Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einstündiger Hirn-Scan gibt Auskunft über Behandlung

11.06.2002


Schritt zur Einschränkung sinnloser Medikamente an Depressive

Ein einfacher einstündiger Scan des Hirnes kann nach Meinung von Wissenschaftlern der Universität von Los Angeles (UCLA) Auskunft darüber geben, ob Antidepressiva bei Patienten wirken oder nicht. Die Wissenschaftler haben Änderungen der Gehirnwellen festgestellt, die schon vor der Einnahme von Medikamenten Auskunft über den Krankheitsverlauf geben. Mit dieser Methode soll nach Meinung der Forscher die Verschwendung von nutzlosen Medikamenten verhindert werden, berichtet BBC-online.

"Die neuesten Erkenntnisse sind auch deshalb so wichtig, weil die meisten Antidepressiva viele Nebenwirkungen haben", so Forschungsleiter Ian Cook von der UCLA. Bis zu 40 Prozent der Patienten bekommen Medikamente verschrieben, die eigentlich keine wesentliche Hilfe zur Linderung ihrer Probleme darstellen. Üblicherweise werden aber Medikamente erst nach sechs bis 12 Wochen abgesetzt, wenn ihre Wirkung nicht eintritt. Jüngste Studien haben auch gezeigt, dass einige Patienten auf Placebo ebenso positiv reagieren wie auf Antidepressiva. Das ist ein Indiz dafür, dass eine psychiatrische Behandlung mindestens ebenso erfolgreich ist wie die Verabreichung von Tabletten zur Bekämpfung von psychischen Problemen.

Bei dem Experiment der amerikanischen Forscher wurden die Aktivitäten mittels EEG im präfrontalen Cortex, einem Teil des Gehirns, das für Motivation und Einschätzungen zuständig ist, gemessen. In einigen Fällen entdeckten die Forscher Änderungen nach kurzer Einnahme von Antidepressiva, obwohl die klinischen Merkmale erst vier Wochen später bemerkbar waren. Von den 51 Testpersonen wurde ein Teil mit Medikamenten und ein anderer Teil mit Placebo behandelt. 52 Prozent der Patienten reagierte auf die Medikamente, 38 Prozent reagierten auf das Placebo. Auf den EEG-Scans wurden die Unterschiede sofort sichtbar, dennoch dauerte es bei den Placebos länger, bis sie tatsächliche Auswirkungen auf die Patienten zeigten. Der Unterschied war aber für die Forscher signifikant: Während es bei Patienten, die mit Medikamenten behandelt wurden, zu einer Abnahme der Aktivität im präfrontalen Cortex kam, trat bei denen, die mit Placebos behandelt wurden, eine Zunahme der Aktivitäten ein.

Ein Vertreter der britischen Depression Alliance äußerte sich positiv. Die Methode könne die gesamte Behandlung von Depressionen verändern und revolutionieren. Die Verabreichung von Medikamenten alleine ist für viele Patienten ein schwieriger Prozess, weil sie zum Teil zu lange dauert. Die meisten sprechen auf eine Therapie mit Gesprächen, Selbsthilfe und Medikation am besten an. Der Sprecher der Organisation sagte auch, dass die Verwendung der Hirn-Scans für die Heilung vielversprechend sei. Er hoffe, dass diese Anwendung finden werden.

Die Ergebnisse der amerikanischen Studie wurden im Fachmagazin "Neuropsychopharmacology" http://www.sciencedirect.com/präsentiert.

Wolfgang Weitlaner | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.ucla.edu/
http://news.bbc.co.uk/
http://www.depressionalliance.org/

Weitere Berichte zu: Antidepressivum Cortex Hirn-Scan Placebo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie