Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmerzmittel können Alzheimerrisiko verringern

08.05.2008
Entzündungshemmer wirken scheinbar Krankheitsursachen entgegen

Eine längerfristige Einnahme von Ibuprofen und anderen entzündungshemmenden Schmerzmitteln könnte das Risiko senken, im Verlauf des Lebens an Alzheimer zu erkranken. Das berichten Wissenschaftler der Boston University School of Medicine im Fachblatt Neurology. Die Untersuchungen an insgesamt rund 250.000 US-Veteranen ab 55 Jahren haben ergeben, dass die Anwendung von sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren das Alzheimerrisiko um 25 bis 40 Prozent verringern kann.

Für die Studie analysierten die Mediziner die Daten von rund 50.000 Veteranen, die später an Alzheimer erkrankt waren, mit denen von knapp 197.000 Veteranen ohne demenzielle Erkrankung. Dabei haben die Wissenschaftler Datensätze mehrerer Jahre und die Einnahme von Schmerzmitteln ausgewertet. So konnte festgestellt werden, dass bei denjenigen Personen, die über mehrere Jahre hinweg Ibuprofen eingenommen hatten, eine Alzheimererkrankung um 40 Prozent weniger wahrscheinlich war. Zusätzlich habe sich auch bei anderen nichtsteroidalen Antirheumatika ein ähnlicher Effekt gezeigt. Hier habe sich das Risiko um 25 Prozent verringert. Während aber einige Mittel wie Ibuprofen und Indometacin scheinbaren Einfluss auf die Entwicklung einer Alzheimerkrankheit ausgeübt haben, hätten sich bei anderen wie Celecoxib keine Auswirkungen nachweisen lassen. "Einige der Medikamente senken das Alzheimerrisiko bei längerfristiger Einnahme. Aber die Wirkung hängt sehr vom jeweiligen Medikament ab", erläutert Studienautor Steven Vlad. "Es scheint nicht so, dass alle NSAR das Risiko an Alzheimer zu erkranken gleichermaßen senken."

Bis heute ist die Ursache der Alzheimer-Krankheit nicht vollständig geklärt. Es wird aber unter anderem vermutet, dass die Entstehung von Alzheimer auf Entzündungsprozesse im Gehirn zurückzuführen ist. Die entzündungshemmenden Mittel könnten so dem Ausbruch der Krankheit entgegen wirken. Ungeachtet der positiven Folgen, die die NSAR haben könnten, warnte Vlad aber davor, zur Prophylaxe Schmerzmittel zu schlucken, da die Nebenwirkungen der Medikamente nicht zu vernachlässigen seien. "Alle NSAR haben bedeutende Nebenwirkungen, wie Geschwüre, Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Nierendysfunktion, Bluthochdruck und auch Herzinfarkte", sagt Vlad.

"Zwar sind die Auswirkungen von Schmerzmitteln auf die Alzheimer-Erkrankung schon lange in der Diskussion. Es besteht aber immer noch die Frage, ob es sich bei Alzheimer um einen entzündlichen Prozess handelt oder ob der Körper bei der Bildung von Plaques wie auf eine Entzündung reagiert", erläutert Ellen Wiese von der Alzheimer Forschung Initiative im Gespräch mit pressetext. "Solche Untersuchungen sind aber ein erster Anhaltspunkt, dass es sich vielleicht wirklich um einen entzündlichen Prozess handelt." Nun gelte es zu prüfen, inwiefern die Mittel wirklich hilfreich sein können und wie die Nebenwirkungen ausfielen. Weitere Studien müssten folgen, um zu untersuchen, ob auch bei bereits erkrankte Patienten in frühen Stadien durch eine solche Therapie etwas erreicht werden könne. "Es ist schließlich nicht Sinn der Sache, die gesamte Bevölkerung im mittleren Alter zu prophylaktischen Zwecken unter Schmerzmittel zu setzen", so Wiese. Ein möglicher Einsatz in der Therapie sei da zweckmäßiger.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.bumc.bu.edu
http://www.alzheimer-forschung.de

Weitere Berichte zu: Alzheimer Alzheimerrisiko NSAR Schmerzmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie