Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobiles Aids-Labor

21.06.2002

Weltweit sind über 30 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, nach Angaben der UN-Organisation gegen Aids leben davon drei Viertel in Afrika. Obwohl die antiretrovirale Medikamente, die das Virus hemmen, in vielen Entwicklungsländern mittlerweile billig oder sogar kostenlos zu bekommen sind, ist eine wirksame und gezielte Behandlung nur selten möglich. Um sie durchzuführen, ist die Bestimmung der Anzahl der CD4+ T-Zellen, die im Blut für die Immunabwehr verantwortlich sind, unbedingt erforderlich. Für die Mehrzahl der Aidskranken war diese Untersuchung nicht nur unbezahlbar, sondern in der Regel auch unerreichbar, denn sie konnte nur in gut ausgestatteten Zentren durchgeführt werden. Internationale Organisationen wie die WHO bemühten sich bislang erfolglos darum, den Anteil der behandelten Personen auf ein Prozent zu erhöhen.

Abhilfe kann hier das am Institut für Strahlenbiologie der Universität Münster von Prof. Dr. Wolfgang Göhde entwickelte mobile "FlowCytometer" schaffen. Die klinische Erprobung erfolgte in Zusammenarbeit mit Dr. Burkhard Greve vom selben Institut und Dr. Uwe Cassens vom Institut für Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Münster. Göhde entwickelte bereits 1968 am Institut für Strahlenbiologie das weltweit erste Fluoreszenz-basierte FlowCytometer, auf dessen Grundlage das mobile Gerät gebaut wurde.

... mehr zu:
»Strahlenbiologie

Klein und robust ist es in einem kleinen Geländewagen installiert, der mit einem kompletten Labor für immunologische Blutuntersuchungen ausgestattet ist. So werden Patienten fernab von den bisherigen medizinischen Zentren erreicht. Mit einer ebenfalls neu entwickelten Methode zur Blutaufarbeitung konnten die Kosten für die CD4+ T-Zellzahlbestimmung von 40 Euro auf weniger als zwei Euro gesenkt werden. Nach Auskunft von Cassens, der auf die Qualitätssicherung von Blutprodukten spezialisiert ist, wird diese dramatische Kostensenkung begleitet von Ergebnissen, die sogar noch präziser sind als diejenigen, die mit den bisherigen Methoden erreicht wurden.

Das erste mobile FlowCytometer-Labor wird Anfang Juli auf dem Internationalen Aids-Kongress als Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Strahlenbiologie der Universität Münster, der

gemeinnützigen "Fondation J. B." aus Genf, die die Finanzierung des Projektes übernommen hat, und des Französischen Roten Kreuzes vorgestellt. Danach wird dieses Fahrzeug unter der Schirmherrschaft des Französischen Roten Kreuzes in Burkina Faso eingesetzt.

Dr. Maggi Westerhoff, eine nigerianische Ärztin, die sich um die Behandlung ärmster Aids-Patienten große Verdienste erworben hat, wird in Kürze 14 dieser Fahrzeuge zur flächendeckenden Versorgung entlegener Gegenden im Süden Nigerias einsetzen. Damit werden allein dort 700.000 Untersuchungen pro Jahr möglich. Zum Vergleich führt Göhde die Zahlen für Burkina Faso an: Von 1,8 Millionen Infizierten werden bisher lediglich 1.400 behandelt. Diesen Missstand abzubauen, wäre auch ökonomisch sinnvoll, führt Cassens aus. Der volkswirtschaftliche Nutzen einer gezielten Behandlung überwiegt bei weitem die Kosten; die Betroffenen können ihrer Arbeit nachgehen, die Familien würden nicht verelenden, Entwicklungsprojekte wären nicht so stark gefährdet.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://medweb.uni-muenster.de/institute/stbio/index.html

Weitere Berichte zu: Strahlenbiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften

Wellen schlagen

29.06.2017 | Informationstechnologie