Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Haarausfall: "Fahndungserfolg" auf Chromosom 3

22.02.2008
Haarausfall ist bei Männern weit verbreitet. Verantwortlich sind neben Umweltfaktoren die Gene. Eine Erbanlage wurde bereits identifiziert, die zum frühzeitigen Verlust des Haupthaares führt.

Man weiß aber, dass noch weitere beteiligt sind. Welche das sind, versuchen momentan Wissenschaftler verschiedener deutscher Hochschulen unter Leitung der Universitäten Bonn und Düsseldorf herauszufinden.

In einer aktuellen Publikation stellen sie nun mehrere Erbgutregionen vor, die an der Entstehung der Kahlköpfigkeit beteiligt zu sein scheinen. Der heißeste Kandidat ist ein Bereich auf Chromosom 3. Die Studie erscheint am 7. März im "American Journal of Human Genetics". Sie ist auch für die Herzinfarkt-Forschung interessant: Kahlköpfige Männer tragen ein erhöhtes Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken.

Bei manchen Männern beginnt der schleichende Haarverlust schon im Teenager-Alter: Im gleichen Maße, in denen ihr Bart zu sprießen beginnt, wird ihr Haupthaar schütterer. Über kurz oder lang bleibt kaum ein Vertreter des starken Geschlechts von der "androgenetische Alopezie", abgekürzt AGA, verschont: Unter den 70-jährigen sind rund 80 Prozent betroffen.

... mehr zu:
»Chromosom »Erbanlage »Gen »Haarausfall

Dabei ist Haarausfall nicht nur ein kosmetisches Problem: "In der Literatur wird für Betroffene ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Übergewicht diskutiert", betont Dr. Axel Hillmer vom Life&Brain-Zentrum an der Universität Bonn. Auch deshalb ist die Suche nach den genetischen Ursachen so wichtig: Die beteiligten Erbanlagen spielen möglicherweise ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung gefährlicher Volkskrankheiten.

Den Kooperationspartnern aus Bonn und Düsseldorf ist nun ein wichtiger erster Fahndungserfolg gelungen: Sie haben die Position der möglichen Kandidaten-Gene gewissermaßen "eingekreist". Keine triviale Aufgabe: Etwa 30.000 Erbanlagen umfasst die genetische Bauanleitung eines jeden Menschen. Nur von einem Bruchteil kennt man heute die Funktion. Viele Gene übernehmen im Organismus zudem mehrere Rollen. "Wir haben 95 Familien untersucht, in denen jeweils mindestens zwei Söhne unter frühzeitigem Haarausfall litten", erklärt Hillmer. "Dabei konnten wir 14 Regionen identifizieren, in denen möglicherweise Erbanlagen für Haarwachstum und Haarausfall sitzen."

Jede dieser Regionen enthält jedoch noch mehrere Dutzend Gene - zu viele für eine detaillierte Analyse. Die Forscher konzentrieren sich bei ihren weiteren Untersuchungen denn auch zunächst auf ihren "heißesten Kandidaten": Einen Abschnitt auf Chromosom 3, auf dem 34 Erbanlagen liegen. "Keines dieser Gene wird bislang mit der Biologie des Haares in Verbindung gebracht", sagt Dr. Roland Kruse von der Universitäts-Hautklinik Düsseldorf. "Von einem Gen weiß man aber immerhin, dass es bei Alterungsprozessen eine Rolle spielt. Ein zweites bewirkt möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Übergewicht - ein Merkmal, unter dem Männer mit Haarausfall häufiger leiden als Menschen mit normalem Haarwuchs. Diese beiden Erbanlagen erscheinen uns für weitere Studien daher am aussichtsreichsten."

Wie geht es weiter?

Die Forscher wollen nun bei möglichst vielen Männern mit frühzeitigem Haarausfall vor allem diese beiden Gene genauer unter die Lupe nehmen. Stoßen sie dabei auf eine Genvariante, die bei Kahlköpfigen häufiger vorkommt als normal, könnte sie die Ursache für den Haarverlust sein. "Im nächsten Schritt gilt es herauszufinden, welche Funktion die Erbanlage in der Biologie des Haares spielt", erklärt Dr. Hillmer.

Für die nächsten Schritte suchen die Mediziner daher Männer unter 39 Jahre mit Haarausfall sowie Männer über 60 Jahre mit vollem Haar. Für die Teilnahme an der Studie sind lediglich eine Blutprobe und ein Foto vom behaarten Kopf erforderlich. Die Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung. Nähere Informationen sind bei Dr. Roland Kruse, Dr. Sandra Hanneken oder Dr. Sibylle Eigelshoven, Universitäts-Hautklinik Düsseldorf, Telefon 0211/8116360 oder E-Mail Roland.Kruse@med.uni-duesseldorf.de erhältlich.

Kontakt:
Dr. Axel Hillmer
Life & Brain Zentrum Universität Bonn, Abteilung für Genomik
Telefon: 0228/6885-444
E-Mail: axel.hillmer@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Chromosom Erbanlage Gen Haarausfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

AWI-Forscher messen Rekordkonzentration von Mikroplastik im arktischen Meereis

25.04.2018 | Geowissenschaften

Alternativer Waldzustandbericht: Deutschlands Wäldern geht es schlecht

25.04.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics