Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zielgenaue Bestrahlung von Lungentumoren

05.05.2008
Fortgeschrittene Lungentumore werden heute durch eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie behandelt. Für einen guten Erfolg der Strahlentherapie ist eine zielgenaue Konzentration der Behandlungsstrahlung auf den Tumor wünschenswert.

In dem Projekt um den Würzburger Mediziner Dr. Matthias Guckenberger sollen neueste technische Methoden der Bildgebung eine effektivere Bestrahlung von Lungentumoren ermöglichen. Unterstützt wird die Arbeit von der Wilhelm Sander-Stiftung.

Das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) ist die häufigste Krebstodesursache in Deutschland. Bei Diagnosestellung befindet sich die Mehrzahl der Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, wo eine operative Therapie nicht möglich ist. Die kombinierte, simultane Radiochemotherapie ist hier die Behandlung der Wahl.

Vor jeder Strahlentherapie wird zur Planung der Behandlung eine Computertomographie aufgenommen. Basierend auf der Tumorausdehnung zu diesem Zeitpunkt wird die zu bestrahlende anatomische Region festgelegt.

Traditionell muss die Bestrahlung allerdings auf große Volumina über die eigentliche Tumorausdehnung hinaus ausgeweitet werden. Diese Sicherheitssäume sind notwendig, um Unsicherheiten der Bestrahlung zu kompensieren: ungenaue Abgrenzung der exakten Tumorausdehnung, unsichere Identifikation von Lymphknotenmetastasen, Atembeweglichkeit des Tumors während der Bestrahlung und schwieriges Anvisieren des Tumors vor der Bestrahlung.

Die Behandlung ist folglich nicht nur auf den Tumor begrenzt, sondern es werden auch beträchtliche Volumina an gesundem Gewebe hohen Strahlendosen ausgesetzt. Ebenso ist bekannt, dass sich das Tumorvolumen unter der Therapie verkleinert, was zu einer Verschärfung des Problems beiträgt. "Auf diese Belastung des gesunden Gewebes muss Rücksicht genommen werden, wir können den Tumor daher nicht so intensiv behandeln, wie es eigentlich notwendig und wünschenswert wäre" beschreibt Dr. Matthias Guckenberger.

In diesem Projekt sollten daher neue technische Möglichkeiten der radiologischen Bildgebung genutzt werden, die Bestrahlung besser auf den Tumor zu konzentrieren. So stehen seit kurzem Computertomographen zur Verfügung, die eine zeitlich aufgelöste Bildgebung ermöglichen: "Die Technik der atemkorreliertem Computertomographie erlaubt erstmal die räumliche Darstellung, wie sich der Tumor und seine Umgebung während der Atmung bewegt; diese Bewegung wollen wir exakt quantifizierten und in die Bestrahlungsplanung integrieren" erklärt Dr. Guckenberger das geplante Vorgehen. Des Weiteren wird die Behandlung an einem neuartigen Bestrahlungsgerät durchgeführt werden, das eine Volumenbildgebung direkt vor der Bestrahlung erlaubt.

Dies ermöglicht eine millimetergenaue Positionsbestimmung des Tumors und folglich ein zielgenaues "Treffen" des Tumors. Basierend auf diesen Verifikationsaufnahmen soll das Ansprechen des Tumors auf die Behandlung quantifiziert werden. Der zeitliche Verlauf der Volumenverkleinerung soll untersucht werden und der optimale Zeitpunkt für eine oder mehrere Anpassungen des Bestrahlungsplanes ermittelt werden. Letztendlich soll die Durchführbarkeit dieser Techniken in einer klinischen Studie überprüft werden. "Das Ziel dieser Techniken ist eine schonende Bestrahlung des Tumors. Dies soll eine Erhöhung der Behandlungsdosis ermöglichen, was nach heutigem Wissen in einer Verbesserung der lokalem Tumorkontrolle resultieren wird."

Kontakt: Dr. Matthias Guckenberger, Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Julius-Maximilians Universität Würzburg, Josef-Schneider-Strasse 11, 97080 Würzburg
Tel. +49 (931) 201 28 400 Fax +49 (931) 201 28 221
e-mail: Guckenberger_M@klinik.uni-wuerzburg.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 85.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Lungentumor Strahlentherapie Tumorausdehnung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics