Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweinezellen sollen Insulinbedarf bei Diabetes senken

15.04.2008
Deutsche Diabetes-Gesellschaft lehnt Übertragung von Tierzellen ab

Neuseeländischen Forschern ist die Transplantation von Inselzellen neugeborener Schweine auf Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 geglückt. Bei zwei der behandelten Patienten habe man den Insulinbedarf dadurch deutlich verringern können. Eine weitere Patientin weise einen um zehn Prozent reduzierten Insulinbedarf auf, während eine Testperson nach wenigen Wochen wieder insulinbedürftig wurde. Die sogenannten Xenotransplantationen - die Übertragung von funktionstüchtigen Zellen zwischen verschiedenen Spezies - seien im vergangenen halben Jahr in einer Klinik in Moskau durchgeführt worden, berichteten die Mediziner bei einem Diabetes-Kongress in Wellington.

Als Inselzellen bezeichnet man die Zellen, aus denen die Langerhans-Inseln aufgebaut sind, die in der Bauchspeicheldrüse durch Ausschüttung von Insulin den Blutzuckerspiegel regulieren. Weil beim Typ-1-Diabetes der Körper die menschlichen Inselzellen zerstört, haben die neuseeländischen Forscher Inselzellen von Schweinen implantiert, die dann im menschlichen Körper die Insulinproduktion aufnehmen sollen, sodass sich die Patienten nicht mehr täglich mehrmals Insulin spritzen müssten. Der DiabeCell getaufte Wirkstoff wurde dabei in einer Kapsel aus Alginatgel - einem aus Algen gewonnenen Polymer - verschlossen und durch einen Eingriff in der Bauchhöhle platziert. Laut dem Forscherteam um Robert Elliott haben die Patienten nach dem Eingriff keine Medikamente zur Unterdrückung einer Immunabwehrreaktion erhalten. Die Einbettung in Alginatgel solle derartige Reaktionen verhindern.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de beurteilt dieses Vorgehen kritisch: "Zwar unterstützt die DDG die Forschung zur Xenotransplantation. Klinische Studien und Transplantationen müssten aber unsere ethischen und moralischen Forderungen erfüllen. Diese erlauben es nicht, dass Schweineinselzellen auf den Menschen übertragen werden", sagt Markus Tiedge, Leiter des Instituts für Medizinische Biologie an der Universität Rostock und Vorstandsmitglied der DDG, im Gespräch mit pressetext. In Deutschland würden verschiedene Varianten der Xenotransplantation bereits seit 20 Jahren erforscht. Bisher habe man aber von klinischen Versuchen abgesehen, weil das Risiko für den Patienten unüberschaubar sei. "Das Problem der Immunkompatibilität zwischen tierischen und menschlichen Zellen müsste gelöst werden, bevor eine solche Transplantation durchgeführt werden kann", so Tiedge. Über kurz oder lang würde das Präparat vom Körper abgestoßen werden und massive Immunreaktionen hervorrufen. Es gebe aber derzeit schlicht keine Konzepte, wie die Immunabstoßung in den Griff zu bekommen sei.

... mehr zu:
»DDG »Inselzelle »Insulinbedarf

"In Deutschland wird man nicht in die klinische Phase einsteigen, solange nicht Kardinalprobleme beseitigt sind, die dem Patienten im Nachhinein Schäden zufügen", erläutert Fischer weiter. Die DDG beurteile die Handhabe der neuseeländischen Forscher als verfrüht, da die Erfolgsquote sehr gering sei, während das Risiko für die Patienten unhinnehmbar hoch sei. "Es müssen im Vorfeld viel mehr Details erforscht werden, bevor man Patienten ein solches Verfahren anbieten kann." Experimente, die den Patienten gefährden, könne man nicht gutheißen. Die deutsche Forschung auf dem Gebiet der Inselzellen habe sich zudem von den tierischen Zellen abgewandt und untersuche jetzt die Möglichkeiten der Verwendung von humanen Betazellen. "Wir glauben an das Potenzial von Vorläuferzellen aus Spender-Pankreata oder adulten Stammzellen", fasst Fischer zusammen.

Claudia Misch | pressetext Nachrichtenagentur Gm
Weitere Informationen:
http://www.pressetext.com

Weitere Berichte zu: DDG Inselzelle Insulinbedarf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten