Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam stark gegen kranke Blutgefäße

02.06.2008
Gefäßerkrankungen sind eine Volkskrankheit und nehmen nicht nur aufgrund der demographischen Entwicklung an Bedeutung zu. So hat beispielsweise bereits jeder dritte Deutsche über 40 Jahren erste Anzeichen einer Gefäßverkalkung, einer sogenannten Arteriosklerose.

Rund um die Uhr steht das Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Bonn - eine fächerübergreifende Kooperation von Angiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen - für gefäßkranke Menschen offen.

Da die Betroffenen oft unter anderem auch an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, ist für eine optimale Therapie der Patienten eine enge Zusammenarbeit verschiedenster Fachärzte nötig. Jetzt bestätigten die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG), die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) und die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) dem Uni-Gefäßzentrum ein hohes Qualitätsniveau. Erstmals in Deutschland führten die drei Fachgesellschaften gemeinsam eine Erstzertifizierung zum "Anerkannten Gefäßzentrum" durch.

Seine Bauchschlagader hatte eine Aussackung mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern. Ursache war eine Arteriosklerose in Kombination mit Bluthochdruck. Günther G. wusste um die Gefahr, wie sein Vater und sein Vetter innerlich zu verbluten, sollte dieses so genannte Bauchaortenaneurysma plötzlich platzen. Kompetente Hilfe fand der 64-Jährige im Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Bonn.

... mehr zu:
»Gefäßzentrum »Radiologie

Jeden Tag im Jahr rund um die Uhr sind Angiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen auf dem Venusberg und in der Wilhelmstraße für gefäßkranke Menschen da. "Wir setzen uns alle an einen Tisch. Denn für die Patienten ist ein fachübergreifendes Team ausschlaggebend für die beste Therapiewahl und eine optimale Versorgung", sagt Oberärztin Dr. Frauke Verrel, Koordinatorin des Gefäßzentrums. Die räumlich und fachlich gebündelte Kompetenz innerhalb der Gefäßmedizin sowie die enge Zusammenarbeit unter anderem mit der Diabetologie, Kardiologie und Neurologie gewährleistet eine speziell auf den Patienten abgestimmte Diagnostik und Therapie ohne Doppeluntersuchungen.

Kleiner Eingriff erfordert Fingerspitzengefühl

Bei Günther G. entschlossen sich die Bonner Ärzte, sein Bauchaortenaneurysma mit einer schonenden Methode zu behandeln, die ihn im Vergleich zu einer Operation mit großem Bauchschnitt viel weniger belastete. Das Team aus Radiologen und Gefäßchirurgen machte zwei kleine Einschnitte in der Leiste. Unter Röntgenkontrolle schob es vorsichtig mittels Katheter über die beiden Beckenarterien einen sogenannten Stentgraft in die Aussackung, die unterhalb der Nierenarterie lag. Länge und Durchmesser des Stentgraft - eine Kombination aus Metallstütze und Gefäßprothese - waren vorher für Günther G. speziell ausgemessen worden.

Im Aneurysmasack öffnete sich der Stentgraft, verankerte sich fest in der gesunden Gefäßwand oberhalb und unterhalb des Aneurysmas und dichtete dieses ab. Denn es darf kein Blut durch die Aussackung mehr fließen, da sonst weiterhin eine Rissgefahr der Arterienwand besteht. Derzeit kann diese komplikationsarme Methode bereits bei jedem dritten Betroffenen eingesetzt werden. Bereits am Tag nach der Operation ist Günther G. wieder mobil und erleichtert: "Ich bin froh, nicht mehr mit dieser ständigen Angst leben zu müssen, dass mein Aneurysma platzt."

Ein Ordner so dick wie ein Telefonbuch

"Die Auszeichnung bestätigt eine qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patienten", freut sich Professor Dr. Andreas Hirner, Direktor der Chirurgischen Klinik, unter deren Federführung die Zertifizierung vorangetrieben wurde. Das Gefäßzentrum steht auf den drei gleichberechtigten Säulen Angiologie (Privatdozent Dr. Thomas Mengden), Radiologie (Privatdozent Dr. Kai Wilhelm) und Gefäßchirurgie (Dr. Frauke Verrel).

In ihm sind ambulante und stationäre Versorgung eng verzahnt. Die beteiligten Ärzte diagnostizieren und behandeln alle Gefäßerkrankungen fachübergreifend von der arteriellen Verschlusskrankheit und Halsschlagaderverengung über das diabetische Fußsyndrom bis hin zu Venenthrombosen und Krampfadern. Erste Anlaufstelle für Patienten sind die Gefäßsondersprechstunden der Gefäßchirurgie und Angiologie. Außerdem ist eine 24-stündige Notaufnahme gewährleistet. Sechs Monate erforschte und dokumentierte Verrel alle Arbeitsläufe und Schnittstellen innerhalb des Gefäßzentrums. Dabei erfasste sie auch Fallzahlen für bestimmte Therapien und Operationen, die internen Behandlungsleitlinien und das Fortbildungskonzept.

Ergebnis war ein telefonbuchdickes Handbuch, das zusammen mit der örtlichen Führung und Qualitätsbeurteilung die drei Fachgesellschaften überzeugte. Bis Ende 2010 ist die erfolgreiche Zertifizierung gültig und muss dann erneuert werden. "Das ist ein enormer Anreiz für unsere weitere Arbeit. Denn wir wollen nicht nur den erreichten hohen Standard halten, sondern auch stetig die Qualität der Versorgung für unsere Patienten verbessern", sagt Verrel.

Kontakt:
Dr. Frauke Verrel
Oberärztin an der Chirurgischen Klinik
Koordinatorin des Gefäßzentrums am Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15916
E-Mail: frauke.verrel@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Gefäßzentrum Radiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie