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Tropische Infektionserkrankungen nehmen in Südeuropa zu

09.04.2008
Experten raten im Urlaub dringend zu Schutzmaßnahmen

Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mahnt auf seinem Gesundheitsportal bei zukünftigen Reisen in den süd- und osteuropäischen Raum zur Vorsicht. Denn hier könnten die Klimaerwärmung und die stetig wachsende internationale Reise- und Transporttätigkeit in einigen Jahren für das vermehrte Auftreten tropischer Infektionskrankheiten sorgen.

Krankheitserreger könnten heute in kurzer Zeit von einem Teil der Welt in einen anderen gebracht werden, die Erwärmung des Klimas begünstige gleichzeitig die Etablierung bestimmter Stechmückenarten auch in gemäßigteren Breiten. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten sei das häufigere Auftreten von tropischen Infektionserkrankungen in diesen Gebieten möglicherweise zu erwarten, so Universitätsprofessor Thomas Löscher, Leiter des Tropeninstituts München, gegenüber pressetext.

So hat es im vergangenen Sommer im Raum Ravenna, Italien, rund 200 Fälle von Chikungunya-Fieber gegeben, einer Viruserkrankung aus Südafrika und Südostasien, die von Mücken übertragen wird und Gelenkbeschwerden hervorruft. Ein Rückkehrer aus Indien hatte das Virus eingeschleppt. "Wenn ein Gebiet gefährdet ist, sollte man sich dort unbedingt mit Netzen oder Salben gegen Mücken schützen", sagt Löscher. In der Türkei und Russland erkrankten im gleichen Zeitraum mehrere hundert Menschen am Krim-Kongo-Fieber, das vor allem in Afrika und Asien verbreitet ist und durch Zecken übertragen wird.

Auch aus anderen klimatisch gemäßigten Regionen der Welt würden durch Mücken übertragene Erkrankungen gemeldet, die dort bisher fremd waren. "Wir müssen also damit rechnen, dass Infektionskrankheiten, die bislang nur in den Tropen und Subtropen verbreitet waren, zukünftig auch in Europa auftreten können", warnt Löscher. "Wir werden jedoch keine Chikungunya-Epidemie zu befürchten haben. Es hat sich auch noch keine dieser Krankheiten in Europa festgesetzt", erklärt der Tropenmediziner weiter. Vielmehr als Europa würden die Entwicklungsländer in Zukunft mit diesen Tropenkrankheiten zu kämpfen haben.

Die Ausbreitung der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gen Norden sei dagegen ein Fakt. Hier könne man sich aber einfach mittels einer Impfung schützen. Bei Reisen nach Süditalien, die Türkei oder die afrikanischen Mittelmeeranrainerstaaten sollte man sich im Vorhinein in jedem Fall gegen Hepatitis A impfen lassen und darauf achten, was für Nahrungsmittel man im Urlaub zu sich nimmt.

In diesen Regionen sei das Hepatitis A-Virus, das eine infektiöse Leberentzündung verursacht, teils noch weit verbreitet. "Viele Erkrankungen von Touristen in diesen Ländern treten deshalb auf, weil einfach nicht an eine Gelbsucht-Impfung gedacht wurde", sagt Tropenmediziner Löscher.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.internisten-im-netz.de
http://www.tropinst.med.uni-muenchen.de

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