Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Charité erforscht gefährliche Herzmuskelerkrankung

04.06.2008
Sonderforschungsbereich bis 2012 verlängert

Die Charité - Universitätsmedizin Berlin kann ihre Forschungen zur Herzmuskelentzündung weitere vier Jahre fortsetzen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt entschieden, dass der deutschlandweit einzige Sonderforschungsbereich, der sich mit kardiologischen Fragestellungen beschäftigt, verlängert wird. Sechs Institutionen arbeiten hier zusammen; die Sprecherfunktion liegt bei der Charité.

Die Wissenschaftler wollen den Krankheitsprozess der so genannten Inflammatorischen Kardiomyopathie verstehen lernen und so neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln. Dabei handelt es sich um eine häufig durch Virusinfektionen ausgelöste Herzmuskelentzündung. Wird sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt, führt sie zu einer Vergrößerung des Herzens. Man spricht dann von der Dilatativen Kardiomyopathie (DCM). Diese gilt als eine der Hauptursachen für die chronische Herzmuskelschwäche: Das Herz schafft es nicht, genügend Blut durch den Organismus zu pumpen, so dass Betroffene im späten Stadium zu schwach sind, um das Bett zu verlassen.

In Deutschland leiden derzeit etwa 1,5 Millionen Patienten an Herzinsuffizienz und etwa 500.000 Patienten an einer DCM, die neben der Koronaren Herzkrankheit die Hauptindikation für eine Herztransplantation ist. Trotz der Häufigkeit gibt es bislang keine allgemein akzeptierten Diagnose- und Therapierichtlinien für diese Krankheitsbilder. Die DCM endet bei 50 Prozent der Erkrankten innerhalb von fünf Jahren tödlich. Besonders tückisch ist, dass Symptome erst auftreten, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist.

"Wir sehen hier dringenden klinischen Handlungsbedarf. Erste wichtige Erkenntnisse haben wir bereits gewonnen", äußert sich der Sprecher Prof. Heinz-Peter Schultheiß von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie und Pulmologie am Campus Benjamin Franklin. "In einer europaweiten Studie haben wir eine antivirale Therapie getestet - mit Erfolg." Das Ergebnis: Bestimmte Viren, die eine entzündliche Herzmuskelerkrankung auslösen, sind aus dem Herzmuskel verschwunden. Die Herzfunktion hat sich dadurch deutlich verbessert. Von essentieller Bedeutung sei eine spezialisierte Diagnostik, für die auch Herzmuskelgewebeproben analysiert werden müssen.

Auch in Zukunft sind internationale Studien geplant, um neue klinische Verfahren zu testen. Darüber hinaus sollen innovative Therapieansätze erforscht werden, bei denen beispielsweise gentherapeutische Verfahren, regulatorische RNA-Moleküle und die Stammzellmodulation eine Rolle spielen. Entscheidend ist dabei, dass der SFB standortübergreifend und interdisziplinär arbeitet. Dadurch ist es möglich, dass nicht nur an Tiermodellen, sondern auch direkt an menschlichen Gewebs- und Blutproben geforscht wird und Forschungsergebnisse frühzeitig therapeutisch angewendet werden können.

Die Charité profitiert von zwei weiteren Entscheidungen der DFG: Sie ist ebenfalls beteiligt am neu eingerichteten Würzburger SFB TR 52 "Transkriptionelle Programmierung individueller T-Zell-Populationen" und dem verlängerten SFB TR 3 "Mesiale Temporallappen-Epilepsien" in Freiburg.

Kontakt:
Prof. Heinz-Peter Schultheiss
Ärztliche Centrumsleitung
Charité - Universitätsmedizin Berlin
CC 11: Herz-, Kreislauf- und Gefäßmedizin
Medizinische Klinik für Kardiologie und Pulmologie CBF
t: +49 30 8445 2343
heinz-peter.schultheiss@charite.de

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Berichte zu: DCM Herzmuskelerkrankung Kardiologie Kardiomyopathie Pulmologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften