Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirkstoff zur Individualtherapie von Darmkrebs vorgestellt

03.04.2008
Medikament aus menschlichen Eiweißstrukturen bremst Tumorwachstum

Ein neu entwickeltes Medikament auf Basis humaner Eiweißstrukturen zur Behandlung von Tumoren im Dickdarm ist heute, Donnerstag, in Wien vorgestellt worden. Der Wirkstoff Panitumumab ist der erste sogenannte vollständig humane monoklonale Antikörper auf dem Markt.

Anwendung finden soll das Medikament bei Patienten mit Tumoren, die bereits Tochtergeschwülste ausgebildet haben und denen bereits mehrere Chemotherapien verabreicht wurden. Voraussetzung für die als Monotherapie vorgesehene Behandlung ist das Vorhandensein eines nicht mutierten K-Ras-Gens, das sich bei etwa 60 Prozent der Darmkrebspatienten findet und mithilfe eines Genmutationstests nachgewiesen wird.

Die Aufgabe von Antikörpern - besondere Eiweiße, die im Blutkreislauf zirkulieren - ist es, körperfremde Substanzen zu erkennen und das Immunsystem zu aktivieren, damit diese körperfremden Stoffe, wie etwa Bakterien, zerstört werden. Panitumumab kann die Rezeptoren für den Wachstumsfaktor EGF, der für das Wachstum gesunder wie erkrankter Zellen benötigt wird, blockieren und so das Wachstum der Tumorzellen verlangsam oder sogar blockieren, wie die Zulassungsstudie gezeigt hat. Hier ergab sich bei 50 Prozent der mit dem Wirkstoff Behandelten eine Tumorrückbildung, bei 26 Prozent eine Stabilisierung der Erkrankung. Der Wirkstoff ist seit Dezember 2007 von der Europäischen Agentur zur Beurteilung von Arzneimitteln unter Auflagen zugelassen.

Bisher wurden die in der Medizin als Medikamente genutzten Antikörper aus Zellkulturen von Mäusen hergestellt. Diese Antikörper werden aber in einigen Fällen vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt und zerstört. Es kann so zu Nebenwirkungen und dem Nachlassen der Wirkung des Medikamentes kommen. "In den vergangenen Jahren sind zwar eine Reihe von Fortschritten bei Therapie und Medikamenten gemacht worden", erklärt der Wiener Universitätsprofessor Werner Scheitelhauer von der Klinik für Innere Medizin gegenüber pressetext, "mit bisherigen Medikamenten haben wir aber ein Upper Limit erreicht. Es waren keine weiteren erfolgversprechenden Kombinationen mehr möglich." Umso erfreulicher sei die Entwicklung des neuen Wirkstoffes einzuschätzen, der zudem eine weiter individualisierte Therapie ermögliche: "Das Mittel ist einfach zu handhaben, es wird alle 14 Tage unter Aufsicht als intravenöse Infusion verabreicht", so der Experte. Durch die Herstellung aus humanen Eiweißstrukturen sei das Medikament zudem besser verträglich.

Jährlich erkranken in Österreich rund 5.000 Menschen neu an Darmkrebs, der bei Männern wie Frauen zu den häufigsten Krebsarten zählt. Das Risiko am kolorektalen Karzinom zu erkranken betrage etwa sechs Prozent, so Universitätsprofessor Günther Gastl von der Klinik für Innere Medizin in Innsbruck.

Das Sterberisiko läge bei zwei bis drei Prozent. Die Mortalität sinke, gleichzeitig steige aber die Inzidenz von Darmkrebsfällen, da sich viele Betroffene erst an den Arzt wenden, wenn sie sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden. Darum sei es von großer Wichtigkeit in regelmäßigen Abständen Früherkennungsmaßnahmen durchführen zu lassen. Die beste Früherkennungsmethode sei die Koloskopie, der sich Menschen ab 50 Jahren alle sieben bis zehn Jahre unterziehen sollten. "Durch die Früherkennungsuntersuchungen kann das Risiko an Dickdarmkrebs zu sterben um 80 Prozent gesenkt werden", so Gastl.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.i-med.ac.at

Weitere Berichte zu: Antikörper Darmkrebs Eiweißstruktur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten