Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg der Aidsprävention in Deutschland: Kondomabsatz und Kondomnutzung so hoch wie nie zuvor

06.05.2008
Der seit 2004/2005 zu beobachtende Anstieg des Schutzes durch Kondomnutzung setzt sich auch in 2007 weiter fort und ist als ein Erfolg intensiver Aids-Aufklärung zu bewerten.

Dies zeigen die Daten der repräsentativen Wiederholungsbefragung "Aids im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland", die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung seit 1987 jährlich durchführt.

Diese positive Entwicklung des Schutzverhaltens verläuft ebenfalls parallel zu den Kondomabsatzzahlen, die im Jahr 2007 den bisher höchsten Wert von 209 Mio. Kondomen erreichen. Da auf der anderen Seite die HIV-Neuinfektionen steigen, muss nach den Gründen für diese Entwicklung gefragt werden. Aus Sicht der BZgA gibt es trotz der Präventionserfolge Teilgruppen der sexuell aktiven Bevölkerung, die sich nicht hinreichend schützen.

Die aktuellen epidemiologischen Daten des Robert Koch-Instituts zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland zeigen, dass die HIV-Neudiagnosen von 2006 auf 2007 um 4 Prozent zugenommen haben (von 2.643 auf 2.752). Die HIV-Neudiagnosen bei Frauen sind gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent deutlich gesunken, bei Männern sind die Neudiagnosen um 8 Prozent gestiegen. Dabei ist der Anstieg bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), überproportional. Bei intravenös Drogengebrauchenden sowie Migrantinnen und Migranten gingen die HIV-Diagnosen zurück.

Aus Sicht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind mehrere Faktoren für den Anstieg der HIV-Neudiagnosen verantwortlich:

1. Die intensivere Nachfrage nach dem HIV-Test führt vor allem bei den besonders gefährdeten MSM dazu, dass mehr Infektionen entdeckt werden.

2. In den letzten Jahren nehmen andere sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) wie Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien etc. kontinuierlich zu. Sobald eine STD-Infektion vorliegt, steigt die Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV pro Sexualkontakt um ein Mehrfaches.

3. Die Zahl der Menschen, die mit HIV (über)leben, steigt jährlich um rund 4 Prozent. Gerade in den Gefährdetengruppen nimmt damit die Wahrscheinlichkeit zu, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf einen HIV-positiven Menschen zu treffen.

Hinzu kommt, dass das zwischen 2000 bis 2004 zu beobachtende rückläufige Schutzverhalten bei den Teilgruppen mit potentiell riskanten Verhaltensweisen zu einem erhöhten Infektionsrisiko geführt hat.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat ab 2007 die finanziellen Mittel für die Aidsprävention in Deutschland jährlich um 3 Mio. Euro erhöht. Außerdem stehen durch die finanzielle Unterstützung durch den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. seit 2005 zusätzliche Mittel von jährlich 3,4 Mio. Euro für die Aidsprävention zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zusammen mit der Deutschen AIDS-Hilfe die Präventionsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich verstärkt. Als ein Erfolg dieser intensiven Aids-Aufklärung ist der seit 2004/2005 zu beobachtende Anstieg des Schutzes durch Kondomnutzung zu bewerten, der sich auch im Jahr 2007 weiter fortsetzt. Dies zeigen die Daten der repräsentativen Wiederholungsbefragung "Aids im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland", die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung seit 1987 jährlich durchführt.

Die Kondomnutzung stieg im Zeitraum 2004 bis 2007

· in der sexuell aktiven Gruppe der 16- bis 44-jährigen Alleinlebenden von 69 auf 74 Prozent an und der Anteil derer, die nie Kondome benutzen, sank von 31 auf 26 Prozent.

· bei Personen mit wechselnden Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern um 10 Prozentpunkte und beträgt nun 87 Prozent. Parallel dazu ging der Anteil der "Nie-Nutzer" von 23 auf 14 Prozent zurück.

· ebenfalls um 10 Prozentpunkte von 70 auf 80 Prozent bei denjenigen, die eine neue Sexualbeziehung in den letzten 12 Monaten begonnen hatten.

Die positive Entwicklung des Schutzverhaltens verläuft parallel zu den Kondomabsatzzahlen. So nimmt der Absatz der Kondome nach einem Rückgang zwischen 2000 bis 2003 wieder kontinuierlich zu und liegt im Jahr 2007 auf dem bisher höchsten Wert von 209 Mio. Kondomen.

Auch in der Gruppe mit dem höchsten Zuwachs an HIV-Neudiagnosen, den Männern, die Sex mit Männern haben, finden sich insgesamt keine Hinweise auf ein Nachlassen des Schutzverhaltens. Die Inanspruchnahme des HIV-Testes ist in dieser Gruppe besonders hoch. Dies ist das Ergebnis der Wiederholungsbefragung "Wie leben schwule Männer heute", die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom Wissenschaftszentrum Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Rosenbrock durchgeführt wurde.

Während also einerseits die HIV-Neuinfektionen steigen, andererseits das Schutzverhalten auf einem stabilen bzw. sogar steigenden Niveau liegt, muss nach den Gründen für diese Entwicklung gefragt werden. Aus Sicht der BZgA gibt es trotz der Präventionserfolge Teilgruppen der sexuell aktiven Bevölkerung (insbesondere MSM), die sich nicht hinreichend vor HIV schützen. Diese Gruppen werden deshalb vor dem Hintergrund der zusätzlichen Gefährdungsfaktoren wie zunehmende andere sexuell übertragbare Krankheiten oder die steigende Zahl HIV-positiver Menschen zukünftig noch intensiver mit gezielten Präventionsangeboten angesprochen. Hierfür sind auch neue Formen der Kooperation mit dem ärztlichen Sektor und qualitätsgesicherte, schwellenarm erreichbare Beratung, Diagnose und Therapie sexuell übertragbarer Krankheiten insgesamt erforderlich.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Deutsche AIDS-Hilfe stellen sich den neuen Herausforderungen durch stetige Optimierung und Erweiterung ihrer Präventionsangebote.

Der Kurzbericht "Aids im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland 2007" steht zum Download unter http://www.bzga.de (Forschung> Studien/Untersuchungen)

Dr. Marita Völker-Albert | idw
Weitere Informationen:
http://www.bzga.de

Weitere Berichte zu: Aids Aidsprävention HIV-Neudiagnose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit