Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschlicher Darm lässt Cholera am Leben

06.06.2002


Verdauungssäfte aktivieren Gene im Bakterium – Infektiösität steigert sich explosionsartig

Menschliche Verdauungssäfte aktivieren Gene in Cholera-Bakterien. Die Mikroben werden dadurch hunderte Male infektiöser. Das ist das Ergebnis von Forschungen der Tufts University School of Medicine in Boston, Massachusetts. Das Team sammelte während des Cholera-Ausbruchs in Dhaka, Bangladesch, im April 2001 Vibrio-cholerae-Bakterien. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature schreiben, hofft man durch diese Ergebnisse potenzielle Ziel für Cholera-Impfstoffe oder Diagnose-Tests zu finden.

Zehn wichtige Gene sind im Stuhl der Cholera-Infizierten aktiv und in Labor-Bakterien inaktiv, so Andrew Camilli von der Tufts University School of Medicine. Einige der neu aktivierten Gene unterstützen das Bakterium, sich zu ernähren, andere wiederum zu schwimmen. Alle Gene scheinen dazu beizutragen, dass das Bakterium zwischen 200 und 700 Mal infektiöser ist. Das wurde zumindest im Mäusemodell nachgewiesen. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt. Vermutlich sind es die von den Genen produzierten Proteine, so der Mikrobiologe James Kaper vom Center for Vaccine Development in Baltimore. Sie könnten ideale Impfziele darstellen. Er vermutet, dass Cholera-Impfstoffe bisher großteils gefloppt sind, da diese aus Labor-Bakterien entwickelt wurden.

Das in Bangladesch aufgetretene V.-cholerae zeigte sich noch nach fünf Stunden außerhalb des Körpers als hoch-infektiös. Dadurch maximierte sich die Wahrscheinlichkeit, andere Menschen erneut zu infizieren. "Menschen stellen für das Bakterium eine gute Wachstumsumgebung dar und sind perfekte Transportsysteme", so Camilli.

Vibrio-cholerae-Bakterien infizieren pro Jahr zwischen 100.000 und 300.000 Menschen. Die Symptome wie Durchfall und Erbrechen führen bei jedem 100. Infizierten zum Tod durch Dehydration. Obwohl eine Dehydration einfach zu behandeln ist, zählt Cholera zu einem der Hauptprobleme in Ländern mit niedrigen Hygienestandards. Bestehende Impfstoffe sind nur teilweise wirksam und sind in einigen Ländern aufgrund ihrer Nebeneffekte verboten. Das Bakterium lebt im stehenden Wasser und reproduziert sich nur sehr langsam. In Menschen kann ihre Zahl explodieren. Im Stuhl sind bis zu 100 Mio. Cholera-Bakterien pro Milliliter Stuhl möglich.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.tufts.edu/med
http://www.nature.com/nsu/020603/020603-2.html

Weitere Berichte zu: Bakterium Cholera Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik