Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spezialsprechstunde für Patienten mit chronischen Wunden

03.07.2002


Zu einem Kompetenzzentrum für chronische Wunden hat sich die Wundsprechstunde an der Chirurgischen Klinik der Universität Würzburg entwickelt. Hier werden unter anderem klinische Studien mit koordiniert, die gleichzeitig an mehreren Wundzentren in Deutschland laufen.

Als chronisch bezeichnen die Mediziner eine Wunde, wenn diese nach mehr als vier Wochen nicht zugeheilt ist. Die Anzahl der betroffenen Patienten - es handelt sich vor allem um ältere Menschen - ist nicht nur in Deutschland steigend.

In der Wundsprechstunde werden hauptsächlich chronische Geschwüre an den Beinen und Füßen von Diabetikern, bei Durchblutungsproblemen, auch nach einer Thrombose in den Beinvenen, behandelt. Trotz verschiedener therapeutischer Möglichkeiten sei die Amputations- und Rückfallrate bei solchen Wunden noch immer sehr hoch, sagt Dr. Ulrich E. Ziegler, Leiter der Wundsprechstunde.

Das Hauptziel der Behandlung ist es, das Wundbett optimal auf ein beschleunigtes Abheilen vorzubereiten. Hierfür setzen die Würzburger Wundspezialisten unterschiedlichste Therapien ein, darunter auch ein Verfahren, das mit lebenden Maden arbeitet: Dabei werden Fliegenlarven in einem Netz steril auf die Wunde gebracht. Die Tiere nehmen abgestorbenes Gewebe auf, und dadurch wird die Wunde gereinigt. Des weiteren greifen die Mediziner zum Beispiel auf Kompressionstherapien und Wundausschneidungen zurück.

In den klinischen Studien, an denen sich die Würzburger Wundsprechstunde beteiligt, werden neue Verbandsstoffe und verschiedene Arten der Eigenhautverpflanzung getestet. Eines dieser Verfahren ist unter dem Schlagwort "Haut aus der Tube" bekannt geworden: Dem Patienten wird ein kleines Stück Haut entnommen, aus dem bestimmte Zellen isoliert, vermehrt und schließlich auf die Wunde aufgebracht werden. Bei einer anderen Methode wird die "neue Haut" aus Haarwurzelzellen gewonnen.

Die Würzburger Wundsprechstunde besteht seit 1995. Sie ist mit 60 bis 90 Patientenkontakten pro Woche eines der größten auf chronische Wunden spezialisierten Zentren in Deutschland. In Bayern gibt es nur wenige solche Einrichtungen.

Geöffnet ist die Würzburger Wundsprechstunde von Montag bis Freitag. Diesen Service bieten in Deutschland laut Dr. Ziegler nur wenige Wundzentren an. Die Arbeit in der Spezialsprechstunde ist außerdem stark interdisziplinär geprägt: In das Therapiekonzept sind Spezialisten aus den Bereichen Innere Medizin, Dermatologie, Gefäßchirurgie, Plastische Chirurgie, Neurologie und Orthopädietechnik eingebunden.

Betreut und informiert werden nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Angehörigen und Pflegekräfte, die in der häuslichen Versorgung tätig sind. Außerdem halten die Mitarbeiter der Wundsprechstunde engen Kontakt zu Hausärzten, Sozialstationen und Dialysezentren.

Aus all diesen Gründen komme der Würzburger Wundsprechstunde eine Modellcharakterfunktion zu, wie Dr. Ziegler sagt. Durch die langjährige Erfahrung mit chronischen Wunden sei die Klinik zwischenzeitlich auch international als Wundzentrum anerkannt: Die Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland. Regelmäßig sind auch Ärzte und Pflegepersonal aus anderen Kliniken sowie aus Arztpraxen und Sozialstationen zu Gast, um vom Wissen der Wundspezialisten zu profitieren.

Für die Durchführung und Betreuung von klinischen Studien erhält die Würzburger Wundsprechstunde auch Fördermittel von den Firmen Smith + Nephew (Lohfelden), Coloplast GmbH (Hamburg) und Johnson & Johnson (Norderstedt).

Weitere Informationen: Dr. Ulrich Ziegler, T (0931) 201-3318, Fax (0931) 201-3290, E-Mail: 
ulrich.ziegler@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie