Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch beim Verständnis der Immum-Therapie bei Tumoren

10.06.2008
Aktuell veröffentlicht in Cancer Cell am 10. Juni 2008
Immunsystem versetzt Tumorzellen in Schlaf anstatt sie zu vernichten

Forscher der Universitäts-Hautklinik Tübingen und des Comprehensive Cancer Centers haben ein gänzlich neues Prinzip der Tumor-Immun-Therapie entdeckt. Bisher ging man davon aus, dass die Immunantwort des Körpers Tumorzellen auf verschiedene Weise töten kann.

Diese Erklärung hat jedoch zahlreiche Fragen aufgeworfen. So ist bis heute unverstanden, warum Tumorzellen oft Jahre und Jahrzehnte schlummern und dann plötzlich erwachen können. Die neuen Daten sind ein wissenschaftlicher Durchbruch zum Verständnis des großen Rätsels der "Tumor dormancy", dem offensichtlich jahrelangen Schlummern von bösartigen Zellen im Gewebe.

Die Tübinger Arbeitsgruppe berichtet heute in der weltweit führenden onkologischen Zeitschrift Cancer Cell über zwei wichtige Entdeckungen: Die Wissenschaftler zeigen erstmalig, dass Immunantworten das Tumorwachstum nicht nur durch Töten der Tumorzellen aufhalten können. Und sie haben herausgefunden, dass Immunantworten über Botenstoffe wie die Interferone das Wachstum und die Entwicklung von Tumoren anhalten können, ohne dabei Zellen zu töten, sie bringen den Tumor zum "Schlafen".

Die Immunantworten verhindern somit, dass sich noch ungefährliche Vorformen von Tumoren zu gefährlichen Karzinomen weiterentwickeln. Diese zweite Entdeckung ist besonders für die Klinik wichtig: Während eine "richtige" Immunantwort Tumoren im Wachstum aufhalten kann, kann eine falsche Immunantwort, bei der Interferon oder Tumor-Nekrosefaktor unzureichend wirken, das Tumorwachstum fördern.

Die Ergebnisse führen zu zwei wichtigen Schlussfolgerungen für die Entwicklung von Tumor-Immun-Therapien: Als Erstes zeigen sie, dass eine Tumorimpfung möglichst früh erfolgen müsste. Dann bietet eine Tumorimpfung große Chancen. Allerdings ist im Gegensatz zum Volksglauben eine Immunstimulation nicht immer ungefährlich.

Als Zweites zeigen sie, dass eine Immunantwort nur dann schützen kann, wenn sich der richtige Typ der Immunantwort entwickelt. Der falsche Typ der Immunantwort (wegen Mangel an Interferon oder Tumor Nekrosefaktor), fördert sie sogar das Tumorwachstum. Dies ist ganz besonders wichtig für die Entwicklung von Impfungen gegen Krebs.

Die Daten sind ein wissenschaftlicher Durchbruch zum Verständnis des großen Rätsels der "Tumor dormancy", dem offensichtlich jahrelangen Schlummern von bösartigen Zellen im Gewebe, und damit ganz neue und wichtige Erkenntnisse auf der Suche nach einer wirksamen Tumor-Immun-Therapie. Diese Ergebnisse liefern auch eine Erklärung, warum Tumor-Impfungen beim Menschen offensichtlich nur dann hilfreich waren, wenn gleichzeitig eine Interferon-dominierte Immunantwort auftrat.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Hautklinik
Prof. Dr. Martin Röcken, Ärztlicher Direktor
Liebermeisterstr. 25, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 45 56, Fax 0 70 71 / 29-54 50
mrocken@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Interferon Tumorwachstum Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gentherapie für seltene Bluterkrankung
18.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Alexa und Co in unserem Kopf: Wo die Stimmerkennung im Gehirn sitzt

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chemiker der Uni Graz nutzen Treibhausgas zur Herstellung eines Wirkstoffs gegen Schlafkrankheit

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zusammenarbeit von Fraunhofer und Universität in Würzburg bringt Medizinforschung voran

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie