Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einblick in die Zukunft der Krebsbehandlung

25.04.2008
Richtfest am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen - AOK Rheinland/Hamburg schließt Behandlungsvertrag für Protonentherapie ab

Die Arbeiten am Rohbau sind abgeschlossen, hochmoderne Geräte wie das 220 t schwere Zyklotron schon eingezogen: Am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen (WPE) wird Richtfest gefeiert. Bereits Ende 2009 sollen hier die ersten Patienten mit Protonen bestrahlt werden.

Diese neuartige Krebstherapie kommt bisher deutschlandweit nur in Forschungsanlagen vor. "Wir werden künftig jährlich bis zu 2.200 Patienten hier behandeln, haben hierfür vier Behandlungsplätze zur Verfügung", erklärt der Kaufmännische Direktor des Essener Universitätsklinikums Reinhold Keil.

Der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Gerald Holtmann ergänzt: "Vor allem Menschen mit tief sitzenden Tumoren an empfindlichen Stellen wie Gehirn, Rückenmark oder Auge profitieren von der innovativen Technologie. Durch die enorm präzise Bestrahlung kann umliegendes Gewebe geschont und Nebenwirkungen minimiert werden."

AOK Rheinland/Hamburg und UK schließen Vertrag zur Protonentherapie
Versicherte der AOK Rheinland/Hamburg können sich künftig bei schweren Krebserkrankungen am UK Essen mit Protonen bestrahlen lassen. Am Tag des Richtfestes schloss die Krankenkasse einen entsprechenden Vertrag mit dem UK Essen ab. "Dieser umfasst spezielle Indikationen - unter anderem Tumore im Kindesalter, Leberzell-, Lungen-, Pankreas- und Ösophaguskarzinome sowie Kopf-Hals-Tumore und bestimmte Augentumore. Die Behandlung ist dabei von bestimmten Voraussetzungen abhängig, insbesondere dem Stadium der Krebserkrankung sowie der Größe und Lokalisation des Tumors", erläutert Prof. Dr. Martin Stuschke, Leiter der Essener Strahlenklinik. Die Wirksamkeit der Versorgung werde im Rahmen begleitender wissenschaftlicher Studien überprüft, um sowohl die dauerhaft hohe Qualität der Versorgung als auch die Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu gewährleisten. Die Sicht der Medizinischen Fakultät ergänzt der Dekan; Prof. Karl-Heinz Jöckel: "Dieses Vorhaben ist auch ein Leuchtturmprojekt der medizinischen Wissenschaft - extrem innovativ - vor allem aber eine Herausforderung für kreative Wissenschaftler, das uns erlaubt, an der Weltspitze mitzuwirken."

Den Standort für die Protonentherapie an der UK Essen begrüßte auch Cornelia Prüfer-Storcks, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg. "Ich halte es für richtig, die Protonentherapie in der Hand der Hochschulmedizin zu sehen", so Prüfer-Storcks. "Die zwischen Klinik und Kassen gefundenen Vereinbarungen erschließen einerseits die Protonentherapie für die aus heutiger Sicht erfolgversprechenden Indikationsgebiete. Andererseits verbessern sie den wissenschaftlichen Kenntnisstand, um die Protonentherapie künftig mit großer Evidenz einsetzen zu können."

Innovative Krebstherapie
Das Besondere am Essener Protonentherapiezentrum: Die Kombination aus drei um die eigene Achse schwenkbaren Bestrahlungsgeräte - auch Gantries genannt - und einem Fixed Beam Raum mit der weltweit innovativsten Scanning-Technologie. Die Installation einer Gantry ist bereits beendet, eine weitere befindet sich im Aufbau. Auch der ufoförmige Protonenbeschleuniger - das Herzstück des Zentrums - kann bereits am Tag des Richtfestes besichtigt werden. Genauso wie das Strahlführungssystem, die so genannte Beamline.

"Wir bauen ein Protonentherapiezentrum, um bei bestimmten Krebsarten die Heilungserfolge deutlich zu verbessern", berichtet Prof. Dr. Gerald Holtmann. So könnten Strahlenmediziner bei der Behandlung mit Protonen steuern, wie tief diese eindringen. Die geladenen Teilchen würden im Tumor stoppen, um dort die höchste Dosis zu entfalten. "Dabei schont das Verfahren empfindliche, um den Tumor gelegene, Organe wie das zentrale Nervensystem", so Prof. Holtmann

Größtes PPP-Projekt im Gesundheitswesen
"Zusammen mit unseren Partnern aus der Wirtschaft gehen wir neue Wege in der Krankenhausfinanzierung. Mit dem Public-Private-Partnership-Modell haben wir ein innovatives Finanzierungsmodell geschaffen, das uns die Chance gibt, trotz fehlender staatlicher Investitionen in die Zukunft des UK Essen zu investieren", so der Kaufmännische Direktor Reinhold Keil. Rund 140 Millionen Euro kostet der Bau. Für Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb des Therapiezentrums ist die STRIBA Protonentherapiezentrum Essen GmbH verantwortlich - eine eigens gegründete Objektgesellschaft der STRABAG Projektentwicklung GmbH, Köln, und der IBA Ion Beam Applications S.A., Belgien. Sie vermietet die Protonenanlage für 15 Jahre an das Universitätsklinikum Essen. Danach geht der Besitz an das UK Essen über.

Die WPE gGmbH - eine 100%ige Tochter des UK Essen, übernimmt den medizinischen Betrieb der Anlage. Über die gesamte Laufzeit der Verträge beziffert Keil die Kosten für Planung, Bau, Technik, Wartung, Instandhaltung und Finanzierung über 300 Millionen Euro. "Trotz dieser hohen Investition ist das wirtschaftliche Risiko für das Universitätsklinikum kalkulierbar. Zudem schaffen wir mit der Anlage über 150 neue Arbeitsplätze für beispielsweise Mediziner und Physiker", so Keil. Um die Anlage effizient und effektiv zu nutzen, soll später in zwei Schichten an 300 Tagen im Jahr dort gearbeitet werden.

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Gerald Holtmann, Ärztlicher Direktor des UK Essen, Tel.: 0201 / 723 - 5000, gerald.holtmann@uk-essen.de

Reinhold Keil, Kaufmännischer Direktor des UK Essen, Tel.: 0201/723-2600, reinhold.keil@uk-essen.de

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-essen.de

Weitere Berichte zu: Protonentherapie Protonentherapiezentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise