Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur bestimmte Phasen in der Kindheit sind entscheidend für späteres Übergewicht

26.06.2008
Ein Forscherteam des Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM), unter der Leitung von Marie-Aline Charles, hat sich mit dem Einfluss der verschiedenen Entwicklungsphasen bei Kindern zwischen der Geburt und dem Alter von 5 Jahren auf die spätere Entwicklung ihres Gewichts befasst.

Dabei konnte das Forscherteam nachweisen, dass nicht alle Phasen gleichermaßen zur Bildung der Fettmasse in der Adoleszenz beitragen. Vielmehr erwies sich das Alter bis 3 Monate und über 3 Jahre als ausschlaggebend. Des Weiteren konnten die Forscher feststellen, dass die Wachstumsgeschwindigkeit in den ersten Lebensmonaten später unterschiedliche Auswirkungen auf Jungen und Mädchen hat.

Zahlreiche Studien haben bereits auf einen Zusammenhang zwischen der frühzeitigen Gewichtszunahme (im Alter von 0 bis 5 Jahren) und späterer Fettleibigkeit hingewiesen. Jedoch waren die jeweilige Bedeutung der verschiedenen Altersphasen sowie die möglichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bisher noch nicht genau untersucht worden. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler des INSERM sich auf Daten gestützt, die im Rahmen einer in Nordfrankreich zwischen 1992 und 1997 durchgeführten Messkampagne bei Kindern gesammelt wurden. Anhand der gemessenen Körpergrößen und -gewichte sowie ergänzender Daten konnten sie ein mathematisches Modell für die Wachstumsgeschwindigkeit (Gewicht und Größe) der Kinder entwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht alle Wachstumsphasen sich in der gleichen Weise auf die Bildung der Fettmasse zum Zeitpunkt der Adoleszenz auswirken.

Bei einer raschen Gewichtszunahme im Alter von bis zu 3 Monaten und ab 3 Jahren ist das Risiko für eine spätere Adipositas am größten. Somit steigt das Risiko für Übergewicht um 52 %, wenn die Gewichtszunahme im Alter von 3 Monaten bei 143 g/Monat liegt. Im Gegensatz dazu konnte kein Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit der Gewichtszunahme und der künftigen Fettmasse im Alter von 1 bis 2 Jahren hergestellt werden.

... mehr zu:
»Inserm »Übergewicht

Darüber hinaus konnten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen festgestellt werden. Die Wachstumsgeschwindigkeit drei Monate alter Jungen wirkt sich nicht nur auf die spätere Fettmasse, sondern auch auf die Muskelmasse aus. Bei Mädchen hingegen beeinflusst ein schnelles Wachstum überwiegend die Zunahme der Fettmasse. Somit ist das Adipositas- Risiko für Mädchen in diesem Alter höher, als das der Jungen.

Aus ihrer Arbeit schließen die Forscher, dass die frühe Kindheit zum einen aus Zeitabschnitten besteht, die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Übergewichtsproblemen spielen können, und zum anderen aus Phasen, in denen der Energiebedarf für das Wachstum so groß ist, dass kein Risiko besteht, dass ein Übermaß an Energie in Form von Fett im Körper gelagert wird. Dies scheint insbesondere für die Altersklasse zwischen 1 und 2 Jahren der Fall zu sein: eine eingeschränkte Energiezufuhr könnte dann sogar negative Folgen haben.

Die Forscher wollen nun ihre Arbeit fortsetzen, um herauszufinden, welche Faktoren für eine zu schnelle Gewichtszunahme in den ersten Lebensmonaten und im Alter von über 3 Jahren verantwortlich sind. Kann man diese Faktoren beeinflussen, ohne andere Aspekte der Entwicklung zu gefährden? Welchen Einfluss könnte eine genetische Veranlagung haben? Nach Ansicht von Marine-Aline Charles sollten zunächst diese Fragen geklärt werden, bevor über eine effizientere frühere individuelle Vorbeugung nachgedacht wird.

Kontakt: Marie-Aline CharlesUnité Inserm 780
16 avenue Paul Vaillant Couturier
F- 94807 Villejuif
@ marie-aline.charles@inserm.fr
+33 1 45 59 51 05
http://www.inserm.fr
Quelle: Pressemitteilung des INSERM, 12.06.2008
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Wissenschaft-Frankreich (Nummer 144 vom 25.06.08)
Französische Botschaften in Deutschland und Österreich
Kostenloses Abonnement durch E-Mail : sciencetech@botschaft-frankreich.de

| Wissenschaft Frankreich Nr. 144
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Berichte zu: Inserm Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie