Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumorstammzellen senken Chance auf Heilung

02.05.2008
Heidelberger Wissenschaftler zeigen erstmals, dass sich die Menge an Tumorstammzellen auf das Überleben von Hirntumorpatienten auswirkt / Veröffentlichung in "Clinical Cancer Research"

In bösartigen Hirntumoren gibt es sogenannte Tumorstammzellen. Je größer die Anzahl solcher Stammzellen in einem Hirntumor, desto schneller und aggressiver wird er sich weiterhin ausbreiten. Erstmals haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg in Kooperation mit Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg mit Hilfe eines speziellen Markers gezeigt, das die Anzahl dieser aggressiven und potentiell unsterblichen Zellen in Gehirntumoren einen unmittelbaren Einfluss auf die Prognose für den Patienten hat.

Die Arbeit wurde im Januar 2008 in dem renommierten Journal "Clinical Cancer Research" der "American Association for Cancer Research" veröffentlicht. Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für zielgerichtete Therapien.

Hirntumoren entwickeln sich aus den Stützzellen des Gehirns - den Gliazellen - oder deren Vorläuferzellen und werden als Gliome bezeichnet. Rund 6.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Gliomen, die sich vorwiegend zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr entwickeln. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Gliome werden nach der international gültigen Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die Grade I bis IV eingeteilt. Tumoren des Grades IV haben die schlechteste Prognose: Nach fünf Jahren leben noch weniger als zwei Prozent der Betroffenen.

Anzahl der Stammzellen gibt Auskunft über Fortschreiten der Erkrankung

Selbst gutartige Gliome der Grade I und II entwickeln sich häufig zu bösartigen Formen weiter. "Durch den Nachweis von Tumorstammzellen können wir die weitere Entwicklung eines Hirntumors besser einschätzen", erklärt Dr. Rezvan Ahmadi, Fachärztin für Neurochirurgie an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und eine der beiden Erstautoren der Studie aus der Klinik. "Finden wir im Gewebe eines entnommenen Glioms viele Tumorstammzellen, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Tumor in naher Zukunft ein bösartiges Rezidiv bildet."

"Bisher war die klinische Bedeutung der Tumorstammzellen in den verschiedenen Stadien der Hirntumoren nur Hypothese, der Nachweis stand noch aus", erklärt Felix Zeppernick, ebenfalls Erstautor der Studie. Bei den Tumorstammzellen handelt es sich um Krebszellen, die - ähnlich den Stammzellen des Körpers - noch weiter ausreifen können. "Sie sind in ihrer Entwicklung noch flexibel, können sich sehr gut regenerieren und sind daher gegen die meisten Therapien resistent. Aus ihnen bilden sich nach einer Behandlung wieder neue Tumoren", so Privatdozentin Dr. Christel Herold-Mende, die Seniorautorin und Leiterin der Arbeitsgruppe. Aus welchen Zellen die Tumorstammzellen selbst hervorgehen ist noch unklar; möglicherweise entstehen sie durch genetische Veränderungen aus den normalen Stammzellen der verschiedenen Gewebe.

Neuer Angriffspunkt für effektive Therapien

Die wandlungsfähigen Zellen haben mit den gutartigen Stammzellen Teile des äußeren Erscheinungsbildes gemein: das Oberflächenprotein CD133. "Wir können mit einer speziellen Färbung die Zellen sichtbar machen, die CD133 auf ihrer Oberfläche tragen. In den Gehirntumoren sind das fast ausschließlich Tumorstammzellen", so Dr. Ahmadi. Die Heidelberger Forschungsgruppe untersuchte Material aus 95 Gliomen unterschiedlicher Grade. "Wir verglichen unsere Ergebnisse mit den Patientendaten und stellten fest, dass die Menge der Stammzellen direkt mit dem Krankheitsverlauf korreliert ist. Je mehr Stammzellen, desto ungünstiger der weitere Verlauf", erklärt die Neurochirurgin.

"Es genügt uns allerdings nicht, nur eine genauere Prognose stellen zu können", sagt Privatdozentin Dr. Christel Herold-Mende. "Uns stehen nun Angriffspunkte für neue, effiziente Therapien zur Verfügung." So kann man z.B. mit speziellen Wirkstoffen die Tumorstammzellen dazu zwingen, sich auszudifferenzieren, sich also auf eine Form und Funktion festzulegen. Erfolge im Tierversuch zeigen, dass sie damit ihre Therapieresistenz verlieren und empfindlicher gegen Chemotherapeutika werden. Es bleibt zudem zu prüfen, ob der Zellmarker CD133 bei anderen Krebsarten eine ähnlich zuverlässige Aussagekraft für die Prognose besitzt.

Literatur:
Felix Zeppernick, Rezvan Ahmadi, Benito Campos, Christine Dictus, Burkhard M. Helmke, Natalia Becker, Peter Lichter, AndreasUnterberg, Bernhard Radlwimmer, Christel C.Herold-Mende: StemCell Marker CD133 Affects Clinical Outcome in Glioma Patients; Clin Cancer Res 2008, 14(1), 123 - 129.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)

Ansprechpartnerin:
PD Dr. Christel Herold-Mende
Leiterin der Sektion Neurochirurgische Forschung
Neurochirurgische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 6405
Fax: 06221 / 56 5362
E-Mail: H.Mende@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Gliom Hirntumor Stammzelle Tumorstammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie