Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ärztekammer strikt gegen Patentierung menschlichen Lebens

13.06.2002


Ärztechef Dorner: "Gene dürfen nicht zum Eigentum von Unternehmen werden"

Im Zuge der bevorstehenden Umsetzung der Europäischen Biopatentrichtlinie ins österreichische Patentgesetz spricht sich die Ärztekammer vehement gegen die Patentierung einzelner Gene und Gensequenzen sowie Bestandteile des menschlichen Körpers aus. Die Folge wäre eine "die Grenzen jeder medizinischen Ethik überschreitende Geschäftemacherei einzelner Unternehmen", warnt der Präsident der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner. Die Vollversammlung der Wiener Ärztekammer hat bereits eine entsprechende Resolution verabschiedet, in der ein Verbot der Patentierung menschlichen Erbmaterials gefordert wird. "Die Liste der Kritiker von Gen-Patenen reicht bereits vom Weltärztebund bis zur WHO", begrüßt Greenpeace-Gentechnik-Experte Thomas Fertl die Kritik der Wiener Ärztekammer an der EU-Biopatentrichtlinie.

Gene beziehungsweise Gensequenzen seien allgemein zugängliches Gut, das nicht zum Eigentum von Unternehmen werden dürfe, betonte Dorner. Es müsse sichergestellt sein, dass Gene - etwa im Bereich der Krankenbehandlung und der medizinischen Forschung - für die Solidargemeinschaft existent blieben und nicht Gegenstand eines Patentes würden. Letzteres würde aber mit der Umsetzung der EU-Richtlinie 98/44/EG vom 6. Juli 1998 über den "rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen" in österreichisches Recht passieren. Es ist laut Dorner zu befürchten, dass damit der Zugang zu genetischen Ressourcen eingeschränkt und damit Forschung und Entwicklung neuer Therapien blockiert werden. Der Ärztechef befürchtet, dass die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren durch Patentgebühren und monopolartige Stellung einzelner Firmen am Markt teurer werden könnte.

Kritik gibt es auch am Europäischen Patentamt in München. Dieses sei lediglich an multilaterale Verträge gebunden und entziehe sich der Aufsicht durch die EU. Dorner befürchtet, dass damit dem Handel mit ethischen Gütern "Tür und Tor geöffnet wird". Von der österreichischen Bundesregierung erwartet sich Dorner ein sofortiges Umdenken: "Die Europäische Biopatentrichtlinie wurde in mehreren europäischen Staaten, so zum Beispiel in Frankreich und in Dänemark, nicht umgesetzt." Konkret sind nur zehn der 15 Staaten der Verpflichtung, die "Richtlinie zum Schutz biotechnologischer Erfindungen" in nationales Recht zu implementieren, nachgekommen. In Österreich ist die Diskussion neu entflammt, nachdem die österreichische Bioethikkommission die Umsetzung der Bioethikrichtlinie einstimmig empfohlen hat.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.aekwien.at/

Weitere Berichte zu: Biopatentrichtlinie Erfindung Gensequenz Patentierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics