Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Impfstoff soll schwere Komplikationen bei Stammzelltransplantationen durch Cytomegaloviren verhindern

13.03.2008
Carreras Leukämie-Stiftung unterstützt Impfprojekt der Uni Würzburg

Etwa die Hälfte aller Deutschen ist mit einem so genannten Cytomegalovirus infiziert, das sich in der Regel nicht bemerkbar macht. Es tritt erst dann auf, wenn das Immunsystem sehr schwach ist.

Das kann vor allem für Leukämiepatienten, die im Laufe ihrer Behandlung eine Stammzelltransplantation erhalten, schwere Folgen haben. An der Universität Würzburg wollen Klinikdirektor Professor Hermann Einsele und Dr. Götz Ulrich Grigoleit in Zusammenarbeit mit Professor Gerd Sutter vom Paul-Ehrlich-Institut eine Impfung entwickeln, die das Virus unschädlich macht. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. unterstützt das Projekt mit rund 210.000 Euro.

Das Cytomegalovirus (CMV) gehört zur Familie der Herpesviren. Wer sich frisch mit diesem Erreger infiziert, hat in der Regel keine oder nur schwache Symptome, wie etwa leichtes Fieber. Das Virus aber bleibt von da an lebenslang im Körper. Es nistet sich unter anderem in den Speicheldrüsen, in weißen Blutzellen und in den Blutgefäßwänden ein. In industrialisierten Ländern sind rund 50 Prozent der Menschen mit CMV infiziert, in den Entwicklungsländern sogar bis zu 90 Prozent.

Gefährlich wird das Virus in der Regel erst, wenn das Immunsystem durch Krankheiten oder Medikamente stark geschwächt ist. Dann erwacht es und kann schwere Schäden anrichten, etwa eine Entzündung der Netzhaut, die letztlich zur Erblindung führen kann. An der Medizinischen Klinik II werden unter anderem Leukämiepatienten behandelt, deren letzte Hoffnung auf einer Stammzelltransplantation ruht. Häufige und lebensbedrohliche Komplikationen werden bei dieser Therapie durch das CMV ausgelöst. Zusammen mit den fremden Stammzellen wird den Patienten auch ein fremdes Immunsystem übertragen. Damit das fremde Immunsystem den Organismus der Patienten nicht attackiert, muss es zunächst unterdrückt werden. Diese vorübergehende Immunschwäche aktiviert das CMV.

Den Impfstoff planen die Würzburger Experten auf der Grundlage eines harmlosen Virus, des so genannten Modified Vaccinia Ankara Virus (MVA), das bereits zur Entwicklung neuer Impfstoffe gegen wichtige andere Infektionskrankheiten des Menschen verwendet wird. An dieses Vehikel wollen sie zwei Proteine des Cytomegalovirus koppeln, die das Immunsystem des Menschen zu besonders starken Abwehrreaktionen anspornen. Bringt man solche Impfviren in einer Zellkultur mit Immunzellen in Kontakt, entwickelt sich ein sehr abwehrstarkes Immunsystem. Die im Labor produzierten "scharfen" Immunzellen sollen den Leukämiepatienten injiziert werden und einen Schutz gegen das CMV verleihen.

Alternativ könnten auch Stammzellspender einen Impfzyklus durchlaufen. Zusammen mit den neuen Stammzellen würden dem Patienten gleichzeitig spezifische Immunzellen im Transplantat übertragen, die das Virus kontrollieren können. "Diese Strategie funktioniert", ist sich Dr. Grigoleit sicher. Falls der Impfstoff wirkt, könnten standardmäßig alle Kinder geimpft werden. Auf lange Sicht ließe sich so die starke Verbreitung des CMV in der Bevölkerung eindämmen.

Der spanische Tenor gründete 1995 die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. - aus Dankbarkeit dafür, dass er selbst seine Leukämie-Erkrankung nach einer Stammzelltransplantation überwunden hat. Die Stiftung förderte bislang 593 Projekte. Dazu gehören die Förderung von Wissenschaft und Forschung, die Finanzierung von Strukturmaßnahmen, wie zum Beispiel der Bau von Transplantationseinheiten, Tageskliniken oder Rehabilitationszentren, und die Unterstützung von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen.

Weitere Informationen:

Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V.
Anne Rein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arcisstraße 61
80801 München
Tel: 089 / 27 29 04 - 40
E-Mail: presse@carreras-stiftung.de
Universitätsklinikum Würzburg
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Dr. Götz Ulrich Grigoleit
Klinikstr. 6-8
97070 Würzburg
Tel: 0931 / 201 - 36610
E-Mail: grigoleit_g@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.carreras-stiftung.de
http://www.medizin.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie