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Brustkrebs: weitere Risikogene entdeckt

28.04.2008
Individuelle Konzepte zur Früherkennung für Hochrisikofamilien

Brustkrebs ist der häufigste bösartige Tumor der Frau. Jede zehnte Frau in Deutschland ist davon betroffen. In fünf bis zehn Prozent der Fälle wird die Erkrankung vererbt. Meist sind Veränderungen (Mutationen) in den Brustkrebsgenen BRCA1 beziehungsweise BRCA2 die Ursache.

Wissenschaftler eines Forschungsprojekts, das von der Deutschen Krebshilfe mit über einer Million Euro gefördert wird, haben jetzt weitere Gene entdeckt, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Die Identifizierung der neuen Risikogene bildet eine wesentliche Voraussetzung, um den betroffenen Frauen zukünftig eine maßgeschneiderte Früherkennung anbieten zu können. Das Forschungsprojekt ist Teil des bundesweiten Konsortiums für erblichen Brust- und Eierstockkrebs. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins American Journal of Human Genetics* veröffentlicht.

Die Wissenschaftler haben in so genannten Hochrisikofamilien mit BRCA-Mutation weitere Gene entdeckt, die den Ausbruch beziehungsweise das Alter bei Erkrankung maßgeblich mitbestimmen: Frauen mit einer BRCA2-Mutation erkranken deutlich früher an Brustkrebs, wenn bei ihnen auch das so genannte FGFR2-Gen verändert ist. Außerdem wurde beispielhaft gezeigt, dass FGFR2 mit einem weiteren Risikogen - dem MAP3K1-Gen - in Wechselwirkung tritt und dadurch das Krebsrisiko noch weiter erhöht.

Diese Risikogene spielen vermutlich auch bei einem großen Teil der Brustkrebserkrankungen eine Rolle, die nicht vererbt werden - also zufällig auftreten. Im Gegensatz zu den BRCA-Genen handelt es sich um so genannte niedrig penetrante Risikogene: Sie führen nur bei einem geringen Prozentsatz der betroffenen Mutationsträger zur Krebsentwicklung. Indirekte Hinweise belegen darüber hinaus, dass es weitere Risikogene geben muss, nach denen gegenwärtig intensiv gefahndet wird.

"Die neuen Erkenntnisse eröffnen zum einen die Perspektive, dass wir das Erkrankungsrisiko der Gen-Trägerinnen noch genauer definieren und somit eine individuellere Prävention anbieten können. Zum anderen wird immer klarer, dass auch der zufällig auftretende Brustkrebs durch genetische Faktoren mitbestimmt wird", erklärt Frau Professor Dr. Rita Schmutzler, Universitätsfrauenklinik Köln, Koordinatorin des deutschen Konsortiums für erblichen Brust- und Eierstockkrebs. Schmutzler hat zudem im Rahmen des Forschungsprojekts die Untersuchungen an 1.500 BRCA-Mutations-trägerinnen durchgeführt. Es zeichnet sich nach ihren Angaben ab, dass eines Tages für jede Frau das individuelle Brustkrebsrisiko bestimmt und darauf basierend eine maßgeschneiderte Prävention angeboten werden könnte. Diese reicht vom Mammographie-Screening ab dem 50. Lebensjahr für alle Frauen ohne krankheitsfördernde Risikogene über eine intensivierte Früherkennung ab dem 40. Lebensjahr bei mittlerem Risiko bis hin zu prophylaktischen Operationen bei hohem Risiko. Die Höhe des Erkrankungsrisikos richtet sich danach, welche Risikogene verändert sind. Die zunehmende Kenntnis über weitere Risikogene und deren Nachweisbarkeit stellt Ärzte und Betroffene zukünftig vor eine neue Beratungssituation. Denn auch der Umgang mit einem leicht erhöhten Erkrankungsrisiko erfordert eine umfassende Aufklärung und eine individuelle Entscheidung.

Das Konsortium für erblichen Brust- und Eierstockkrebs besteht aus 12 universitären Zentren, die eng zusammenarbeiten und deren Arbeit seit über einem Jahrzehnt von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. Das Konsortium der Deutschen Krebshilfe ist eines der größten in einem weltweiten Forschungsnetz, welches nach neuen Risikogenen für Brustkrebs sucht. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse sind in Zusammenarbeit mit einem internationalen Verbund erzielt worden.

*) Antoniou et al.: Common Breast Cancer-Predisposition Alleles Are Associated with Breast Cancer Risk in BRCA1 and BRCA2 Mutation Carriers. The American Journal of Human Genetics, Volume 82, Issue 4, 937-948 11 April 2008. doi: 10.1016/j.ajhg.2008.

02.008

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Infokasten: Brustkrebs
Jährlich erkranken in Deutschland über 57.000 Frauen neu an Brustkrebs. Brustkrebs ist damit die häufigste Krebsart der Frau. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brust- und Eierstockkrebsfälle sind erblich bedingt. Sie sind also auf Veränderungen in bestimmten Genen zurückzuführen, die an die Nachkommen über die Keimzellen (Ei- und Samenzelle) vererbt werden. Die häufigsten Gene, die Brust- oder Eierstockkrebs auslösen können, sind die veränderten Gene BRCA1 und BRCA2 (BReast CAncer-Gene). BRCA1 wurde bereits 1994 identifiziert, BRCA2 zwei Jahre später. Wenn eine Mutation in einem dieser Gene vorliegt, ist das Brustkrebs-Risiko um 80 bis 85 Prozent erhöht, das Risiko für Eierstockkrebs liegt gleichzeitig bei 25 bis 60 Prozent.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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