Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Darmkrebs bekämpfen, bevor der Tumor entsteht

21.05.2008
Impfung gegen "falsche" Proteine könnte Immunsystem gegen Tumorzellen sensibilisieren / Veröffentlichung in "Gastroenterology"

Heidelberger Wissenschaftler haben eine neue Strategie für eine Impfung gegen bestimmte Formen von Krebs entdeckt. Sie stellten fest, dass Immunzellen auf veränderte Eiweiße in Tumorzellen stark reagieren, bei denen ein DNS-Reparaturdefekt aufgetreten ist. Man schätzt dass bei etwa 15 Prozent aller Tumoren dieser Reparaturdefekt vorliegt.

Die Wissenschaftler unter Federführung von Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz, Ärztlicher Direktor der Abteilung Angewandte Tumorbiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, untersuchten die häufigste Form von erblichem Darmkrebs, das sogenannte HNPCC-Syndrom (Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer Syndrom). Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten, die in Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) durchgeführt und von der Deutschen Krebshilfe mit rund 380.000 Euro gefördert werden, sind in der Aprilausgabe der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift "Gastroenterology" erschienen.

Krebserkrankungen des Dickdarms stehen in Deutschland mit ca. 65.000 Neuerkrankungen pro Jahr an dritter Stelle aller Krebserkrankungen. Bei etwa 15 Prozent dieser Tumoren liegt ein Defekt bestimmter Reparaturmechanismen der DNA vor, der vor allem zu Veränderungen in sogenannten Mikrosatelliten führt. Wie die Heidelberger Wissenschaftler jetzt herausfanden, sind diese Veränderungen in Mikrosatelliten die Ursache dafür, dass die Tumorzellen beginnen Fremdeiweiße zu bilden, die vom Immunsystem erkannt und bekämpft werden können. Warum aber kommt es trotz der Immunreaktion zur Entstehung von Tumoren? "Dafür gibt es zwei Ursachen", so Professor von Knebel Doeberitz. "Das Immunsystem reagiert oft zu langsam - und einige Tumorzellen sind in der Lage, sich zu verstecken, weil sie die Fähigkeit verloren haben, die Fremdeiweiße auf ihrer Oberfläche zu präsentieren."

Die Ergebnisse der Heidelberger Forscher legen nahe, dass man das Auswachsen von Tumoren mit Mikrosatellitenveränderungen verhindern kann, wenn man das Immunsystem rechtzeitig gegen die Fremdeiweiße aktivieren würde. Daher ist es das nächste Ziel der Forscher, aus den neuen, durch Mutationen entstanden Fremdeiweißen einen Impfstoff gegen diese Krebsformen zu entwickeln. Ist das Immunsystem durch die Impfung für den "Feind" sensibilisiert, könnte es sehr rasch und heftig reagieren, wenn tatsächlich Krebszellen oder deren Vorstufen auftauchen würden.

Die neue Impfstrategie könnte gegen 10 bis 15 Prozent aller Krebserkrankungen wirksam sein. Von besonderer Bedeutung sind die neuen Erkenntnisse für Patienten, die an der häufigsten Form von erblichem Dickdarmkrebs, dem sog. HNPCC-Syndrom (Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer Syndrome) leiden. Hier sind fast alle Tumoren von den Mikrosatellitenveränderungen betroffen.

Literatur:
Yvette Schwitalle, Matthias Kloor, Susanne Eiermann, Michael Linnebacher, Peter Kienle, Hanns Peter Knaebel, Mirjam Tariverdian, Axel Benner, Magnus von Knebel Doeberitz, Immune Response Against Frameshift-Induced Neopeptides in HNPCC Patients and Healthy HNPCC Mutation Carriers, Gastroenterology 2008, 134, 988-997.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Magnus von Knebel Doeberitz
Abt. Angewandte Tumorbiologie
Pathologisches Institut
Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 220
69120 Heidelberg
Email: knebel@med.uni-heidelberg.de
Tel. 06221 / 56 28 76

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://contact@med.uni-heidelberg.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Immunsystem Krebserkrankung Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften