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Urinteststreifen und Blutproben können Nierenschaden schnell herausfinden

02.05.2008
Der „Fall Klasnic“: UKM-Experte rät zu aktivem Vorgehen bei Verdacht auf Nierenerkrankungen

In den westlichen Ländern steigt die Zahl der Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz kontinuierlich. Mittlerweile leiden fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung in Europa und Nordamerika an einer chronischen Niereninsuffizienz unterschiedlichen Ausmaßes.

Prominentes Beispiel hierfür ist der Fußballprofi Ivan Klasnic. Er wirft seinen Vereinsärzten vor, seine Nierenerkrankungen monatelang übersehen zu haben. „Um eine Nierenerkrankung zu erkennen, reichen schon kleine Routineuntersuchungen des Hausarztes“, betont Professor Dr. Hermann-Josef Pavenstädt, Direktor der Klinik für Innere Medizin sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Universitätsklinikum Münster (UKM).

So könne mit Hilfe eines kleinen Urinteststreifens und einer Blutprobe ein Nierenschaden festgestellt werden. „Finden wir dabei Auffälligkeiten, werden wir sofort aktiv“, betont Pavenstädt.

„Allein die Kosten, die für die Behandlung der Patienten mit einer Nierenersatztherapie aufgebracht werden, betragen fast zwei Prozent der direkten Gesamtkosten im Gesundheitssystem“, rechnet Pavenstädt vor. Nicht nur deswegen, sondern vor allem um Patienten so früh wie möglich zu therapieren, sei es wichtig, eine Nierenerkrankung frühzeitig zu erkennen: „Je früher eine Nierenerkrankung aufgedeckt wird, desto größer ist die Chance, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder aufzuhalten“, betont Pavenstädt.

Dies könne durch einen veränderten Lebensstil oder durch den Einsatz von Nieren schützender und Blutdruck senkender Medikamente erreicht werden. Kommt es zu einem kompletten Versagen der Nieren muss beim größten Teil der Patienten die Nierenfunktion durch eine Nierenersatztherapie, z.B. durch die Blutwäsche (Hämodialyse) oder durch die Bauchfelldialyse ersetzt werden. Rund 120.000 Menschen allein in Deutschland leiden an einem schweren chronischen Nierenversagen, ca. 80.000 Menschen müssen mit einer Nierenersatztherapie leben.

„Eine Nierentransplantation ist bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz wie bei Klasnic als optimale Nierenersatztherapie meist das erstrebenswerte Ziel, da sie im Vergleich zur Dialysebehandlung stärker zur Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen beiträgt“, sagt Pavenstädt.

Die Möglichkeit der Nierentransplantation habe zu einer deutlichen Verbesserung sowohl der Lebensqualität als auch der Lebenszeit von Patienten mit Organerkrankungen geführt. In Kooperation mit der UKM-Klinik für Allgemeinchirurgie und den niedergelassenen Nierenspezialisten wurden im vergangenen Jahr über 120 Nierentransplantationen am UKM durchgeführt.

Pavenstädt: „Die Tore von Klasnic zeigen, was die Transplantationsmedizin mittlerweile leisten kann.“ „Neueste Forschungen zeigen, dass eine krankhafte Eiweißausscheidung der Nieren oder selbst eine nur wenig eingeschränkte Nierenfunktion das Risiko, eine schnelle Verkalkung von Arterien zu bekommen mit der Folge schneller einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöht“, erläutert Pavenstädt.

Am UKM wird aktiv über Nierenerkrankungen geforscht, mit Unterstützung von unter anderem der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie des Bundesministeriums. So hat Prof. Dr. Eva Brand von der DFG eine Heisenberg-Professur verliehen bekommen, die es der Wissenschaftlerin ermöglicht, mehrere Jahre über Nierenerkrankungen zu forschen. Außerdem hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft der Medizinischen Klinik D die Einrichtung einer Juniorprofessur zur Untersuchung der gestörten Neubildung von Gefäßen bei Niereninsuffizienz ermöglicht.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert ein Deutschland-weites „Herz-Nieren-Register“, das die Klinik von Pavenstädt gemeinsam mit Prof. Dr. Breithardt, Direktor der UKM-Klinik für Kardiologie, organisiert. Das Ziel: Die langfristige Behandlung von nierenerkrankten Patienten, die an einer Herzgefäßerkrankung leiden, zu verbessern. „Diese Forschungsprojekte werden hoffentlich dazu beitragen, dass Menschen wie Ivan Klasnic in Zukunft nierengesund bleiben“, betont Pavenstädt.

Simone Hoffmann | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/

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