Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Medikamente, intelligent eingesetzt, können Kosten sparen

03.07.2002


Intelligent eingesetzte, innovative Arzneimittel sind nicht immer Kostentreiber, sondern können durchaus einen Beitrag leisten, Kosten zu sparen, lautete Kernthese eines Vortrags zur Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth.

Beitrag zur Gesundheitsökonomie am Beispiel der Demenz
Innovative Medikamente, intelligent eingesetzt, können helfen, Kosten zu sparen
Pharma-Manager: Budgetierung und Koordinationsmangel führen zu Fehlentwicklung

Bayreuth (UBT). Arzneimittel werden derzeit von politischer Seite als ein wesentlicher Kostentreiber im Gesundheitswesen gebrandmarkt. Daß dieses Urteil aber keine pauschale Gültigkeit hat, zeigte Günther Sauerbrey, Leiter Health Care Relations des mittelständischen Unternehmens Merz Pharma, bei einem Vortrag an der Universität Bayreuth. Intelligent eingesetzte, innovative Arzneimittel können durchaus einen Beitrag leisten, Kosten zu sparen, lautete seine Kernthese.
Als Demonstrationsobjekt für seine These diente Günther Sauerbrey, der auf Einladung von Prof. Dr. Peter Oberender, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Direktor der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie, in Bayreuth sprach, die Krankheit Demenz. Zur Zeit gibt es in Deutschland 900 000 Demenzkranke; jährlich treten 192 000 Neuerkrankungen auf. Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, nimmt mit zunehmendem Alter sehr stark zu; gerade die über 80jährigen sind gefährdet. Aufgrund der zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung (im Jahre 2020 wird es in Deutschland 5 Millionen Menschen geben, die über 80 Jahre alt sind; heute sind dies 3 Millionen Menschen) ist die Zahl der Demenz-Fälle im Zunehmen begriffen.
Demenz stelle, so Sauerbrey, eine menschliche Tragödie sowohl für die Erkrankten als auch für die Angehörigen dar. Trotz des hohen Leidensdrucks sei in diesem Bereich eindeutig eine Unterversorgung feststellbar. In 40 bis 60 Prozent der Fälle werde die Erkrankung vom Hausarzt nicht erkannt. Therapeutische und pharmaökonomische Potentiale würden nicht genutzt. Patienten mit schwerer Demenz würden in 50 Prozent der Fälle nur mit Psychopharmaka behandelt, die die Patienten zwar ruhigstellen, aber den Gang der Erkrankung nicht aufhalten.
Die Ursache für diese Fehlentwicklung liege auf der Hand: Budgetierung und eine mangelnde Koordination zwischen den Leistungserbringern würden eine zielgerichtete Behandlung verhindern. Ärzte hätten gar keinen Anreiz, sich in angemessener Weise um die Demenz-Kranken zu kümmern. Vielmehr haben sie einen Anreiz, auf die Verschreibung von Demenz-Medikamenten zu verzichten, um ihr Budget nicht zu belasten. Die Kosten der Demenz-Erkrankungen werden dann vor allem von der Pflegeversicherung aufgefangen.
Die volkswirtschaftlichen Kosten der Demenz-Erkrankungen seien aber enorm. Ein Demenz-Fall verursache jährlich durchschnittlich Kosten in Höhe von 43 000 Euro; im fortgeschrittenen Stadium können es bis zu 92 000 Euro sein (nicht mitgerechnet sind die zum Teil erheblichen Folgekosten durch Belastung der Angehörigen). Der weit überwiegende Teil dieser Kosten sind Pflegekosten. Die Demenz-Kranken sind mit Fortschreiten der Krankheit immer weniger in der Lage die Verrichtungen des täglichen Lebens durchzuführen. Ab einer bestimmten Schwelle sei eine Heimunterbringung unumgänglich, was die Kosten explosionsartig ansteigen lasse.
Demenz sei nicht heilbar, so Sauerbrey. Jedoch könne man durch Medikamente den Verlauf der Krankheit erträglicher machen und damit auch Kosten sparen. Als Beispiel nannte Sauerbrey die Substanz Memantine. Diese Substanz verbessere die geistigen Fähigkeiten der Demenz-Patienten erheblich. Sie seien beispielsweise wieder in der Lage, einfache Verrichtungen durchzuführen. Dadurch sinke der Pflegeaufwand für diese Patienten erheblich. Eine Heimunterbringung könne vermieden werden, die pflegenden Angehörigen würden entlastet. Die Lebensqualität der Betroffenen nehme also erheblich zu. Da aber die Pflegekosten den Großteil der volkswirtschaftlichen Kosten von Demenz ausmachen, würde durch einen relativ geringen Aufwand für medikamentöse Behandlung eine große Einsparung an Pflegekosten erzielt. Volkswirtschaftlich gesehen würden Ressourcen gespart, die anderswo zu einer verbesserten Versorgung beitragen könnten.
Damit dieses Potential auch genutzt werde, sei aber - das wurde auch in der anschließenden Diskussion deutlich - eine grundlegende Änderung der Anreizstrukturen im Gesundheitswesen notwendig. Leistungserbringer müssten dazu gebracht werden, sektorübergreifenden und nicht nur im engen eigenen Budget zu denken, damit eine ganzheitliche Versorgung des Patienten sichergestellt sei. Mit pauschalen Kürzungen sei dies aber nicht zu machen.

Jürgen Abel M. A. | idw

Weitere Berichte zu: Demenz Gesundheitsökonomie Pflegekosten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise