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Schilddrüsenerkrankungen häufig viel zu spät behandelt

12.03.2008
Oft dauert es mehrere Jahre, bis Symptome bei Störungen der Schilddrüsenfunktion richtig gedeutet werden und die Patienten die notwendige Behandlung erhalten.

Dies ergab eine Untersuchung, die Professor Dr. Frank Grünwald, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main und seine Mitarbeiter/innen in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Nuklearmedizin"* veröffentlichten.

Bei der funktionellen Autonomie, die meist mit so genannten heißen Knoten einhergeht, treten typischerweise Beschwerden wie verstärkte Nervosität, Schlafstörungen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Herzrhythmusstörungen auf. Nach den jetzt unter Erstautorenschaft von Dr. Laura Spilker veröffentlichten Ergebnissen dauert es im Durchschnitt mehr als drei Jahre, bis die richtige Diagnose anhand eines Szintigramms gestellt wird. Das Szintigramm wird beim Nuklearmediziner angefertigt und zeigt die heißen Knoten, die durch die Radiojodtherapie ausgeschaltet werden können. Im Gegensatz zur Operation ist die Radiojodtherapie nicht mit dem Risiko verbunden, dass der Stimmbandnerv geschädigt wird oder dass Nebenschilddrüsen versehentlich mit entfernt werden, die für einen normalen Kalziumhaushalt notwendig sind.

Aber selbst dann, wenn die funktionelle Autonomie bereits durch das Szintigramm belegt ist, vergeht im Durchschnitt noch einmal etwa ein halbes Jahr, bis die Therapie tatsächlich erfolgt. Dies ergab die Auswertung von fast 200 Fällen, die seit 2002 behandelt wurden. Während früher lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz bestanden, gibt es heute fast keine Engpässe mehr, so dass lange Zeitintervalle eigentlich nicht gerechtfertigt sind. "Die Risiken einer unbehandelten Schilddrüsenerkrankung sind erheblich", so Professor Dr. Grünwald. Insbesondere wenn die Patienten größere Jodmengen bekommen, wie z.B. bei einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln, wird der Körper plötzlich mit großen Mengen Schilddrüsenhormonen überschwemmt und es kann zu einer lebensgefährlichen Krise kommen, die oft schwer zu beherrschen ist. "Es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten", konstatiert Professor Dr. Grünwald, "Patienten müssen über die Bedeutung von Schilddrüsenerkrankungen und ihre Gefahren besser informiert werden".

Sowohl bei Beschwerden, die auf eine Vergrößerung zurückzuführen sein könnten, wie Engegefühl am Hals, Schluckbeschwerden oder Luftnot, als auch bei Zeichen der Überfunktion wie Nervosität, Schlafstörungen oder Herzrhythmusstörungen, sollte möglichst rasch ein Arzt aufgesucht werden, um eine Schilddrüsenerkrankung rechtzeitig entdecken und dann die richtige Behandlung einleiten zu können.

* Spilker L, Happel C, Döbert N, Grünwald F: Is radioiodine therapy conducted too late in patients suffering from thyroid autonomy? Nuclear Medicine 2008; 47(1):8-12

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. F. Grünwald
Direktor der Klinik für Nuklearmedizin
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/Main
Fon (069) 6301 - 43 30
Fax (069) 6301 - 68 05
E-Mail f.gruenwald@nuklearmedizin-unifrankfurt.de
Internet www.nuklearmedizin-unifrankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

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