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Herzoperation im Mutterleib

05.06.2002

Jährlich kommen in Deutschland bis zu 8000 Babys mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Wenn solche lebensgefährlichen Anomalien nicht frühzeitig operativ korrigiert werden, ist das weitere Leben der betroffenen Kinder und seiner Eltern oft in hohem Maße beeinträchtigt. Einen Durchbruch bei der vorgeburtlichen Behandlung schwerer angeborener Herzfehler, die eventuell schon in der Gebärmutter zum Fruchttod führen können, lassen die experimentellen Arbeiten von Privatdozent Dr. Thomas Kohl erwarten: Am Universitätsklinikum Münster hat der lange an der dortigen Klinik für Kinderkardiologie tätige Mediziner in Kooperation mit Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesiologen mit Hilfe von Mikrosonden schonende Operationstechniken entwickelt, die bereits im Mutterleib eine Korrektur bestimmter Herzfehler erlauben. In Anerkennung seiner Habilitationsarbeit auf diesem Gebiet wurde er jetzt in Bochum mit dem renommierten Werner-Forßmann-Preis 2002 ausgezeichnet.

Mit dem mit 5000 Euro dotierten Wissenschaftspreis, der nach dem 1979 verstorbenen und unter anderem für seinen Selbstversuch im Bereich der Herzkatheterdiagnostik bekannten Nobelpreisträger Prof. Dr. Werner Forßmann benannt ist, würdigt die Stiftung Kardiologie 2000 der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Prävention und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen.

Auf dem Gebiet der vorgeburtlichen Behandlung lebensbedrohlicher Herzerkrankungen ist die Arbeitsgruppe um Thomas Kohl derzeit weltweit führend. Der Preisträger geht davon aus, dass das von ihm entwickelte minimal-invasive Verfahren nach erfolgreichen Ergebnissen bei ungeborenen Lämmern noch im Laufe dieses Jahres erstmals beim Menschen eingesetzt werden kann. Acht Jahre hat er in Münster und zwischenzeitlich drei Jahre in San Francisco intensiv auf diesem Gebiet geforscht. Unter dem Thema "Entwicklung minimal-invasiver fetoskopischer Operationstechniken zur Behandlung von hochgradigen Aorten- und Pulmonalklappen-Stenosen" konnte er dann im November vergangenen Jahres erfolgreich seine beim Direktor der Klinik für Kinderkardiologie des Universitätsklinikums Münster Prof. Dr. Johannes Vogt durchgeführte Habilitation abschließen. Wenngleich der zuletzt in Lübeck tätige Mediziner zum 1. Juli ans Universitätsklinikum Bonn wechselt, wird er gleichwohl seine experimentellen Arbeiten in Münster fortsetzen und auch als Lehrbeauftragter an der Medizinischen Fakultät tätig bleiben.

Jutta Reising | idw

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