Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltene Bindegewebstumoren brauchen spezialisierte Zentren

03.03.2008
- acht bis zehn Zentren könnten in Deutschland die Versorgung spürbar verbessern.

Experten für Bindegewebstumoren tagen am Uniklinikum Tübingen

Bindegewebstumoren, sog. Sarkome, können prinzipiell überall im Körper entstehen und sich von dort ausbreiten. Erschwerend kommt hinzu, dass sie selten sind und in jedem Lebensalter vom Säugling bis zum Greis auftreten. Über hundert verschiedene Sonderformen sind bekannt, die sehr unterschiedliche Verläufe nehmen können.

Die frühzeitige Erkennung, zielgerichtete Diagnostik und Therapie von Weichteilsarkomen ist daher für die Patienten überlebenswichtig. Hier besteht in der bisherigen Versorgungsstruktur in Deutschland noch großer Nachholbedarf. Experten fordern, dass Betroffene - wie in anderen europäischen Ländern - ausschließlich an spezialisierten Zentren wie dem Zentrum für Sarkomforschung und -behandlung am Tübinger Universitätsklinikum unter Beteiligung der chirurgischen Disziplinen, Strahlentherapie und Innere Medizin behandelt werden. Acht bis zehn solcher Zentren könnten in Deutschland die Versorgung spürbar verbessern.

Eine nationale Arbeitsgruppe unter dem Dach der Deutschen Krebsgesellschaft tagt vom 7. bis 8. März 2008 in Tübingen. Themen sind die aktuelle Diagnostik und Behandlung, neue Therapiekonzepte und die strukturellen Versorgungsprobleme in Deutschland.

Verlauf einer Weichteilsarkomerkrankung
Herr O., 59 Jahre alt, war vor einigen Jahren im Bereich des rechten Oberschenkels an einem Weichteilsarkom erkrankt. Schon die Bestimmung der entsprechenden Weichteilsarkom-Sonderform durch den Pathologen war schwierig. Herr O. wurde operiert und anschließend bestrahlt. Im Rahmen der Nachkontrollen zeigten sich jedoch Absiedlungen von Krebszellen des Sarkoms in der Lunge. Der Befall war so ausgedehnt, dass eine chirurgische Entfernung der Lungenmetastasen nicht möglich war. Nach einer Chemotherapie kam es zu einem Fortschreiten der Erkrankung.
Hilfe durch neue Medikamente
Durch die zunehmende molekularbiologische Differenzierung von Sarkomen konnten in den letzten Jahren vermehrt wirksame Medikamente für bestimmte Sonderformen der Erkrankung entwickelt werden. Es zeichnete sich ab, dass es kein Sarkom als solches gibt, sondern dass diese Erkrankungsgruppe aus einer Vielzahl von biologisch sehr unterschiedlich verlaufenden Erkrankungen besteht.

"Beispiele für sehr gute Behandlungsmöglichkeiten bei Sarkomen sind der gastrointestinale Stromatumor (vom Bindegewebe ausgehender Tumor des Magen-Darm-Traktes, GIST), das Dermatofibrosarcoma protuberans (ein Weichteiltumor der Haut) oder das großzellige Fibroblastom (ein bestimmter Haut- und Unterhautkrebs)", erklärt Prof. Dr. Jörg Thomas Hartmann, Hämatoonkologe und Leiter des Zentrums für Weichteilsarkome, GIST und Knochentumoren am Südwestdeutschen Tumorzentrum Tübingen. "Für einen Großteil der Patienten mit Sarkomen des erwachsenen Typs bleiben jedoch derzeit konventionelle Zellgifte (Chemotherapie) die Therapie der Wahl", so Hartmann, "allerdings wird inzwischen differenzierter behandelt." Aktuell wurde - nach über 25 Jahren - Ende 2007 ein neues Medikament, das insbesondere bei Liposarkomen und Leiomyosarkomen wirksam ist, entwickelt und zugelassen. Was bedeutet dies für Herrn O.? Für ihn steht eine Therapie zur Verfügung, mit der die Chance besteht, seine Lebensqualität zu erhalten und eine Lebensverlängerung zu bewirken.

Je früher desto besser!
Grundsätzlich ist die frühzeitige Erkennung, zielgerichtete Diagnostik und die Therapie von lokalisierten Weichteilsarkomen wichtig. Hier bestehen große Schwächen in der bisherigen Versorgungsstruktur in Deutschland. Die Experten fordern daher, Patienten mit tief sitzenden Schwellungen (mit einer Größe ab 5 cm) wie in anderen europäischen Ländern ausschließlich an spezialisierten Zentren zu behandeln. Grundpfeiler der Therapie für Patienten mit Sarkomen des erwachsenen Typs sind dabei die operative Therapie, unter Einschluss plastischer Rekonstruktionen, und die gewebeschonende Hochpräzisionsbestrahlung.

Die Tübinger Expertentagung soll hierfür erste Ansätze ggf. sogar konkrete Forderungskataloge der Mediziner erarbeiten, die zeitnah umgesetzt werden sollen. "In Deutschland würden flächendeckend 8 bis 10 Zentren ausreichen", so Professor Lothar Kanz, Geschäftsführender Direktor des Tumorzentrums Tübingen. "Wir arbeiten intensiv daran, dass wir bei seltenen Erkrankungen eine spürbare Versorgungsverbesserung in Deutschland erreichen können. Das Zentrum für Weichteilsarkome, GIST und Knochentumoren am Tübinger Uniklinikum ist ein nennenswertes Beispiel einer Strukturverbesserung bei dieser seltenen Erkrankung in der Region Südwestdeutschland", so Professor Michael Bamberg, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Tübingen.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Professor Dr. Jörg T. Hartmann
Otfried-Müller-Str. 10, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 21 27, Fax 0 70 71 / 29-56 89
Joerg-Thomas.Hartmann@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Bindegewebstumor GIST Knochentumor Sarkom Weichteilsarkom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie