Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolgreiche Initiative des Paul-Ehrlich-Instituts: Weniger Tierversuche bei Impfstoffprüfungen

27.06.2002


Forschungsarbeiten des Paul-Ehrlich-Instituts haben dazu geführt, dass das Europäische Arzneibuch vom 1. Juli 2002 an für die regelmäßige Prüfung von Impfstoffen deutlich weniger Tiere verlangt als bisher. Außerdem erlaubt die PEI-Kostenverordnung in der aktuellen Fassung, bei Änderungsanzeigen, die zum Ersatz oder zur Vermeidung von Tierversuchen führen, auf Gebühren zu verzichten.

In wenigen Tagen, vom 1. Juli 2002 an, verlangt das Europäische Arzneibuch für die regelmäßige Prüfung von Impfstoffen deutlich weniger Tiere als bisher. Die entscheidende Initiative für diese Änderung geht auf Arbeiten im Paul-Ehrlich-Institut aus den Jahren 1993 bis 1995 zurück, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert hat. Ziel der Untersuchungen am Paul-Ehrlich-Institut war es, Möglichkeiten für wissenschaftlich vertretbare Einsparungen von Tieren in der Qualitätskontrolle von immunbiologischen Arzneimitteln zu erarbeiten. "Wir haben konkrete Vorschläge aus diesem Projekt als Änderungsanträge - sogenannte "requests for revision" - bei der Europäischen Arzneibuchkommission eingereicht", erklärt Prof. Johannes Löwer, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Diese Anträge mussten daraufhin in der entsprechenden Expertengruppe des Europäischen Arzneibuchs diskutiert werden, in der auch ein Vertreter des Paul-Ehrlich-Instituts mitarbeitet. Nachdem die Europäische Arzneibuchkommission die Anträge des Paul-Ehrlich-Instituts im Juni 2001 in ihrer 110. Sitzung verabschiedet hat, treten die entsprechend geänderten Prüfvorschriften am 1. Juli 2002 europaweit in Kraft.

Dazu Löwer: "Wir sind stolz darauf, dass Ergebnisse aus dem Paul-Ehrlich-Institut zu einem solchen, noch dazu europaweiten, Erfolg geführt haben. Als Präsident einer Prüfbehörde freue ich mich ganz besonders darüber, dass wir nachweisen konnten, dass die hohen Ansprüche an die Sicherheit und Qualität von Impfstoffen heute auch mit dem Einsatz deutlich weniger Tiere als bisher erfüllt werden können".

Die nun beschlossenen Änderungen beziehen sich insbesondere auf Prüfungen zur Toxizität und zur Wirksamkeit an Meerschweinchen und Mäusen.

- Zwei Arten von Tierversuchen, die bisher für die Prüfung von Diphtherie- und Tetanusimpfstoffen am Endprodukt vorgeschrieben waren, werden ersatzlos gestrichen (Toxizität).

- Zwei weitere Prüfungen für Diphtherie-Impfstoffe werden durch einen Zellkulturtest ersetzt (Toxizität).

- Bei fünf weiteren Prüfungen auf Toxizität und Wirksamkeit an Diphtherie-, Tetanus- und Keuchhustenimpfstoffen, wird die Versuchsanordnung verändert. Damit kann der Bedarf an Tieren pro Impfstoffcharge um 40 bis 60 Prozent gesenkt werden.

Allein bei der Chargenprüfung für Impfstoffe, die in Deutschland auf den Markt kommen, bedeutet dies eine jährliche Einsparung von rund 5000 Meerschweinchen und Mäusen.

Auch in die Kostenverordnung des Paul-Ehrlich-Instituts hat das Bestreben Eingang gefunden, die Reduzierung von Tierversuchen soweit wie möglich zu unterstützen. Die aktuelle Fassung wird seit 1. Mai 2002 angewendet (veröffentlicht im Bundesgesetzblatt I, S. 1483). Sie erlaubt es dem Paul-Ehrlich-Institut im Gegensatz zur bisherigen Regelung, bei Änderungsanzeigen, die zum Ersatz oder zur Vermeidung von Tierversuchen führen, auf Gebühren zu verzichten.

Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass das Paul-Ehrlich-Institut den Tierschutz, der vor wenigen Tagen als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen worden ist, seit Jahren ernst nimmt und nach Kräften fördert.

Dr. Susanne Stöcker | idw
Weitere Informationen:
http://www.pei.de/pm/2002/2_2002.htm
http://www.pheur.org

Weitere Berichte zu: Impfstoff Tierversuch Toxizität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise