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Koffein im Oberschenkel kann Leben retten

18.06.2002


Bei Personen mit Veranlagung für die Maligne Hyperthermie (MH) verläuft die Kohlendioxid-Entwicklung im Oberschenkel nach einer Injektion von Koffein deutlich anders (Kurve mit roten Dreiecken) als bei gesunden Kontrollpersonen.
Grafik: Anetseder


Narkosemittel können in seltenen Fällen eine potenziell lebensgefährliche Reaktion auslösen. Wissenschaftler von der Universität Würzburg haben nun eine einfache Möglichkeit gefunden, um gefährdete Patienten zu erkennen - durch die Injektion von Koffein.

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Bei der Komplikation handelt es sich um die so genannte Maligne Hyperthermie, eine lebensgefährliche Erkrankung mit Muskelsteife, unkontrollierter Stoffwechselsteigerung und einem steilen Anstieg der Körpertemperatur. Derzeit muss eine Muskelbiopsie durchgeführt werden, um die gefährdeten Patienten erkennen zu können. Es sind zwar auch genetische Untersuchungen möglich, doch werden hiermit nur 20 bis 40 Prozent aller Betroffenen erfasst.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Martin Anetseder von der Würzburger Uniklinik für Anaesthesiologie hat nun in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Clemens R. Müller vom Institut für Humangenetik der Uni Würzburg eine viel einfachere Methode gefunden: Die Mediziner injizierten Koffein in die Oberschenkelmuskeln von betroffenen und von gesunden Patienten. Nur bei den zwölf Versuchspersonen mit Veranlagung für die Maligne Hyperthermie kam es darauf hin zur Freisetzung von Kalzium im Muskel, verbunden mit einer Steigerung des Stoffwechsels und einem messbaren Anstieg der Kohlendioxidwerte. Bei gesunden Versuchspersonen dagegen liefen diese Prozesse nicht ab. Zugleich traten bei keinem der Probanden Nebenwirkungen auf, und die Kohlendioxidwerte normalisierten sich bei allen Patienten innerhalb einer Stunde.


Von diesem Test könnten zukünftig Patienten profitieren, die an Muskelerkrankungen leiden, welche gehäuft mit einer Veranlagung zur Malignen Hyperthermie einhergehen. "Doch bevor dies erreicht wird, muss im nächsten Schritt die Genauigkeit des Testverfahrens bestimmt werden. Hierzu sind Multicenter-Studien mit hohen Patientenzahlen erforderlich", so Dr. Anetseder.

Weitere Informationen: Dr. Martin Anetseder, T (0931) 201-30125, Fax (0931) 201-30129, E-Mail: 
anets@anaesthesie.uni-wuerzburg.de

Über dieses Forschungsergebnis berichteten Martin Anetseder und seine Kollegen Martin Hager, Clemens R. Müller und Norbert Roewer im Wissenschaftsmagazin "The Lancet" vom 4. Mai 2002, Vol. 359, Seiten 1579 - 1580, unter der Überschrift "Diagnosis of susceptibility to malignant hyperthermia by use of a metabolic test".

Robert Emmerich | idw

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