Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlafkrankheit: Wenn die "Achillessehne" des Erregers seine Achillesferse wird

12.06.2008
Die Entdeckung eines für den Trypanosomen-Parasiten lebensnotwendigen Eiweißes könnte einen neuen Weg für die Behandlung einer weltweit berühmten Parasitose eröffnen: der Schlafkrankheit.

Forscher des CNRS haben jetzt nachgewiesen, dass das Fehlen dieses Proteins die Trypanosomen aushungert und somit ihren Tod verursacht. Von der Schlafkrankheit besonders betroffen, sind die subsaharischen Länder Afrikas. Sie stellt eine beträchtliche Belastung für das Gesundheitswesen und die Ökonomie der betroffenen Länder dar. 36 afrikanische Länder sind von dieser Erkrankung, die auch als Afrikanische Trypanosomiasis bezeichnet wird, bedroht.

Schätzungen zufolge sind in Zentralafrika etwa 300.000 – 500.000 Menschen mit dieser Parasitose, die unbehandelt zum Tode führt, infiziert.

Das CNRS Forscherteam hat sich nun für den Erreger der Schlafkrankheit interessiert: Trypanosoma brucei. Dieser einzellige Parasit wird durch eine bekannte Stechfliege übergetragen: die Tsetse-Fliege (was in der Tswana Sprache "die Fliege, die das Vieh tötet" bedeutet).

... mehr zu:
»CNRS »Parasit »Schlafkrankheit

Dieser Parasit, der im Blut, im Knochenmark und in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit vorkommt, verfügt über einen merkwürdigen zellulären Bestandteil: eine vielseitige Tasche, die nach Angaben des CNRS - Forschers Derrick Robinson mit einer Achillessehne vergleichbar wäre. Zunächst fungiert diese Tasche als „Heimathafen“ der Geißel des Trypanosoms. Diese Geißel ermöglicht die Bewegung des Parasiten. Zudem ist diese Tasche der einzige Ort für den Stoffaustausch mittels Endozytose und Exozytose und somit für die Nahrungsaufnahme des Parasiten.

Das von den CNRS Forschern neu entdeckte Eiweiß, BILBO1, ist für die Bildung einer besonderen Struktur des Zytoskeletts verantwortlich, welches die multifunktionale Tasche des Trypanosoms unterstützt. Das CNRS Forscherteam konnte nachweisen, dass eine Blockierung dieses Eiweißes ausreichen würde, um den Parasiten ins Verderben zu stürzen. Der Parasit wäre nicht mehr in der Lage Nährstoffe aufzunehmen, "Abfälle" zu entsorgen, sich richtig zu bewegen und sich durch Spaltung zu vermehren.

Dank dieser Ergebnisse ist es möglich, BILBO1 als Grundlage für die Entwicklung eines trypanoziden Medikaments zu berücksichtigen.

Kontakt:
Derrick Robinson
Laboratoire de Microbiologie Cellulaire et Moléculaire et Pathogénicité
Département 2 : Parasitologie et Mycologie Moléculaire
Université Bordeaux 2
146, rue Leo Saignat
F-33076 Bordeaux cedex
@ drobinso@u-bordeaux2.fr
+33 (0)5 57 57 45 67
Quelle: Pressemitteilung des CNRS (Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), 06.05.2008
Redakteurin: Mathilde Renault,
mathilde.renault@diplomatie.gouv.fr
Wissenschaft-Frankreich (Nummer 143 vom 11.06.2008)
Französische Botschaften in Deutschland und Österreich
Kostenloses Abonnement durch E-Mail : sciencetech@botschaft-frankreich.de

| Wissenschaft Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Berichte zu: CNRS Parasit Schlafkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

„Molekularer Schraubstock“ ermöglicht neue chemische Reaktionen

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Internationale Forschungskooperation will Altersbedingte Makuladegeneration überwinden

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics