Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Strategie gegen Gebärmutterhalskrebs

08.05.2008
Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die spanische Firma Chimera Pharma SL unterzeichnen ein exklusives Lizenz- und Kooperationsabkommen zur Entwicklung eines therapeutischen Impfstoffs gegen Gebärmutterhalskrebs. Die Vakzine soll Frauen vor einer Krebserkrankung schützen, die bereits mit humanen Papillomviren infiziert sind, und darüber hinaus bereits vorhandene Krebsvorstufen heilen.

Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs - dieser Durchbruch der präventiven Medizin kommt Frauen seit dem Jahr 2006 zugute. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum haben maßgeblich zur Entwicklung des weltweit ersten gezielt gegen Krebs entwickelten Impfstoffs beigetragen.

Das Serum verhindert die Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) und schützt Frauen vor Gebärmutterhalskrebs, der gefährlichen Spätfolge dieser Erkrankung. Die Impfung bietet sicheren Schutz, wenn die Immunisierung vor den ersten Sexualkontakten und damit vor einer ersten Infektion mit HPV erfolgt.

Wünschenswert wäre jedoch, auch bereits infizierte Frauen vor der Krebserkrankung zu schützen und gleichzeitig frühe Krebsvorstufen heilen zu können. Das ist wichtig, denn etwa 70 Prozent aller Menschen stecken sich einmal im Leben mit Papillomviren an.

Im Deutschen Krebsforschungszentrum haben Dr. Angel Cid-Arregui, Prof. Harald zur Hausen und Kollegen einen vielversprechenden Kandidaten für einen solchen "therapeutischen Impfstoff" gegen die beiden Virustypen HPV16 und HPV18 entwickelt. In Untersuchungen an Mäusen schützte ein Prototyp der Vakzine die Tiere vor der Entwicklung von Krebs. Die auf Impfstoffe spezialisierte spanische Firma Chimera Pharma SL hat nun die Rechte für eine weltweite Vermarktung der Substanz erworben und gleichzeitig ein Kooperationsabkommen mit dem Krebsforschungszentrum unterzeichnet, um den Impfstoff weiter zu verbessern.

Um das Immunsystem auf Papillomvirus-infizierte Zellen aufmerksam zu machen, nutzte Angel Cid-Arregui einen Trick. Er verknüpfte E7, ein Papillomvirus-Protein, das von den infizierten Zellen dauerhaft produziert wird, mit einem Eiweiß des Hepatitisvirus, das zwei äußerst günstige Eigenschaften mitbringt: Es lagert sich spontan zu leeren, virusähnlichen Gebilden zusammen - auch wenn es mit dem Papillomvirus-Anhängsel ausgestattet ist. Der zweite Vorzug: Die leeren Hepatitisvirus-Hüllen regen das Immunsystem des Menschen hervorragend an - und lenken es damit gegen die E7-produzierenden Zellen. Zusätzlich transportieren die Virus-Hüllen weitere Proteine, die das Immunsystem stimulieren.

"Mit dem therapeutischen Impfstoff könnten wir Gebärmutterhalskrebs unabhängig vom Infektionsstatus der Frau vermeiden. Damit schließen wir eine wichtige Lücke, die heute noch bei der Vorbeugung dieser Erkrankung besteht", erklärt Cid-Arregui.

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen, der jedes Jahr rund 230.000 Patientinnen erliegen. Die beiden Hochrisikotypen HPV16 und HPV18 sind für etwa 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Allein in Deutschland werden pro Jahr etwa 100.000 Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs behandelt.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mitochondrien von Krebszellen im Visier

14.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor

14.12.2017 | Geowissenschaften

Leibniz-Preise 2018: DFG zeichnet vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler aus

14.12.2017 | Förderungen Preise