Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Häufiger als vermutet: Hirninfarkt nach Herzoperation

03.07.2002


Nach Bypass-Operationen am Herzen kommt es häufiger als bislang angenommen zu kleineren Hirninfarkten. Das haben Wissenschaftler von der Uni Würzburg mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie nachgewiesen. Über ihre Arbeit berichten sie in der Juli-Ausgabe des Fachblatts "Archives of Neurology".

Nach Bypass-Operationen treten bei drei bis fünf Prozent aller Fälle ernsthafte neurologische Komplikationen auf, zum Beispiel Schlaganfälle oder vorübergehende starke Durchblutungsstörungen (Transitorische Ischämische Attacken, TIA). Als Ursache hierfür wird die Verstopfung von Blutgefäßen durch Gerinnsel angenommen.

Weitaus häufiger kommt es zu leichten neuropsychologischen Defiziten. Diese äußern sich beispielsweise in Störungen der Konzentrations-, Koordinations- oder Merkfähigkeit. Beispiel: Die Patienten haben Schwierigkeiten, sich über eine kurze Zeit Begriffe einzuprägen und diese dann zu wiederholen. Der Grund für derartige Defizite ist bislang nicht geklärt. Diskutiert werden unter anderem Einflüsse der Narkose oder eine Aktivierung von Entzündungsbotenstoffen durch den Kontakt des Blutes mit der Herz-Lungenmaschine.

Dieser Sache wollten Würzburger Mediziner von der Abteilung für Neuroradiologie und der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Universität auf den Grund gehen: Sie unterzogen 30 Patienten kurz vor und drei Tage nach einer Bypass-Operation neurologischen und neuropsychologischen Tests sowie einer Magnetresonanz-Tomographie. "Hierbei wurde zum einen der Stoffwechsel des Gehirns untersucht, insbesondere ein Metabolit mit dem Namen N-Acetyl-Aspartat (NAA), der als Maß für die Unversehrtheit von Nervenzellen verwendet werden kann", wie der Neuroradiologe Dr. Martin Bendszus erklärt. Zum anderen wurden geringste frische Durchblutungsstörungen im Gehirn erfasst.

Ergebnis: Keine einzige Testperson litt an schweren neurologischen Ausfällen. Jedoch wurden bei neun Patienten (26 Prozent) kleinere Hirninfarkte festgestellt. Ferner kam es bei allen zu einem deutlichen Abfall der neuropsychologischen Testparameter. In eindeutigem Zusammenhang hiermit stand ein Absinken der Konzentration von NAA im Gehirn. Einige Patienten wurden noch länger untersucht: Dabei zeigte sich, dass sowohl die Testergebnisse als auch die NAA-Konzentration wieder besser wurden.

"Unsere Studie weist darauf hin, dass es nach Bypass-Operationen zu einer vorübergehenden Funktionsstörung von Nervenzellen kommt", so Dr. Bendszus. Weiterhin sei gezeigt worden, dass man mit einer Stoffwechseluntersuchung des Gehirns die ansonsten nicht eindeutig bestimmbare Minderung der Konzentrations-, Koordinations- und Merkfähigkeit nach herzchirurgischen Eingriffen messen kann. Diese Methode könnte für künftige Therapiestudien von Bedeutung sein.

Martin Bendszus, W. Reents, D. Franke, W. Müllges, J. Babin-Ebel, M. Warmuth-Metz, M. Koltzenburg, L. Solymosi: "Brain damage after coronary artery bypass grafting", Archives of Neurology, Juli 2002

Weitere Informationen: Martin Bendszus, T (0931) 201-1 (Zentrale), Fax (0931) 201-34471, E-Mail:
bendszus@neuroradiologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Bypass-Operation Hirninfarkt Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten