Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbrauchernahe Produkte - Sicherheit trotz Vielfalt

11.03.2008
Globalisierte Märkte sind eine Herausforderung für den Verbraucherschutz

Über 20 Millionen Produkte rief ein amerikanischer Spielwarenhersteller im vergangenen Jahr zurück, sie enthielten Bestandteile, die für Kinder gesundheitsgefährlich waren. Die Produkte waren in China produziert worden, und die Rückrufaktion entfachte eine breite Debatte über die Sicherheit von Spielzeug und anderen verbrauchernahen Produkten aus China.

Die Globalisierung der Märkte und die höchst unterschiedlichen Rechtsregelungen für Produkte, mit denen Verbraucher täglich in Berührung kommen, stellen die Überwachung vor eine große Herausforderung. Können Verbraucher überhaupt darauf vertrauen, dass Spielzeug, kosmetische Mittel, Textilien, Verpackungen von Lebensmitteln, Wasch- und Reinigungsmittel sicher sind? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 5. BfR-Forums Verbraucherschutz, das am 3. und 4. März 2008 im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin stattfand.

Unter dem Titel "Verbrauchernahe Produkte - Sicherheit trotz Produktvielfalt" diskutierten rund 200 Teilnehmer aus Wissenschaft und Überwachung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, in welchen Bereichen die Sicherheit verbrauchernaher Produkte gewährleistet ist und wo es Nachbesserungsbedarf gibt. "Es gibt eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR, "über die Inhaltsstoffe wissen wir allerdings wenig". Einen Teil dieser Wissenslücken will das BfR in Zukunft schließen. Dazu wird vor allem die Abteilung Produktsicherheit mit derzeit 34 Stellen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut.

... mehr zu:
»Produktsicherheit

Rund 80 Prozent des Spielzeugs auf dem europäischen Markt ist Importware aus Asien, vor allem aus China. Die Rückrufaktionen von Spielzeugherstellern im vergangenen Jahr machten deutlich, dass diese Importprodukte den Sicherheitsanforderungen für den europäischen Markt zum Teil nicht entsprechen. Diese Anforderungen sind hoch, um Kinder besonders zu schützen. Geregelt sind sie auf europäischer Ebene in der Spielzeug-Richtlinie, die derzeit überarbeitet wird. Mit der Neufassung soll vor allem der Eigenkontrolle der Hersteller größere Bedeutung zukommen als bisher. Derzeit sieht das BfR die chemische Sicherheit von Kinderspielzeug in der Entwurfsfassung jedoch noch nicht ausreichend gewährleistet.

Bei einer anderen Produktgruppe sieht es besser aus: Viele Inhaltsstoffe kosmetischer Mittel sind bereits gesetzlich geregelt, zum Beispiel in Positiv- und Negativlisten erfasst. Zusätzlich müssen in Form der International Nomenclature of Cosmetic Ingredients (kurz INCI-Code) alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung deklariert werden. Diese Deklaration kommt vor allem Allergikern zugute, die so Produkte meiden können, die für sie problematische Inhaltsstoffe enthalten.

Die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen wurde von den Teilnehmern der Veranstaltung als wichtiges Instrument der Verbraucherinformation und damit als Beitrag zur Produktsicherheit gesehen - solange sie nachvollziehbar und verständlich ist. Gütesiegel hingegen könnten zur Produktsicherheit und Verbraucherinformation nur beitragen, wenn sie von unabhängigen Prüfstellen nach einheitlichen Kriterien vergeben werden.

Nicht nur die Kennzeichnung auf Verpackungen muss stimmen, auch die Verpackungen selbst dürfen für Verbraucher nicht zum Risiko werden. Für Verpackungen von Lebensmitteln gilt ein besonderer Sicherheitsstandard: Aus ihnen dürfen keine Stoffe auf das Lebensmittel übergehen, die die Gesundheit der Verbraucher gefährden können. Da Verpackungen immer häufiger aus Recycling-Materialien hergestellt werden, müssen diese Materialien während des Recyclings mit besonderen Verfahren gereinigt werden. Für Recycling-Kunststoffe wird dieses demnächst europaweit durch eine Verordnung sichergestellt. Für Recycling-Material aus Altpapier gibt es dagegen noch keine einheitlichen Rechtsvorschriften. Hier sind Einzelmaßnahmen, wie sie beispielsweise für Rückstände von Klebstoffen (z.B. Di-isobutylphthalat) in Papieren und Kartons getroffen worden sind, erforderlich.

Jährlich kommen weltweit mehrere Hunderttausend chemische Stoffe neu auf den Markt, von denen allerdings nur ein kleinerer Teil in verbrauchernahen Produkten verwendet wird. Um bewerten zu können, ob ein chemischer Stoff ein Risiko für die Gesundheit von Verbrauchern darstellt, muss neben der Toxizität (Giftigkeit) des Stoffes die Exposition berücksichtigt werden, das heißt, die Art und das Ausmaß, in dem Verbraucher mit dem Stoff in Kontakt kommen. Für zahlreiche Stoffe fehlen hier belastbare Daten, die zur wissenschaftlichen Bewertung benötigt werden. Gerade hier will das BfR künftig Wissenslücken schließen. Forschungsschwerpunkte der erweiterten Abteilung für Sicherheit verbrauchernaher Produkte werden deshalb neben Wirkungsmechanismen allergener Substanzen auf der Haut auch Untersuchungen zur Migration von Stoffen aus Verbraucherprodukten sein.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cd/10780
http://www.bfr.bund.de/cd/666

Weitere Berichte zu: Produktsicherheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie