Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kabellose Sehprothese

28.05.2008
Erkrankungen der Netzhaut führen weltweit bei etwa 30 Millionen Menschen zum Erblinden. Zwölf Jahre lang wurde im Projekt EPI-RET daran gearbeitet diesen Patienten zu helfen. Entstanden ist ein weltweit einzigartiges System: eine komplett implantierbare Sehprothese.

Zwölf Jahre lang arbeiteten Neuroinformatiker, Mikroelektroniker, Materialforscher und Mediziner an einer Sehprothese für Patienten, die ihr Augenlicht durch Erkrankungen der Netzhaut verloren haben.

Im September 2007 der Erfolg: In einer klinischen Studie mit sechs Patienten konnte das Team zweierlei zeigen: Eine komplett implantierbare Sehprothese ist technologisch möglich und sie ermöglicht den Patienten deutliche Sehwahrnehmungen. "Für normal sehende Menschen erscheint es wenig, für die Patienten ist es ein großer Schritt", kommentiert Dr. Hoc Khiem Trieu vom Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen IMS in Duisburg.

"Die Patienten konnten nach Jahren der Blindheit - je nach Stimulation der Nervenzellen - von Lichtpunkten bis hin zu geometrischen Mustern berichten." Dr. Hoc Khiem Trieu war von Anfang an in diesem Projekt, das vom Bundes-ministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert wurde. Gemeinsam mit Dr. Ingo Krisch und Dipl.-Ing. Michael Görtz setzte er die Vorgaben der Mediziner und Materialforscher in ein Implantat- und Chipdesign um. Für ihre Arbeit erhalten die drei Wissenschaftler den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2008.

"Ein Meilenstein war erreicht, als die Prothese endlich drahtlos funktionierte", erklärt Dr. Ingo Krisch. Damit sie unsichtbar und ohne Kabelverbindungen nach außen funktioniert, war viel Detailarbeit nötig. "Die Entwürfe sind immer kleiner geworden, die Materialen flexibler, robuster und leistungsfähiger, so dass die Prothese jetzt bequem in das Auge passt", berichtet Michael Görtz. Die Forscher nutzen eine Besonderheit der Erkrankung: Bei der Retinitis Pigmentosa sind die lichtempfindlichen Zellen zerstört, während die Verbindung der Nervenzellen zum Gehirn noch intakt ist.

Der Trick der Forscher: Sie überbrücken die Defekte der Netzhaut mit einer Sehprothese. Diese besteht aus dem Implantat und einem externen Sender, der in ein Brillengestell integriert ist. Hier werden die Reizmuster in geeignete Signale gewandelt. Über eine telemetrische Verbindung lassen sich Daten und Energie zum Implantat übertragen. Entsprechend den aufgenommenen Bildern werden dann im Auge die Zellen stimuliert. Mit dreidimensionalen Stimulationselektroden, die sich wie kleine Stollen auf die Netzhaut legen, werden die noch intakten Zellen kontaktiert.

Die EPI-RET GmbH, eine Ausgründung aus dem bisherigen konsortialen Projekt, will die Sehprothese in etwa drei Jahren auf den Markt bringen. Bis dahin soll eine neue klinische Studie mit dem endgültigen Produkt an ausgewählten Patienten abgeschlossen sein.

Dr. Hoc Khiem Trieu | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ims.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/05/Mediendienst5s2008Thema4.jsp

Weitere Berichte zu: EPI-RET Nervenzelle Netzhaut Sehprothese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise