Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen gegen tödliche Muskelschwäche

04.07.2002


Die Diagnose "Muskeldystrophie" bedeutet für die Betroffenen meist das Todesurteil. Einer von Dreitausend männlichen Neugeborenen leidet an der unheilbaren Erbkrankheit; der Krankheitsverlauf lässt sich durch Krankengymnastik und Medikamente lediglich verzögern. Wissenschaftler der Universität Bonn und des Kinderkrankenhauses von Pittsburgh, USA, haben nun spezielle Stammzellen isoliert, die in Mäusen mit Muskeldystrophie die Regeneration der geschädigten Muskelzellen verbessern können. Die Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Journal of Cell Biology (Vol. 157 (5), S. 851-864) publiziert.

Die Wissenschaftler um den US-Forscher Dr. Johnny Huard und den Bonner Physiologen Professor Dr. Anton Wernig konnten einen speziellen Typ von adulten Stammzellen aus dem Muskel von Mäusen isolieren. Die Zellen können in Mäusen mit Muskeldystrophie degeneriertes Muskelgewebe besser ersetzen, als dies mit anderen Zellen bisher möglich war.

Die Stammzellen wecken Hoffnung auf effektivere Therapien degenerativer Muskelerkrankungen wie der Duchenne’schen Muskeldystrophie. Bislang hatten die Wissenschaftler bei Muskelzelltransplantationen vor allem mit der geringen Überlebens- und Vermehrungsrate der verfügbaren Zelllinien zu kämpfen; zudem rief das Transplantat meist eine hartnäckige Immunantwort hervor, die schließlich zum Untergang der neuen Zellen führte. "Wir sollten diese Befunde jedoch nicht überbewerten", warnt Professor Wernig. "Der in der Maus gefundene Zelltypus wurde beim Menschen bislang noch nicht nachgewiesen." Im Rahmen eines EU-Projekts würden aber bereits entsprechende Untersuchungen durchgeführt.

An Muskeldystrophie erkranken fast ausschließlich Männer; aufgrund eines Gendefekts können die Betroffenen wichtige Eiweiße für den Muskelstoffwechsel nicht bilden. Das Muskelgewebe wird mehr und mehr abgebaut, so dass die Kinder meist schon vor dem zehnten Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen sind. Schließlich werden auch Atem- und Herzmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen; die Patienten versterben an Herzversagen oder Atemnot.



Abgesehen von der Bedeutung für Muskelaufbau scheint der gefundene Zelltypus noch viel weiter reichende Eigenschaften zu haben. "Anders als normale Muskelstammzellen aus Mäusen sind diese Stammzellen pluripotent", erklärt Professor Wernig. "Sie können sich zu verschiedenen Gewebetypen entwickeln, beispielsweise auch zu Knorpelzellen." Die Zellen verlieren ihre vielversprechenden Eigenschaften auch nach mehreren Teilungen nicht. Auch aus anderen Geweben, vor allem aus Knochenmark, konnte man bereits derartige pluripotente adulte Stammzellen isolieren. Neben den embryonalen Stammzellen gelten sie als Hoffnungsträger für zukünftigen Organersatz.

Ansprechpartner für die Medien: Professor Dr. Anton Wernig, Institut für Physiologie der Universität Bonn, Tel.: 0228/287-2274, E-Mail: Wernig@physio.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Muskeldystrophie Stammzelle Zelltypus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie