Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rheuma bei Kindern: Falsche Enzymaktivität in den B-Zellen?

19.06.2002


Rheumatische Erkrankungen werden durch Fehlfunktionen des Immunsystems ausgelöst: Dabei kommt es fälschlicherweise zur Produktion von Abwehrstoffen (Immunglobuline) gegen Organe des eigenen Körpers. Ob bei rheumakranken Kindern eine spezielle Störung in der Entwicklung der Immunzellen vorliegt, untersuchen Wissenschaftler von der Uni Würzburg.

Immunglobuline sind Eiweißstoffe, die von den B-Zellen des Immunsystems gebildet werden. Diese Zellen entwickeln sich im Knochenmark: Dabei werden aus den vielen verschiedenen Immunglobulin-Genen zwei bis drei ausgewählt und mit so genannten Rekombinationsenzymen zusammengebaut.

Dieser Prozess läuft rein zufällig ab, und er bringt B-Zellen hervor, die Abwehrkörper gegen sehr viele verschiedene Fremdstoffe produzieren können. Es entstehen aber auch B-Zellen, deren Immunglobuline sich gegen den eigenen Körper richten. Doch eine strikte Qualitätskontrolle verhindert, dass diese "schlechten" Zellen das Knochenmark verlassen. Die "guten" B-Zellen dagegen bleiben in der Regel gut, denn sobald sie im Blut patrouillieren, können sie ihre Immunglobulin-Gene normalerweise nicht mehr verändern.

So weit der Idealfall. Doch die Arbeitsgruppe um Dr. Hermann Girschick von der Kinderklinik der Universität Würzburg hat bei den B-Zellen auch schon ein ganz anderes Verhalten beobachtet. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, warum bei Patienten mit Systemischem Lupus Erythematodes besonders häufig Immunglobuline zu finden sind, die den eigenen Körper angreifen. Bei dieser Krankheit kommt es durch entzündliche Vorgänge zu unterschiedlichsten Symptomen, darunter Arthritis und Veränderungen der Haut oder des Blutbildes.

Im Blut solcher Patienten fanden die Würzburger Mediziner eine große Anzahl von B-Zellen, die ihre Immunglobulingene verändern konnten. Dr. Girschick: "Interessanterweise waren diese B-Zellen allesamt erst kurz zuvor aus dem Knochenmark ins Blut ausgewandert. Normalerweise hätten sie die Produktion ihrer Rekombinationsenzyme beim Verlassen des Knochenmarks einstellen sollen."

Die Folge dieser Abweichung: Verändert eine B-Zelle ihr Immunglobulin-Gen außerhalb des Knochenmarks oder lymphatischer Organe, dann kann sie nicht mehr der Qualitätskontrolle unterzogen werden. Dadurch überleben vermehrt solche B-Zellen, die gegen die eigenen Organe gerichtete Immunglobuline produzieren.

Zu diesem Ergebnis kamen die Würzburger Wissenschaftler mit einer selbst entwickelten und hoch sensiblen molekulargenetischen Methode, mit der sie die Produktion der Rekombinationsenzyme in einer einzelnen B-Zelle untersuchen können. Auf diese Weise wollen sie nun auch die Entstehung von Rheuma bei Kindern hinterfragen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt.

Weitere Informationen: Dr. Hermann Girschick, T (0931) 201-5846, Fax (0931) 201-2242, E-Mail: 
hermann.girschick@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: B-Zelle Immunglobulin-Gen Immunglobuline Knochenmark Rheuma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie