Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anästhesie verstärkt postoperative Schmerzen

25.06.2008
Betäubungsmittel wirken kontraproduktiv

Ein Forscherteam der Georgetown University in Washington DC hat im Mäuseversuch nachgewiesen, dass einige gängige Narkosemittel Schmerzen nach Operationen verstärken können. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS in seiner jüngsten Ausgabe. In Zukunft sollen Anästhesisten genau jene Betäubungsmittel vermeiden, die diese unangenehmen Nebenwirkungen aufweisen.

Bisher gingen die Forscher davon aus, dass die Schmerzen eine Nebenwirkung der Operation selbst war. "Wir hatten niemals gedacht, dass die Narkosemittel daran schuld sein können", so Studienleiter Gerard Ahern. Das Schlimme sei, dass diese Medikamente die Schmerzen sogar noch vergrößern, meint der Wissenschaftler. Grund für das Auftreten der Schmerzen ist die Aktivierung von Nervenzellen durch die Medikamente. Die Folgen sind neben einem brennenden Gefühl an der Einstichstelle auch stärkere Wundschmerzen nach Operationen und eine allgemeine Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit. Verschlimmert wird diese Situation zudem auch noch durch Entzündungsreaktionen. Nicht nur die injizierten Narkosemittel Propofol und Etomidat, die bekannterweise brennende Schmerzen an der Einstichstelle hervorrufen, sondern auch die beiden Betäubungsmittel Isofluran und Desfluran, die inhaliert werden, gehören zu den problematischen Medikamenten.

Das Forscherteam hat im Mäuseversuch auch gleich untersucht, wie diese Effekte zustande kommen. Wenn ein Patient betäubt wird, aktiviert das Anästhetikum ein Protein im zentralen Nervensystem, das GABA-Rezeptor genannt wird. Aber nicht nur die GABA-Rezeptoren werden aktiviert, sondern auch die zwei Rezeptoren namens TRPA1 und TRPV1. TRPA1 ist auch für Schmerzen beim Genuss scharfer Nahrungsmittel wie etwa Senföl und Wasabi verantwortlich. Im Tierversuch zeigte sich deutlich, dass Entzündungen deutlich verstärkt wurden, wenn sie mit den Narkotika behandelt wurden. Wenn die Rezeptoren hingegen fehlten, zeigten die Mäuse keine Anzeichen von Unwohlsein.

"Es deutet einiges daraufhin, dass die Verwendung solcher Narkosemittel vor und nach einer Operation mitverantwortlich für jene Schmerzen sind, die der Patient nach dem Aufwachen spürt", so Gerard Ahern. Wenn im klinischen Bereich der Einsatz anderer Anästhetika nicht möglich ist, könnte man bei der Narkose zusätzlich Substanzen verabreichen, die diese Rezeptoren blockieren. Herkömmliche Narkosemittel nutzen allerdings die Signalwege von GABA und den TRP-Kanälen. "Daher könnte es nämlich sehr schwer sein, Betäubungsmittel zu entwickeln, die diese Effekte nicht zeigen", meint Ahern.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.georgetown.edu

Weitere Berichte zu: Betäubungsmittel Narkosemittel Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie