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Diskussion - wie gefährlich sind die Nebenwirkungen der "Antiadipositas"-Medikamente?

10.07.2002

Arzneimittel zur Gewichtsreduzierung mit dem Wirkstoff Sibutramin sind in Italien seit dem 6. März 2002 vorerst vom Verkauf ausgeschlossen. Das italienische Gesundheitsministerium reagierte damit auf zwei Todesfälle, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme von Sibutramin auftraten. Die italienische Entscheidung ist Anlass für eine neue Bewertung dieses Wirkstoffs in der gesamten Europäischen Union. Der Wirkstoff Sibutramin ist in Deutschland unter dem Produktnamen Reductil als rezeptpflichtiges Arzneimittel im Handel.

Die in Italien aufgetretenen Fälle lassen vermuten, dass das Risiko der Nebenwirkungen des Medikaments möglicherweise nicht richtig eingeschätzt wurde. Sven-David Müller, Sprecher der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. mit Geschäftsstelle in der Reha-Klinik an der Rosenquelle in Bad Aachen rät bis zur Neubewertung von Nutzen und Schaden von Reductil zu äußerster Vorsicht im Umgang mit dem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Der Arzneimittel-Spezialitätenausschuss der Europäischen Zulassungsbehörde EMEA hatte den Reductil-Hersteller Abbott verpflichtet, Ärzte in ganz Europa anzuschreiben, um auf die richtige Anwendung des Produkts hinzuweisen, teilte die DPA am 28. Juni mit. Als anders wirksames "Adipositas-Arzneimittel" steht noch das rezeptpflichtige Xenical (Wirkstoff Orlistat) zur Verfügung, das im Magen-Darm-Trakt die Lipolyse hemmt und so die Fettverdauung reduziert. 30 Prozent des aufgenommenen Fettes werden mit dem Stuhl ausgeschieden und schlagen nicht mehr zu B(a)uche. In Verbindung mit Xenical sind keinerlei systemische Nebenwirkungen bekannt und denkbar, da Xenical im Magen-Darm-Trakt wirkt und wieder ausgeschieden wird. Die einzige fühlbare Wirkung neben der Gewichtsreduktion, nämlich die Ausscheidung von Fett durch den Stuhl, ist bei übergewichtigen Menschen erwünscht und durch eine gemäßigte Aufnahme von Fett in der Nahrung in der Intensität kontrollierbar.

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Das im Jahr 1997 zugelassene Medikament Reductil hingegen birgt bekannte Risiken und Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Hypertonie und zentralnervöse Störungen, die in 74 Nebenwirkungsberichten dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorliegen. Selbst die Hersteller-Firma Abbott Laboratories weist auf eine Kontraindikation für Sibutramin hin, wenn gleichzeitig verschreibungspflichtige Medikamente aus der Gruppe der so genannten Monoaminoxidase, die häufig bei Depressionen oder der Parkinson-Krankheit verschrieben und eingenommen werden. Auch bestätigt Abbott, dass Sibutramin bei einigen Patienten zu einem erheblichen Blutdruckanstieg führt. Nach Aussagen des Leiters der Abteilung Arzneimittelsicherheit des BfArM, Ulrich Hagemann, sind Nebenwirkungen wie Erregungszustände, Schwindel und Kopfschmerzen bekannt und entsprechen den Erwartungen aus der Zulassung. In einer DPA Meldung vom 28. Juli 2002 warnte Abbott vor der Einnahme des Schlankheitsmittels Reductil bei zu hohem Blutdruck. Weiter teilte Abbott mit, dass Sibutramin bei einigen Patienten zu einem erheblichen Anstieg des Blutdrucks führen könne.

In Deutschland sind bisher keine Todesfälle im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Sibutramin bekannt. Bei den in Italien verstorbenen Personen handelt es sich um zwei Frauen im Alter von 28 und 45 Jahren. Im Gegensatz zu Deutschland ist das Mittel in Italien rezeptfrei erhältlich und so auch Menschen zugänglich, die zur Risikogruppe für Sibutramin zählen. Die ärztliche Kontrolle, die bei uns durch die Verschreibungspflicht gegeben ist, entfällt in Italien.

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik stellt allgemein die Eignung eines Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers für eine dauerhafte und sinnvolle Gewichtsreduktion in Frage. Die Einnahme von Sibutramin fördert nicht die Umstellung auf ein vernünftiges Essverhalten und einen gesunden Lebensstil mit vermehrter Bewegung sowie mehr pflanzlichen, also ballaststoffreichen und sättigenden und weniger tierischen, fettreichen Bestandteilen in der Ernährung.

Die Ernährungsfachleute in Aachen bieten allen Abnahmewilligen einen telefonischen Beratungsdienst, der individuelle Fragen beantwortet. Unter der Nummer 0241 - 4450600 stehen Anrufern die Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen werktags in der Zeit von 9.00 bis 15.00 Uhr zur Verfügung. Ein Besuch der Homepage des Instituts http://www.diet-aachen.de ist ebenfalls lohnenswert.

DIET wurde am 16.11.1999 in Köln gegründet und am 04.04.2002 unter dem Namen DIET - Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in das Vereinsregister des Amtsgerichts Neustadt a.d. Aisch unter der Nummer des Vereins : VR 582 eingetragen. Die Gemeinnützigkeit des Vereins wurde bereits im Februar 2000 vom Finanzamt unter der Steuernummer 225 59 02 691 bescheinigt. Die Geschäftsstelle der Gesellschaft befindet sich seit Januar 2000 in der Reha-Klinik an der Rosenquelle in Bad Aachen. Die Abkürzung des Vereinsnamens DIET steht für das englische Wort diet, was soviel bedeutet wie Kostform, Diät oder Nahrung. Der Zweck der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik ist die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens im Bereich der medizinischen Ernährung und Diätetik. Zur Erreichung des Satzungs-Zwecks unterhält die Gesellschaft seit April 2000 unter anderem verschiedene ernährungsmedizinische Beratungsdienste und betreibt intensive Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich. Präsident der Gesellschaft ist Prof. Dr. Rudolf Schmitz, Aachen und Wissenschaftlicher Direktor ist Prof. Dr. Helmut Mann, Aachen.

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Weitere Informationen:
http://www.diet-aachen.de

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