Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lichtblick bei starken Rückenschmerzen

31.03.2008
Biopsychosoziale Behandlung bei allen Schweregraden wirksam / Pionierstudie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg

Von einer vielseitigen Therapie ihrer Beschwerden profitieren auch "Rückenpatienten", die an besonders langwierigen und schweren chronischen Schmerzen leiden. Das hat eine in dieser Form erstmals vorgenommene Studie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg ergeben, deren Ergebnisse in der internationalen Fachzeitschrift "Spine" veröffentlicht worden sind. Bisher galt der multidisziplinäre Ansatz nur für Patienten mit relativ leichten chronischen Rückenschmerzen als Erfolg versprechend. Er umfasst neben übenden Verfahren (Krankengymnastik, Rückentraining, Arbeitstherapie) auch Gruppen- und Einzelpsychotherapie; Medikamente werden, soweit möglich, reduziert.

Der multidisziplinäre Ansatz der Rückenschmerzbehandlung hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts zur bevorzugten Therapieform für relativ leichte chronische Rückenschmerzen entwickelt. Er unterzieht die Patienten einem dreiwöchigen Ganztagesprogramm (über jeweils acht Stunden an fünf Wochentagen), das sie befähigen soll, durch biopsychosoziale Unterstützung aktiv, positiv und bewusst mit ihrer Krankheit umzugehen, die durch Vermeidung und zunehmende Hilflosigkeit zu fortschreitenden körperlichen, psychischen und sozialen Funktionsverlusten führt.

Zwei Drittel der Patienten waren wieder arbeitsfähig

An der Studie unter Leitung von Professor Dr. Marcus Schiltenwolf, dem Leiter der Sektion Schmerztherapie an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, nahmen insgesamt 387 Patienten teil. Diese litten schon länger als drei Monate an chronischen Rückenschmerzen, waren deshalb schon mindestens sechs Wochen lang krank geschrieben und hatten auf Standardtherapien nicht angesprochen. Patienten, bei denen die Ursache der Rückenschmerzen eindeutig diagnostizierbar war, sei es wegen eines Tumors, einer Fraktur oder einer bakteriellen Entzündung, waren von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen.

Die Patienten wurden bei der Eingangsuntersuchung in drei Gruppen unter-schiedlicher Schweregrade unterteilt, wobei als Hauptkriterien die Schmerzintensität, die bisherige Dauer der Schmerzkrankheit sowie das Ausmaß der dadurch verursachten Beeinträchtigung galten. Nach dreiwöchiger multidisziplinärer Therapie wurden die Studienteilnehmer ohne weitere Behandlung aus der Klinik entlassen. Erst sechs Monate nach Beginn der Therapie wurde deren Erfolg mit fünf standardisierten Schmerzskalen und Fragebögen abschließend gemessen. Dabei zeigte sich in allen drei Patientengruppen ein signifikanter Nutzen der multidisziplinären Therapie hinsichtlich der fünf Erfolgskriterien Arbeitsfähigkeit, Schmerzintensität, Zufriedenheit mit der Behandlung, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Verbesserung der Rückenfunktion.

"Insgesamt waren sechs Monate nach Behandlungsbeginn 67,4 Prozent der Patienten wieder arbeitsfähig - und zwar unabhängig vom ursprünglichen Schweregrad ihrer Schmerzen", unterstreicht Professor Schiltenwolf die Bedeutung dieses Ergebnisses. "Die multidisziplinäre Therapie zahlt sich deshalb, wenngleich sie kostspielig ist, auch bei Patienten mit besonders schweren chronischen Rückenschmerzen aus."

Kontakt:

Professor Dr. Marcus Schiltenwolf,
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Leiter Sektion Schmerztherapie
Schlierbacher Landstraße 200
69118 Heidelberg, Germany
Tel.: +49 6221 / 96-63 89, Fax: +49 6221 / 96-92 88
E-Mail: marcus.schiltenwolf@ok.uni-heidelberg.de
Literatur:
Buchner M, Neubauer E, Zahlten-Hinguranage A, Schiltenwolf M:
The Influence of the Grade of Chronicity on the Outcome of Multidisciplinary Therapy for Chronic Low Back Pain. In: Spine Volume 32, 2007, Nr. 26, pp 3060-3066.
(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums
Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie