Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein neuer Weg zur Verbesserung von Krebsbehandlungen

07.04.2008
Ein ungelöstes Problem bei der Behandlung von Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium ist das Auftreten von Behandlungsresistenz.

Denn in den meisten Fällen, in denen einmal Resistenz gegen die verwendeten Zytostatika auftritt, sprechen die Krebszellen auch nicht mehr auf andere Zytostatikaklassen an. In diesen Fällen kann das weitere Ausbreiten des Krebses, das schließlich zum Tod des Patienten führt, nicht mehr verhindert werden. Ein Forschungsteam um den Jenaer Mediziner James Beck untersucht eine neue Klasse von Krebsmedikamenten, mit denen die Behandlungsresistenz möglicherweise überwunden werden kann.

Lokal begrenzte Tumoren können sehr häufig mit Operation oder Bestrahlung wirksam behandelt werden. Wenn der Tumor sich jedoch über ein einzelnes Gewebe hinaus als Metastasen ausgebreitet hat, führen solche lokalen Behandlungen nicht mehr zur Heilung. Es muss dann eine Chemotherapie erfolgen, mit der Krebszellen im ganzen Organismus erreicht und zum Absterben gebracht werden können. Allerdings gelingt es mit den heutigen Chemotherapeutika meist nur für eine begrenzte Zeit, die Krebserkrankung unter Kontrolle zu halten.

In vielen Fällen wird stattdessen nach zunächst erfolgreicher Behandlung ein Wiederaufleben des Krebswachstums beobachtet, da die eingesetzten Medikamente im Verlaufe der Chemotherapie ihre Wirksamkeit verlieren. Der Grund ist, dass die Krebszellen gegen die verwendeten und gleich auch gegen andere Chemotherapeutika resistent werden. Für eine Verbesserung der Behandlung von Krebs im fortgeschrittenen Stadium ist es daher von entscheidender Bedeutung, Behandlungskonzepte zur Überwindung dieser Resistenzen zu entwickeln.

Ein viel versprechender Ansatz ist dabei, diejenigen Moleküle zu identifizieren, die einem Krebs seine Behandlungsresistenz verleihen. "Diese Moleküle würden aussichtsreiche Ansatzpunkte für die Entwicklung von Medikamenten darstellen, mit denen die Behandlungsresistenz letztendlich überwunden werden kann", erklärt Prof. Beck. Bei der Identifizierung dieser Moleküle setzen der Onkologe und seine Arbeitsgruppe auf eine neue Klasse von Krebsmedikamenten, die Histondeacetylase-Inhibitoren (HDACi). HDACi zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Krebszellen den programmierten Zelltod - die Apoptose - herbeiführen, indem sie Apoptose-relevante Gene regulieren.

"Diese Wirkung unterscheidet sie von klassischen Chemotherapeutika, welche die Apoptose durch Zellschädigung auslösen", so Beck. Eine charakteristische Eigenschaft von Krebszellen ist, dass sie reich an genetischen Mutationen sind. Normale Zellen mit solchen Mutationen würden entsprechend reagieren und Apoptose auslösen. Zu den Eigenschaften von Krebszellen gehören allerdings auch solche molekularen Veränderungen, die sie in den Stand setzen, die Apoptose zu vermeiden. Die Ausschaltung solcher Apoptose-relevanter Moleküle erlaubt es den Krebszellen in vielen Fällen zudem, sich auch der Chemotherapie zu entziehen. "Die Kenntnis dieser Moleküle, welche von den Krebszellen unterdrückt werden, könnte den Grundstein für erfolgreiche Krebstherapien legen", so der Mediziner weiter.

In Versuchen mit HDACi konnten die Mitglieder der Arbeitsgruppe an Krebszellkulturen zeigen, dass sie die Wirksamkeit von herkömmlichen Chemotherapeutika deutlich verstärken und Resistenzen überwinden (siehe Abbildung). Weitere Untersuchungen zeigen zudem, dass mit dieser Wirkungsverstärkung ein von HDACi spezifisch verändertes Molekülmuster in den Krebszellen einhergeht. Unter den von HDACi regulierten Molekülen befinden sich wie vermutet bestimmte Formen, denen wichtige Funktionen bei der Apoptose zukommen, wie auch eine Reihe weiterer, die an der Resistenzentwicklung beteiligt sind. "Die vergleichende Analyse von HDACi-behandelten und unbehandelten Krebszellen kann also wichtige Aufschlüsse über Resistenzfaktoren geben", so Beck. Diese Moleküle werden derzeit von der Arbeitsgruppe am Jenaer Universitätsklinikum mit zell- und molekularbiologischen Methoden eingehend untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen könnten die Basis für innovative Krebstherapien bilden.

Kontakt: Prof. Dr. James F. Beck, Jena
Tel. +49 (3641) 938211 Fax +49 (3641) 938280
e-mail: james.beck@med.uni-jena.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie