Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chromosomale Umbauten bei bösartigen Hirntumoren

20.05.2008
Maligne Gliome, die häufigsten primären Hirntumoren, sind durch eine schlechte Prognose gekennzeichnet.

Daher besteht ein großer klinischer Bedarf, neue Erkenntnisse über die molekularen Grundlagen der Entstehung und des Fortschreitens, der sogenannten Pathogenese, dieser Tumoren zu gewinnen. Bei der Pathogenese maligner Gliome spielen chromosomale Umbauten möglicherweise eine wichtige Rolle.

Wenn es bei Chromosomen, den Trägern der Erbanlagen, zu Brüchen kommt, können sich Abschnitte unterschiedlicher Chromosomen zusammenlagern und sogenannte Translokationen entstehen. Falls im Bereich der Bruchpunkte tumorrelevante Gene lokalisiert sind, können diese durch den Bruch aktiviert oder inaktiviert werden. Darüber hinaus kann es durch den Stückaustausch der Chromosomen zur Bildung von Fusionsgenen mit neuen Eigenschaften kommen. Bei malignen Gliomen ist bisher unklar, ob Fusionsgene bei der Tumorgenese eine Rolle spielen.

In der Arbeitsgruppe um die Bonner Humangenetikerin Ruthild Weber ist es mit modernen molekular-zytogenetischen Techniken, unter anderem mit 24-Farben-Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH), gelungen, in malignen Gliomen eine Translokation zwischen dem kurzen Arm von Chromosom 7 und dem kurzen Arm von Chromosom 9, t(7;9), zu identifizieren. Veränderungen dieser beiden Chromosomen sind bereits mit der Gliompathogenese in Zusammenhang gebracht worden. Jedoch sind viele krebsrelevante Gene, die auf diesen Chromosomen lokalisiert sind, noch nicht bekannt. Im Bereich der identifizierten Translokationsbruchpunkte sind drei Gene lokalisiert, die interessante neue Kandidaten für die Gliomentstehung und -progression darstellen. Darüber hinaus gibt es Anhaltspunkte dafür, dass ein Fusionsgen entstanden ist.

... mehr zu:
»Chromosom »Fusionsgen »Gliom »Hirntumor

Ziel des von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projektes ist es folgende Fragen zu beantworten: Gibt es im Bereich der t(7;9) ein Fusionsgen, das exprimiert wird, d.h. zu einem Genprodukt führt, und eine Bedeutung für die Gliompathogenese besitzt? Sind die drei identifizierten Kandidaten gliomrelevante Gene? Gibt es weitere neue gliomrelevante Gene auf 7p oder 9p? Haben diese genetischen Veränderungen eine klinische Bedeutung? Diesen Fragen soll mit einem breiten Methodenspektrum nachgegangen werden. Hierzu zählt die array-CGH mit hochauflösenden Oligonucleotidarrays zur Untersuchung von Mikrodeletionen und Mikroduplikationen, die Sequenzierung zum Nachweis von Mutationen, die Real-Time RT-PCR zur quantitativen Untersuchung der Genexpression, die Immunhistochemie an tissue microarrays zum Nachweis der Expression auf Proteinebene und funktionelle Assays zur Überprüfung zellulärer Eigenschaften wie Wachstum und Wanderungsaktivität nach Herunterregulation, sogenanntem knock down, oder Überexpression.

Kontakt: Prof. Dr. Ruthild Weber, Bonn
Tel.: +49 (228) 287 22159, Fax +49 (228) 287 22380
e-mail: ruthild.weber@ukb.uni-bonn.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Chromosom Fusionsgen Gliom Hirntumor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie