Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heinemann-Förderpreis: Hirntumore und Erbkrankheit erforschen

20.06.2002


Günter Friedrich (l.) und Richard Csaki (2.v.r.) von der Dresdner Bank überreichen den beiden Preisträgern Nils Brune (2.v.l.) und Dennis Hoffmann ihre Schecks.


Genmedikament gegen Hirntumore
Hilfe gegen vererbte Nervenerkrankung


Sophia und Fritz Heinemann-Förderpreise an junge Mediziner


Mit je 7.500 Euro unterstützt die von der Dresdener Bank AG Bochum betreute Sophia und Fritz Heinemann Stiftung die Forschungsvorhaben zweier junger RUB-Mediziner: Dennis Hoffmann arbeitet an der Entwicklung eines neuen Genmedikaments gegen bösartige Hirntumore, Nils Brune erforscht Chorea Huntington, eine tödliche Erbkrankheit des Zentralnervensystems. Der ursprünglich mit 8.000 Euro dotierte Förderpreis wurde aufgrund der diesjährigen Wahl von zwei Preisträgern auf insgesamt 15.000 Euro erhöht. Überreicht wurde der Preis gestern vom Prodekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Jörg T. Epplen und dem Stiftungsvorstand der Dresdener Bank AG Bochum, vertreten durch Richard Csaki und Günter Friedrich.


Entartete Zellen bekämpfen, gesunde schonen

Die Lebenserwartung von Patienten mit bösartigen Hirntumoren ab dem Zeitpunkt der Diagnose beträgt nur noch einige Monate oder sogar nur ein paar Wochen. Lebensbedrohlichen Schaden richten solche Tumore fast immer durch ihr lokales Wachstum an. Eine erfolgreiche Behandlung müsste also nur an Ort und Stelle gegen sie wirken. Daher setzen die Mediziner für eine zukünftige Behandlung von Hirntumoren große Hoffnungen in die Gentherapie. Dennis Hoffmann will ein Medikament entwickeln, das nur die Hirntumorzellen zerstört und das umliegende Gewebe schont.

Tumorzellen aktivieren selbst ihre Widersacher

Dazu will er Überträgerzellen (Vektoren) herstellen, die u.a. zwei defekte virale Gene enthalten, welche für die Neubildung von vermehrungsfähigen ("replikationskompetenten") Viren unverzichtbar sind. Die Funktion jedes der beiden Gene wird getrennt von je einem sog. Promotor "eingeschaltet". Da beide Promotoren vor allem in wuchernden Tumorzellen vorkommen, beschränkt sich die Wirkung des Medikaments auf den Tumor, gesunde Zellen schalten die Zerstörung nicht ein. Das Virusgenom soll außerdem - als "Ausschalter" - ein Gen enthalten, das vom Virus befallene Tumorzellen für ein anderes Medikament empfindlich macht, so dass sich eine unkontrollierte Vermehrung damit stoppen lässt.

Mehrere Faktoren beeinflussen tödliche Erbkrankheit

Nils Brune wird Aspekte der Erbkrankheit Chorea Huntington (CH) erforschen. Diese Erkrankung des Zentralnervensystems geht mit unwillkürlichen Bewegungsstürmen, psychiatrischen Auffälligkeiten und intellektuellem Abbau einher. Sie kann schon im Kleinkindalter beginnen, meistens jedoch treten die ersten Symptome zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr auf. Nach zwölf bis 20 Jahren sterben die Betroffenen. Seit 1993 ist bekannt, welcher genetische Defekt die Krankheit auslöst. Das Ausmaß dieses Gendefekts erklärt den Zeitpunkt der Erkrankung - jedoch nur in 60 Prozent aller Fälle. Es müssen also noch andere genetische Faktoren mitspielen.

Hoffnung auf Therapieansätze

Eine heiße Spur scheint der Energiestoffwechsel der Nervenzellen zu sein. Wie bei der Alzheimer Demenz sind in den von CH betroffenen Nervenzellen Eiweißkörperchen eingeschlossen, die den Energiestoffwechsel der Zelle stark einschränken. Erhöhte Konzentrationen körpereigener Botenstoffe des Zentralnervensystems, wie Glutamat und Homocystein, vermindern den Energiestoffwechsel von Zellen ebenfalls. Kommen Eiweißeinschlüsse und erhöhte Botenstoffwerte zusammen, sterben die Zellen ab. Grund für einen erhöhten Homocysteinspiegel sind wiederum genetische Veränderungen. Nils Brune vermutet einen Zusammenhang zwischen diesen Mutationen, dem Erkrankungsalter bei CH und speziell dem Beginn des intellektuellen Abbaus. Sollte sich seine Vermutung bestätigen, gäbe es erstmals Ansatzpunkte für eine ursächliche Therapie bei CH: Mit verschiedenen Vitaminen ließe sich der Beginn der Erkrankung möglicherweise um Jahre verschieben.

Stiftung fördert Humanmedizin

Die von der Dresdener Bank AG Bochum betreute Sophia und Fritz Heinemann Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Humanmedizin. Der Förderpreis soll als Anschubfinanzierung für junge Mediziner unter 30 Jahre dienen. Fritz Heinemann (1903-1975) war von 1952 bis 1969 Bochumer Oberbürgermeister.

Weitere Informationen

Dr. Thorsten Wiethege, Forschungsreferent FoRUM, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/97656-13, Fax: 0234/97656-19, E-Mail: thorsten.wiethege@ruhr-uni-bochum.de
Richard Csaki, Dresdener Bank AG, Sophia und Fritz Heinemann Stiftung, Husemannplatz 6-7, Tel. 0234/9110-255, Fax 0234/9110-285

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Energiestoffwechsel Erbkrankheit Gen Hirntumor Zentralnervensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten