Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Getreideunverträglichkeit gefährdet kindliche Entwicklung

19.06.2008
Lea wollte nicht mehr zunehmen. Hilfe fand sie an der Kinderklinik des Universitätsklinikum Bonn. Die Ärzte diagnostizierten eine Lebensmittelallergie, die Coeliakie.

Gluten, ein Eiweiß in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, löst eine Entzündung des Dünndarms aus. Die Nahrungsaufnahme ist gestört.

Anlässlich des 1. Deutschen Lebensmittel-Allergietages am 21. Juni - ausgerufen vom Deutschen Allergie- und Asthmabund - will das Universitätsklinikum Bonn auf diese häufige, aber oft auch nicht erkannte Getreideunverträglichkeit aufmerksam machen. Jeder 200ste Mensch in Deutschland ist davon lebenslang betroffen.

Ihre Eltern waren so glücklich nach ihrer Geburt und Lea entwickelte sich prachtvoll. Nach sechs Monaten bekam sie ihre erste Zusatznahrung. "Am liebsten aß sie Grießbrei mit Milch", sagt die Mutter. Doch dann kam die lange Zeit des Bangens: Lea verlor die Lust am Essen und nahm nicht mehr zu. Ihre Mutter verzweifelte, denn das Mädchen litt ständig unter Durchfall.

Doch der Kinderarzt sah zunächst keinen Grund zur Besorgnis. Inzwischen war Lea fast ein Jahr alt. Sitzen konnte sie zwar ganz gut, aber mit dem Laufen wollte es nicht so gut klappen. Nur mit Mühe konnte sie sich hinstellen. Auch Krankengymnastik verbesserte die Situation nicht. Trotz mehrfacher Umstellung der Ernährung hatte Lea seit drei Monaten nicht mehr zugenommen. Eine Blutarmut aufgrund zu wenig Eisen wurde festgestellt. Der Kinderarzt entschied: Lea muss in die Bonner Universitätskinderklinik. Dort wurde sie gründlich untersucht. Das Mädchen war etwas blass und mager.

Sie hatte einen kugelrunden vorgewölbten Bauch und dünne Beinchen. Trotz täglicher Gabe von Vitamin D zeigte sie Zeichen einer Rachitis wie aufgetriebene Gelenke an Armen und Beinen, knopfartige Schwellungen auf der Brust an den Enden der Rippen und leichte O-Beine. "Wir hatten einen starken Verdacht auf Coeliakie", sagt Professor Dr. Michael Lentze, Direktor der Kinderklinik des Universitätsklinikums Bonn. Daher testeten die Ärzte ihr Blut auf Transglutaminase-Antikörper, die mit einer Wahrscheinlichkeit von über 96 Prozent zeigen, ob eine Glutenunverträglichkeit vorliegt oder nicht.

Coeliakie ist keine Kinderkrankheit

Coeliakie ist eine angeborene Veranlagung, bei der der Darm auf Gluten reagiert. Gluten gehört zu den Klebereiweißen der Getreide Weizen, Roggen, Gerste und Hafer und ist für das Zusammenkleben des Brotteiges verantwortlich. Kleine Bruchstücke dieses Eiweißes zerstören die Dünndarmschleimhaut. Die Darmschleimhaut wird dadurch flach und kann die Nahrung nicht mehr aufnehmen. Folgen sind Durchfälle und eine Gedeihstörung. Da auch Mineralien und Vitamine nicht mehr aufgenommen werden, kann es zu Eisenmangelanämie und Rachitis kommen.

Nicht nur Kinder erkranken an Coeliakie. Bei Erwachsenen heißt sie Sprue. "Je älter man ist, desto schwerwiegender können die Symptome sein. Kleinwuchs ist eines davon, aber auch verspätete Pubertät sowie Eisenmangel auch ohne Durchfall", sagt Professor Lentze. Und sie kommt häufiger mit anderen Krankheiten wie Zuckerkrankheit und anderen Autoimmunkrankheiten kombiniert vor. Erwachsene haben, wenn sie keine Diät halten, ein erhöhtes Risiko für Lymphknotenkrebs. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Familienangehörige betroffen sind, beträgt zehn Prozent.

Ein Leben lang Diät halten

Der Antikörpertest bestätigte den Verdacht auf Coeliakie. Leas Mama hatte von dieser Lebensmittelallergie noch nie etwas gehört. Das Mädchen muss nun glutenfrei ernährt werden. Alle glutenhaltigen Produkte wie herkömmliches Brot und Backwaren sind für sie tabu. "Diese glutenfreie Diät muss Lea für den Rest ihres Lebens einhalten", sagt Professor Lentze. Doch Ersatzprodukte für Brot, Brötchen, Kekse, Kuchen und Pizza sowie Nudeln werden bereits von der Industrie angeboten.

Eine Diätassistentin beriet Leas Mutter und gab ihr einen Ernährungsplan für die nächste Zeit. Nach zwei Monaten hatte Lea schon drei Kilogramm zugenommen. "Und stellen Sie sich vor, sie hat ganz schnell laufen gelernt", freut sich die Mutter. Ein anderes Kind sei sie geworden, fröhlich, witzig und guter Dinge. Zwei Jahre später ist Lea ein gesundes Kind. Sie geht in den Kindergarten und unterscheidet sich nicht von den anderen Kindern - außer, dass sie jeden Tag ein Extrapäckchen mit ihrer glutenfreien Spezialernährung dabei hat.

Tipps zur Ernährung gibt es von der Deutschen Coeliakie-Gesellschaft in Stuttgart (http://www.dzg-online.de). Für wenige Euro im Jahr kann man dort Mitglied werden und bekommt dann ausführliche Informationen mit Positivlisten und Negativlisten aller in Deutschland hergestellten Lebensmittel. Außerdem gibt es Kontakte und Informationen zu den Herstellern von glutenfreien Produkte.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Michael Lentze
Direktor der Kinderklinik des Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-33213
E-Mail: michael.lentze@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Coeliakie Getreideunverträglichkeit Gluten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics