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Gefährliche "Partnerschaft" zwischen Bakterien und Zigarettenrauch

06.06.2002


Ärzte entdeckten spezielle Bakterien bei Untersuchungen des geschädigten Lungengewebes von Patienten mit chronischer obstruktiver Lungenerkrankung. "Chlamydien" regen die Immunzellen zu stärkerer Aktivität an, was dem Körper mehr schadet als hilft. Das Enzym der Immunzellen, das eigentlich schädliche Fremdkörper verdaut, verdaut die Lungenbläschen gleich mit. Das Gewebe wird von innen durchlöchert. Die Forschungsergebnisse stehen in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der RUB, das soeben erschienen ist.

Klein aber gefährlich sind Chlamydien: Ärzte entdeckten die Bakterien bei Untersuchungen des geschädigten Lungengewebes von Patienten mit chronischer obstruktiver Lungenerkrankung. Chlamydien spielen für den Verlauf der Erkrankung eine wichtige Rolle. Durch ihre Anwesenheit regen sie die Immunzellen zu stärkerer Aktivität an, was dem Körper mehr schadet als hilft. Das Enzym der Immunzellen, das eigentlich schädliche Fremdkörper verdaut, verdaut die Lungenbläschen gleich mit. Das Gewebe wird von innen durchlöchert, Atemfläche geht verloren. Der Fund lässt hoffen und erste Anzeichen sprechen dafür, dass Antibiotika das Fortschreiten der Krankheit hemmen könnten.

Mit dem Tabakrauch fängt das Leiden an

Die chronische Bronchitis steht an sechster Stelle in der Rangliste der häufigsten Erkrankungen des Menschen, etwa zehn Prozent der erwachsenen Deutschen leiden daran. In ihrem Verlauf können sich die Atemwege so weit verengen, dass Atemnot auftritt - acht Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen sterben sogar an ihrer "chronischen obstruktiven Lungenerkrankung". Das lange Leiden fängt fast immer mit dem Rauchen an. Durch den Tabakrauch werden die Bronchialschleimhäute empfindlich für Viren und Bakterien. Durch die entstehenden Entzündungen schwellen die Atemwege an. Die eingeatmete Luft kann nun nicht mehr vollständig aus der Lunge heraus, es bleibt ein Rest zurück. So werden die winzigen Lungenbläschen überdehnt, sie können bis zu mehrere Zentimeter groß werden. Schließlich baut der Körper die Wände der Bläschen ab, es geht "Atemfläche" verloren. Ein Lungenemphysem entsteht.

Körpereigene Abwehr durchlöchert die Lunge

Bei diesen Prozessen spielt die körpereigene Immunabwehr eine wichtige Rolle: Abwehrzellen nehmen normalerweise schädliche Stoffe auf und verdauen sie mithilfe von Enzymen. Dabei können die Enzyme aber auch das umliegende Gewebe schädigen - etwa die Lungenbläschen auflösen. Bei Untersuchungen von geschädigtem Lungengewebe, das die Ärzte Kranken entnommen haben, trafen sie unvermutet auf einen Helfershelfer der Zerstörung: Chlamydien, spezielle Bakterien, die innerhalb von Wirtszellen überleben und z. B. auch für Bindehautentzündungen verantwortlich sind. Wie kleine Kügelchen überziehen sie das Lungengewebe. Fresszellen der Immunabwehr bilden z. T. Ausläufer zu diesen Kügelchen hin. Die Anwesenheit der Chlamydien fordert das Immunsystem zu verstärkter Aktivität heraus - noch mehr Fresszellen produzieren noch mehr Enzyme, die die Lunge durchlöchern. Durch die Entdeckung der Chlamydien hoffen Mediziner, erfolgreich mit Antibiotika gegen die chronische, obstruktive Lungenkrankheit vorgehen zu können.

Weitere Informationen

PD Dr. Dirk Theegarten, Allgemeine und spezielle Pathologie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26761, Fax: 0234/32-14200, E-Mail: dirk.theegarten@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_02

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