaps.org) und dem japanischem Pendant "Lipidbank" (www.lipidbank.jp) zusammen und ist zusätzlich mit dem Danubian Biobank Consortium (www.danubianbiobank.de) das sich mit klinischer Lipidomik beschäftigt, verbunden.
LipidomicNet setzt auf "private public partnership (PPP)"
Ein Konsortium von 21 europäischen Forschergruppen mit 5 Privatfirmen soll die effektive Umsetzung der Ergebnisse in neue Technologien und Produkte zum Nutzen des Gesundheitssystems sicher stellen. Als Industriepartner wurden fünf kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), mit für LipicomicNet relevanten Kernkompetenzen gewählt: BIOBASE (www.biobase.de), ISB (www.systemsbiology.ru), ZORA Biosciences (www.zora.fi), Integromics (www.integromics.com) und Protagen (www.protagen.de).

LipidomicNet hat die dringend notwendige Forcierung der Forschung auf dem Gebiet der Lipidomik erkannt, um die besten Nachwuchsforscher für dieses sich neu entwickelnde Forschungsgebiet zu gewinnen. Nur dadurch können grundlegende europäische Interessen auf diesem wichtigen Gebiet im Wettbewerb mit den USA und Asien gewahrt werden. Die Förderung von LipidomicNet auf dem Gebiet der Lipidomik wird eindeutig Impulse liefern, die für die Bereiche Gesundheit, Ernährung und Therapie von Bedeutung sein werden

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.lipidomics-expertise.de

Lipidomics / Lipidomik
Analog zu Genomik und Proteomik, der umfassenden Forschung in Bezug auf das menschl. Erbgut (Genom), bzw. Zelleiweiße (Proteom) versteht man unter "Lipidomics" oder Lipidomik die umfassende Forschung an nicht-wasserlöslichen Metaboliten (z.B. Fetten / Lipiden).
EU-Rahmenprogramme:
Die "LipidomicNet"-Initiative wurde innerhalb des siebten EU-Rahmenprogramms ins Leben gerufen und wird mit 11 Mio. Euro gefördert. Das Siebte Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (RP7) ist das Hauptinstrument der Europäischen Union für die Forschungsfinanzierung in Europa. Während seiner siebenjährigen Laufzeit von 2007 bis 2013 steht dem RP7 ein Budget in Höhe von 53,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Das ist die bislang höchste Bereitstellung von Finanzmitteln für derartige EU Programme.

http://www.forschungsrahmenprogramm.de/

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Prof. Dr. Gerd Schmitz,
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin,
Universitätsklinikum Regensburg,
Tel.: 0941-944-6201

Cordula Heinrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschungsrahmenprogramm.de/
http://www.lipidomics-expertise.de

Weitere Berichte zu: Gen Lipide Lipidomik Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften