Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Scheu vor Herzmassagen und Beatmung in der Ersthilfe

15.04.2008
Und das in dieser Reihenfolge. "Bei Erwachsenen, die einen Kreislaufstillstand erleiden, ist die Herzmassage die Hauptsache", sagt Prof. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln.

Nach Leitlinien des Europäischen Resuscitation Council (ERC) von 2005 sollen Ersthelfer 30 Mal hintereinander auf die Mitte des Brustkorbs drücken und dann möglichst übergangslos zwei Mund-zu-Mund-Beatmungen folgen lassen.

Dieser Rhythmus sollte bis zum Eintreffen des Notarztes beibehalten werden. Vor 2005 galt ein 2-zu-15-Rhythmus als ideal. Das hat der ERC aus der Erkenntnis geändert, dass kürzere Pausen bei der Herzmassage effektiver sind. Das bestätigt Prof. Böttiger, der Vize-Präsident des ERC ist.

Vor kurzem hat der amerikanische Kardiologenverband erklärt, dass Herzmassagen ohne Beatmung denen mit Beatmung durch Ersthelfer gleichwertig seien. Das allerdings sieht man unter europäischen Experten anders.

"Dazu fehlen eindeutige wissenschaftliche Beweise", so Böttiger. Bei den Studien, auf die sich die US-Kollegen stützten, handele es sich um unkontrollierte, beobachtende Erfahrungsstudien, bei denen die Teilnehmer im Nachhinein befragt wurden. Die Beweiskraft solcher Studien, so Böttiger, sei grundsätzlich gering.

In einem Punkt sind sich Amerikaner und Europäer aber einig: "Bei Erwachsenen, die einen Kreislaufstillstand erleiden, ist die Herzmassage die Hauptsache", sagt Böttiger.

Deshalb heißt es auch in den europäischen Leitlinien schon seit Ende 2005: Wenn ein Laienhelfer unfähig oder unwillig ist, einen anderen Menschen zu beatmen, kann er darauf verzichten und sich ganz auf die Herzmassage konzentrieren. Allerdings gehen die US-Kollegen noch einen Schritt weiter, indem sie nun die Wiederbelebung mit und ohne Beatmung als gleichwertig betrachten.

"Viele Menschen scheuen sich davor, einen fremden Menschen zu beatmen", sagt Böttiger. Seit 2005 empfiehlt der ERC denn auch, die Wiederbelebung mit der Herzmassage zu beginnen. Denn zu Beginn eines Kreislaufstillstands ist meist noch genug Sauerstoff in Lunge und Blut, und das Blut wird durch die Herzmassage wieder zum Fließen gebracht.

Nur wenn Sauerstoffmangel zum Kreislaufstillstand geführt hat, ist die Mund-zu-Mund-Beatmung unerlässlich. Das ist in der Regel bei Kindern der Fall, denn bei ihnen sind häufig Erstickungsanfälle der Grund für den Herzstillstand, bei Erwachsenen dagegen sind es meist ein Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Kinder ebenso wie Erwachsene, die beinahe ertrunken oder erstickt sind oder unter Drogen stehen und leblos erscheinen, müssen sofort beatmet werden.

Sind mehrere Helfer vor Ort, sollten sie sich abwechseln - denn Herzmassage ist "Schwerstarbeit". Rund 100 Mal pro Minute wird der Brustkorb um vier bis fünf Zentimeter eingedrückt. "Gebrochene Rippen sind dabei eher normal und in dieser Situation auf Leben und Tod nebensächlich", sagt Böttiger. "Es gibt nur einen Fehler, den man machen kann", sagt er, "und das ist, nichts zu tun."

Für Rückfragen:

Univ.-Prof. Dr. Bernd W. Böttiger
Telefon: 0221 478-4807
E-Mail: bernd.boettiger@uk-koeln.de
Sina Vogt
Leiterin Stabsstelle Kommunikation Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de

Sina Vogt | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Beatmung ERC Herzmassage Kreislaufstillstand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie