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Bundesfamilienministerium will mit Pilotprojekt H.I.L.DE die Lebensqualität Demenzkranker verbessern

19.05.2008
Dr. Hermann Kues: "Forschungsprojekt hilft, Lebensalltag für Demenzkranke und ihre Angehörigen zu verbessern"

Das Bundesfamilienministerium will die Lebensqualität Demenzkranker verbessern und das Wissen über den richtigen Umgang mit der Krankheit fördern. Dafür soll das bisher stationär erprobte Verfahren H.I.L.DE, das Pflegenden eine individuell auf den einzelnen Kranken abgestimmte Versorgung ermöglicht, auf den ambulanten und häuslichen Bereich übertragen werden.

In Deutschland leidet etwa eine Millionen Menschen an einer Demenz. Jedes Jahr kommen etwa 250.000 Neuerkrankungen hinzu. Zwei von drei Demenzkranken werden zu Hause versorgt, meist von ihren Angehörigen. Rund 700 Einrichtungen mit mehr als 1.100 Bewohnerinnen und Bewohnern haben das vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg in Kooperation mit der Sektion Gerontopsychiatrie an der Psychiatrischen Universitätsklinik entwickelte Verfahren erfolgreich erprobt.

Damit ist das Projekt H.I.L.DE die differenzierteste Erfassung zur Lebensqualität demenzkranker Menschen, die in Deutschland bislang verwirklicht wurde. Das Bundesfamilienministerium unterstützt das Projekt mit insgesamt 800.000 Euro.

Einzelheiten des Projekts, dessen Name für "Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität Demenzkranker" steht, werden heute auf dem Kongress "Lebensqualität bei Demenzerkrankung" in Heidelberg vor rund 800 Teilnehmern aus dem In- und Ausland vorgestellt. In der Eröffnungsansprache erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues: "Mit H.I.L.DE öffnet sich auch die Tür zur inneren Welt von Menschen, die im fortgeschrittenen Stadium an Demenz leiden. Wir wissen jetzt, dass wir viel für die Lebensqualität Demenzkranker tun können. Das bedeutet für die Erkrankten, aber auch für ihre Familien und die vielen Pflegekräfte eine neue Perspektive."

Demenzkranke in fortgeschrittenem Stadium sind meist nicht mehr in der Lage, ihr Befinden und ihre Wünsche in Worte zu fassen. Dann wird es für professionelle Pflegekräfte wie auch für Angehörige oft schwierig, die Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Der Stress für alle Beteiligten steigt. Das Verfahren, über eine Analyse der Mimik Betroffener mittels Videotechnik entwickelt, hilft den Pflegenden, Bedürfnisse auch schwerst Demenzkranker zu erkennen und Reaktionen richtig zu verstehen. Die erste Projektphase hat gezeigt, dass Demenzkranke auch in fortgeschrittenem Krankheitsstadium noch über eine reiche Palette an Emotionen und Empfindungen verfügen. Nach den gewonnenen Ergebnissen gibt es Wege, die Kranken zu erreichen und ihre Lebensqualität messbar zu steigern. Die Methoden und Hilfen, mit denen sich das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern und die Folgen mildern lassen, sind jedoch noch wenig bekannt.

Erkenntnisse von H.I.L.DE sind unter anderem:

* Demenzkranke verfügen auch im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit noch über eine reiche Erlebnis- und Gefühlswelt, über die sie angesprochen werden können.

* Es lohnt sich, differenziert zu diagnostizieren, welche Art von Demenz in welchem Stadium vorliegt.

* Konzentrierte zugewandte Ansprache der Demenzkranken durch ihre Umgebung kann wesentlich dazu beitragen, ihr Erregungsniveau deutlich zu senken.

* Soziale Kontakte sind von hoher Bedeutung: Sie können belebend oder dämpfend auf das Wohlbefinden wirken, die Kranken reagieren auf unterschiedliche Personen anders (z.B. zuständiges Pflegepersonal).

* Das Wohlbefinden Demenzkranker kann auch durch die räumliche Umgebung sehr positiv beeinflusst werden (Lieblingsplatz).

* Auch schwerst Demenzkranke reagieren messbar positiv auf rekonstruierte Situationen, die in ihrem früheren Leben von wesentlicher Bedeutung waren (z.B. Singen für Opernsängerin).

| BMFSFJ
Weitere Informationen:
http://www.bmfsfj.de

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