Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stillen schützt vor gefährlichen Fettpolstern

03.03.2008
Stillen gilt allgemein als Schutz vor späterem Übergewicht. Inwieweit es sich auch auf die Entwicklung des Körperfetts in der Kindheit günstig auswirkt, ist noch unklar.

Dabei ist es vor allem ein Übermaß an Fettpolstern, das die Entwicklung späterer Erkrankungen begünstigt - mehr noch als ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) allein. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) in Dortmund haben daher untersucht, inwieweit Stillen die Bildung von Körperfett bei Jungen und Mädchen beeinflusst.

Die Studie des zur Universität Bonn gehörenden Instituts ist online abrufbar unter http://www.nature.com/oby/journal/v16/n2/pdf/oby200757a.pdf.

In der so genannten DONALD-Langzeitstudie erfassen die Dortmunder Forscher seit 1985 detailliert Daten zu Wachstum, Ernährung und Stoffwechsel von Kindern und Jugendlichen. Die Teilnehmer werden als Säuglinge im Alter von drei Monaten in die Studie aufgenommen.

Bis zur Volljährigkeit erheben die FKE-Forscher regelmäßig die Ernährungsgewohnheiten ihrer Probanden. Dazu zählt anfangs auch eine detaillierte Befragung zum Stillverhalten der Mütter. Während der gesamten Kindheit wird unter anderem auch der Körperfettanteil der Kinder jährlich durch verschiedene Messungen genau dokumentiert. Die aktuelle Analyse umfasst die Werte von 219 Jungen und 215 Mädchen.

Vor allem Jungen übergewichtiger Mütter profitieren

Dass Stillen vor späterem Übergewicht schützt, ist bereits bekannt. Allerdings findet sich in den meisten Studien nur ein leicht schützender Effekt, der jedoch zunimmt, wenn die Kinder nicht nur in den ersten Wochen gestillt werden. Die aktuellen Ergebnisse der DONALD-Studie bestätigen erstmals auch einen günstigen Einfluss des Vollstillens auf die Entwicklung des Körperfetts in der Kindheit. Voll gestillte Kinder erhalten nur Muttermilch, Wasser oder Tees, also keine Milchflasche oder Beikost.

Erstaunlicherweise fand sich dieser Effekt aber vornehmlich bei Jungen übergewichtiger Mütter: Während bei den Jungen und Mädchen normalgewichtiger Mütter die Körperfett-Menge im Laufe der ersten Lebensjahre abnahm, stieg sie bei Jungen übergewichtiger Mütter ab dem dritten Lebensjahr wieder an - aber nur, wenn sie nicht voll gestillt worden waren. Bei den Mädchen in dieser Studie hingegen war die Entwicklung des Körperfett-Anteils im Wesentlichen davon abhängig, ob ihre Mütter übergewichtig waren. Einen Effekt des Stillens gab es nicht.

Vollstillen scheint Jungen also vor Fettleibigkeit zu schützen, und zwar
gerade dann, wenn die Mütter übergewichtig sind. "Dieses Ergebnis ist auch deshalb interessant, weil es zeigt, dass die positiven Auswirkungen des Stillens nicht auf Vorbild-Effekte zurückzuführen sind", erklärt FKE-Forscherin Anette Buyken. "Stillen scheint bei Jungen eine genetische oder stoffwechselbedingte Prägung in Richtung höheres Körperfett auszugleichen, die aus dem Übergewicht der Mutter resultiert." Von diesem Vorteil profitierten die Jungen übrigens bereits, wenn sie mindestens zwei Wochen lang vollgestillt wurden. "Gerade übergewichtige Mütter haben - häufig hormonell bedingt - größere Schwierigkeiten, ihre Säuglinge zu stillen. Sie benötigen daher in der kritischen Anfangszeit praktische Anleitung", empfiehlt Dr. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung.
Kontakt:
Anette Buyken
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
Telefon: 0231/79-221050
E-Mail: buyken@fke-do.de
Privatdozentin Dr. Mathilde Kersting
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
Telefon: 0231/79-221018
E-mail: kersting@fke-do.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/oby/journal/v16/n2/pdf/oby200757a.pdf
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Kinderernährung Stillen Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise