Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Myome zerstören mit fokussiertem Ultraschall unter Kernspin-Kontrolle

01.07.2002


Ein neues, nicht-invasives Verfahren zur Therapie von Tumoren (Myomen) der Gebärmutter wird in der Charité erstmals in Deutschland angeboten.

Fast alle bisher bekannten und verwendeten Verfahren zur Behandlung von Myomen, gutartigen Tumoren der Gebärmutter, sind invasiv, d.h. mit Eröffnung des Bauchraumes oder mit Einführen von endoskopischen/Geräten oder Kathetern verbunden. Jetzt bietet die "Klinik für Strahlenheilkunde" der Charité erstmals in Deutschland ein gänzlich nicht-invasives Verfahren an: Mit Hilfe von hochenergetischem Ultraschall unter Kontrolle durch Magnet-Resonanz (Kernspin)Tomographie (MRT) werden Myome von außen zerstört.

Wie, wenn Kinder mit einem Vergrößerungsglas Sonnenstrahlen (Lichtwellen) auf einen einzigen Punkt fokussieren und damit Papier entzünden, werden Ultraschallwellen aus einem breiten Areal von außerhalb des Körpers auf einen einzigen Punkt (von wenigen Millimetern im Durchmesser) im Myom der Patientin fokussiert. Dort (wo die Schallwellen aufprallen) entwickeln sich innerhalb von Sekunden Temperaturen zwischen 60 bis 80 Grad Celsius, wodurch die fokussierte Region in 10 bis 15 Sekunden irreversibel zerstört wird. Dieser Vorgang wird nun 50 Mal oder auch öfter (abhängig von der Größe des Tumors) wiederholt, bis etwa ein Drittel des Myoms - gewöhnlich im Zentrum - zerstört ist. Dabei werden auch die Blutgefäße und damit die Voraussetzung des Wachstums der Myome irreversibel geschädigt. Zwischen den einzelnen Beschallungen müssen kurze Pausen eingelegt werden, um geringfügige Temperaturerhöhungen in der Umgebung des jeweils fokussierten Bezirks wieder abklingen zu lassen. Das abgestorbene Gewebe wird vom Immunsystem des Körpers langsam abgebaut. Das Myom selbst schrumpft und verursacht keine Symptome mehr.

Um das Zielgebiet der Fokussierung jederzeit genau im Blick zu behalten und den gesamten Behandlungsverlauf zeitgleich mit der hochenergetischen Beschallung im Bild zu kontrollieren, hat die Firma "Insightec-TxSonics" mit Sitz in Israel die Ultraschallquelle in ein handelsübliches, diagnostisches Magnet-Resonanz-Tomographiegerät der Firma "General Electric Medical Systems" integriert. Magnet-Resonanz-Tomographie ist besonders geeignet, Weichteilgewebe in Bildern darzustellen, die Photographien ähneln. Während der fokussierenden Ultraschallbehandlung generiert das MRT-Gerät zur unmittelbaren Kontrolle der Behandlung alle paar Sekunden ein Bild.

An der "Klinik für Strahlenheilkunde" werden jetzt im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie die ersten Patientinnen behandelt. Die Therapie wird grundsätzlich ambulant durchgeführt. Die Frauen erhalten ein Beruhigungs- und Schmerzmittel und werden auf den Schlitten des MRT-Gerätes auf den Bauch gelagert, sodass die Gebärmutter direkt über der in den Schlitten integrierten Ultraschallquelle liegt. Zusammen mit der Lagerung und der Einstellung dauert die Behandlung zwischen zwei und drei Stunden. Danach können die Frauen nach hause gehen, sollten aber wegen des eingenommenen Beruhigungsmittels am Behandlungstag nicht autofahren. Arbeitsunfähig sind sie nicht.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Gebärmutter Myom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte